19. Juni 2011.

Zimtbrötchen und Regen vor dem Fenster. Das Wetter sieht nicht aus, als würde es sich je wieder ändern wollen aber der Spatz auf dem Dachgiebel gegenüber stört sich daran nicht. Sein Getriller und das manchmal stark anschwellende und manchmal sehr sanfte Geräusch des Regens sind das Lauteste hier. Hin und wieder dein Atmen im Schlaf, ansonsten ist es ruhig. Nicht still, hier ist keine Stille sondern Ruhe. Ein anderer Spatz hat sich dem Ersten gegenüber gesetzt und schreit ihn an. Ich bin so entspannt wie lange nicht mehr.

Hier bist du also aufgewachsen und ich glaube, dass das ein guter Ort ist. Ein Ort an dem ich stundenlang sein kann, sogar ohne dass mir die Musik fehlt. Dass Ruhe mir fehlt bemerke ich nie. Ich weiß nicht, wonach meine Hände riechen; vielleicht riechen sie nach Zimt und nach dem regensatten Grün der Bäume. Ich möchte nicht ewig auf die Musik verzichten, vielleicht noch eine Stunde oder zwei. Ich möchte dem Regen zusehen und Gedanken denken über die Menschen und über dich. Mein Ohr an deinem Rücken und meine Nase tief in deinem Duft möchte ich still liegen und nichts tun müssen. Worte möchte ich finden und mich nicht für zu wichtig halten. Ich glaube, ich habe lange nicht mehr geschlafen.

Dann bricht die Sonne aus den Wolken und die dampfenden Wiesen vor dem Fenster leuchten. Die Spatzen sind weg, von irgendwo höre ich sie aber noch immer schreien. Der Regen hat aufgehört, zumindest für den Moment und mein Zimtbrötchen habe ich auch gegessen. Ob ich mich wieder zu dir legen soll. Warum auch nicht, ich habe das Gefühl, dass ich hier gut schlafen kann.

„He D.,

ich habe mich lange nicht mehr gemeldet, bei dir.
Dabei ist es bald fünf Monate her, seitdem wir uns zuletzt gesehen haben. Und noch ein paar Monate früher konntest du dir sicher sein, dass du am Tag nachdem du mir eine Mail geschrieben hast eine Antwort hattest. Ich hab viel um die Ohren, das stimmt. Aber ich denke viel an dich, wirklich. Kürzlich hab ich von dir geträumt.
In einem halben Monat kennen wir uns ein Jahr. Erinnerst du dich daran? Du hattest Geburtstag und ich hab dir Müsli gemacht, mit Erdbeeren aus dem Garten. Vor einigen Tagen habe ich zum ersten Mal in diesem Jahr Erdbeermüsli gegessen und musste daran denken. Es ist großartig, dass wir uns kennen. Dass es dich gibt. Auch wenn du inzwischen nur noch so selten von mir hörst. Ich nehme an, dass ich ein wenig Angst davor habe, dich zu sehen. Mein Leben ist zwar so wirr und turbulent wie eh und je, aber die Begegnung mit dir hat mich doch noch ein bisschen mehr aus der Bahn geworfen. Irgendwie hab ich mich entschieden, dass für mich frei sein später kommt. In einem Jahr eben. Weil ich mir was beweisen will und vielleicht auch irgendwie beweisen muss. Wahrscheinlich ist das blöd von mir, weil ich möglicherweise viel verpasse und weil viel in dem Jahr passieren kann. Andererseits würde ich auch viel verpassen, würde ich mich jetzt schon für’s frei sein entscheiden. Ich bin gerne hier, gerade.
Vor einigen Wochen war ich in Italien und diese Woche fahr ich nach Berlin. Immerhin. Zwar keine großen Reisen oder Abenteuer – die kommen im Sommer sicher – aber die Welt ist noch immer neu genug für mich, dass auch das Hierbleiben manchmal spannend sein kann. Als ich in K. war, haben wir ja auch eigentlich nichts gemacht. Nur Musik gehört, irgendwie. Gerade höre ich Eels, mal wieder und immer noch. Everything was beautiful and free in the beginning. Noch immer berührt mich jedes Lied unglaublich.
Eigentlich wollte ich mich nur mal wieder bei dir melden, dir kurz schreiben, dass ich noch lebe und dass auch du nicht vergessen bist. Weil ich das schade fänd, wenn du das denken würdest. Ich würde mich freuen wenn du mir mal antwortest und mir schreibst, wie es dir so geht, was du machst, wo du bist. So Kram halt.
Ich wünsch dir einen schönen Sommer und vielleicht sehn wir uns ja doch mal!
Viele Grüße
deine M.“

Look what you‘ve done to me.

Ich habe gelogen. Ich habe dich angelogen.

Ich will nicht, dass du weißt dass ich das Gefühl das ich für dich habe „Liebe“ nenne. Ich will nicht, dass du weißt, dass ich manchmal mit Zärtlichkeit an dich denke und ich will nicht, dass du weißt, dass ich diese Gefühle kenne und zuordnen kann. Ich will nichts zuordnen. Ich möchte mit dir in einem Zustand des Chaos leben, in einem unsicheren Gewirr aus Vielleichts und Was Ist Wenns. Ich will dich verlieren und wiederfinden, solange es geht. Ich will dir nicht sagen, wie besonders du bist, das sage ich jedem Mann und du bist zu besonders dafür. Ich will dir nicht sagen, dass du der Einzige bist, denn ich will dich nicht anlügen aber sagen, dass du nicht der Einzige bist, will ich dir auch nicht. Vielleichts und Was Ist Wenns. Ich will bei dir sein, das will ich. Ich möchte deinen Hals küssen und an deinem Haar riechen und wenn es riecht, wie das Haar eines Mannes den ich vorher kannte, dann möchte ich das sagen. Ich will nicht, dass ich diese Gefühle für dich so empfinde, denn weil ich sie empfinde, empfinde ich dich als zu gut für sie. Ich habe Männer geliebt, die waren weniger gut als du. Du musst wissen, dass du besonders bist. Du musst wissen, dass ich Angst habe. Und du musst wissen, dass ich mir manchmal nichts mehr wünsche als das Beste für dich.

Manchmal siehst du aus wie ein beleidigtes Kind, wenn du schläfst. Während du jetzt neben mir liegst siehst du aus wie ein beleidigtes Kind. Ich mag dich trotzdem oder aber dafür. Ich mag so vieles an dir. Mit keinem trinke ich lieber nachts auf dem Spielplatz Wodka-O aus der Wasserflasche. Niemandem versuche ich lieber böse zu sein, auch wenn ich dir nicht böse sein kann weil du alles ins Alberne ziehst. Du liegst neben mir und siehst aus wie ein beleidigtes Kind, während ich diese Worte schreibe und mir vorkomme wie eine, die keine Worte finden kann, außer solche die es schon gibt, solche die nicht passen, solche die vollkommen übertrieben klingen. Meine Worte klingen immer übertrieben, das ist mein Problem. Ich möchte dir all diese Worte nicht sagen, weil ich mich wieder nur in ihnen verenne, weil ich wieder nur alle zurücknehmen werde und am Ende gar nichts gesagt habe. Eigentlich ist es auch gar nicht wichtig, wie ich das Gefühl nenne, das ich für dich habe. Es ist so, es stimmt wenn ich sage: Von keinem würde ich mich lieber auf ein Bier einladen lassen, mit keinem würde ich lieber an dem Fluß liegen, der durch meine Stadt fließt. Aber das sind starke Worte und sie sind nur jetzt wahr. Nur jetzt nenne ich das Gefühl das ich für dich habe „Liebe“, nur jetzt denke ich mit Zärtlichkeit an dich, in der Nacht wenn alle Lichter gelöscht sind und ich bei leiser Musik die letzte Zigarette rauche.

Ich habe gelogen. Ich habe dich angelogen, weil ich Angst habe. Ich habe Angst davor, dass du mich missverstehst und ich habe Angst davor, dass ich mich missverstehe. Du bist der Beste und du bist der Einzige; in diesem Moment. Nur in diesem Moment.

Meer sehn.

Love until we bleed./(w)irr.

Die Wörter fehlen.
Die frische Frühlingslandschaft in mir ist verdörrt, eine unheimliche Einöde ist das, was bleibt. Staub wirbelt auf, bei jedem Schritt den ich tue, und ich kann mich auch nicht mehr erinnern wie es war, am Meer in der vergangenen Woche. Wir sind erwachsen geworden und wenn man erwachsen wird, dürfen keine Blumen mehr in einem wachsen. Mit Salzwasser könnte ich sie vielleicht wieder zum Blühen bringen, aber das einzige salzige Wasser das ich habe sind meine Tränen.
Kann ich nicht auf DEL drücken? CTRL und dann einen Menschen auswählen und dann DEL? Sonst ist mein Herz zu schwer vor Traurigkeit, ich kann es dann nicht mehr gut mit mir herumtragen. Wie eine Wahnsinnige irre ich durch mein virtuelles Paradies und vermisse wieder. Natürlich könnte jetzt eingeworfen werden, ich habe doch keinen Grund zum Vermissen. Ich habe alles, mir geht es gut.
Ich liebe immer ein bisschen und der Sommer steht auch vor der Tür. Aber da ist die Einöde, da ist die unendlich weite Tristesse. Himmelhochjauchzendzutodebetrübt? Until we bleed.
Jetzt sitze ich wieder über dem Abgrund, denke abgründige Gedanken und würde gerne Zigarette um Zigarette rauchen. Die Zigaretten fehlen. Die Wörter fehlen.

Ich erklimme den Hügel in der Mitte der Einöde und drücke DEL, DEL, DEL, DEL! Die Taste klemmt oder ist falsch belegt. Zumindest passiert nichts und ich kann mich nur noch den Konsequenzen stellen. Der Hügel bricht ein und ich werde von einer gigantischen Staubwolke eingehüllt. Keine Karawane kommt angeritten um mir den Weg nach draußen zu geleiten.

(diesen sommer) zu erledigen:

Jetzt lieg ich auf der Lauer
Nach dem Sommer, Jungens!

Berthold Brecht

Ihr Lieben!
Wie jeden Sommer kommt jetzt meine to-do-Liste für den Sommer. Denn Sommerpläne sind die besten Pläne! :)
(2010. 2009. 2008. 2007.) Von 2007 und 2008 distanziere ich mich aber :D

- Nach Genova fahren (dieses Wochenende? Dieses Wochenende!)
- Meer sehn!
- Eine wunderbare Wohnung finden
- Einen super Ferienjob haben
- So lange tanzen, bis ich vor Erschöpfung zusammenbreche
- Auf der Schloßmauer Falafeln essen
- Ein klasse Ract!-Festival organisieren & erleben
- Vom 10 Meter Brett springen!
- Als Helferin auf’s Melt! fahren
- Frühmorgens aufstehen und bei aufgehender Sonne mit dem Zug irgendwohin fahren, einen Becher Kaffee in der Hand (natürlich!)
- Berlin, Berlin! (zweimal :D Einmal Bildung, einmal Party)
- Endlich ein Buch schreiben
- Sex am Strand haben
- Nach Marseille, nach Hamburg und nach Prag fahren und außerdem nach Paris, Lissabon oder Istanbul
- Unbedingt wieder in einer Band spielen
- Eine tolle Theateraufführung hinlegen & wunderbare Schultheatertage erleben
- Sommerbobbahn fahren :)
- Wieder mal auf’s Sziget? Auf jeden Fall soviele Festivals wie möglich!
- Lagerfeuerabende mit Gitarren & tollen Leuten & so erleben
- Mal wieder frühmorgens Radio machen
- Überhaupt so viele gute Radiosendungen machen, wie’s nur irgendwie geht!
- Meine letzten Sommerferien genießen
- Liebe Leute besuchen
- Eh soviel’s geht von der Welt sehn!
- Riesige Eisbecher essen
- Unglaublich fantastische Sachen kochen und kreative Kreationen kreeiren :D
- Ein Tattoo stechen lassen
- Ein Roadmovie drehn
- Die Revolution beginnen

… und natürlich noch immer nicht erwachsen werden!

Und die Leute in unsren Köpfen riefen: „Ihr kriegt uns hier nicht raus.“

Und du gehst, du gehst
in die Nacht
in deinen Augen
der Mond, der Mond

Peter Licht – Wir werden siegen

Wieder wanke ich durch Nächte, wieder verschlafe ich den Tag und es ist heiß geworden. Mein Leben in Dauerschleife.
Ich mache mir Sorgen, ich feiere, ich mache mir Vorwürfe, ich küsse. Einige Momente berühren mich und wenn die Hitze mich einschließt wie ein gutmütiges Tier, dann vergesse ich beinahe dass ich manchmal friere. Die Luft riecht auch in der Nacht verheißungsvoll, mein Herz steigt empor wenn ich an Meereswind denke. Aber das Meer erscheint so weit entfernt.


Wellen, die gegen die steile Meeresbrandung schlagen. Salzwasser und der Himmel überall. Willkommen am Ende der Welt. Willkommen am Ende von Müssen und Sollen.

Ich kann keine Lieder mehr über Einsamkeit singen. Manchmal fallen mir noch Worte der Sehnsucht ein. Aber die große weite Welt muss noch ein bisschen auf mich warten und Du; Du fehlst mir auch. Vielleicht bist Du jetzt Synonym für ein Leben, das ich nicht gelebt habe und gegen das ich mich entschieden habe, für den Moment. Aber möglicherweise werden wir uns wieder begegnen, wahrscheinlich nicht berühren und eventuell bricht mir das das Herz. Ich bin oft glücklich in diesen Tagen, aber das Glück ist von einer Art wie es aus Wehmut entstanden sein könnte. Die Hitze hat mich etwas wirr im Kopf gemacht, aber jetzt ist sie aus meinem Körper gewichen.

Doch heute, heute bin ich aufgewacht und habe gemerkt, dass ich nicht in den Armen einer Marmorstatue lag; es war ein Mensch der mich umarmte.

IM ZWEIFEL FÜR DEN ZWEIFEL.

Mit einem Lächeln und seinen Küssen auf den Lippen verließ sie das Haus. Die Luft roch nach Frühlingsregen, endlich Frühlingsregen! In einigen wenigen Wochen schon würde es wieder die kleinen Schnecken geben, wegen denen sie jeden Morgen furchtbar vorsichtig sein müsste, damit sie keine zertrat.
Vor einigen Stunden hatte sie ihn beim Schlafen beobachtet, hatte die Konturen seines Gesichtes betrachtet und sich gefragt, warum sie neben genau ihm lag. Was unterschied ihn von anderen Männern, was machte ihn anziehend für sie? Sie war zum Entschluss gekommen, dass ihn gar nichts unterschied, war von ihm abgerückt und hatte über sich selbst den Kopf geschüttelt. Hatte den Übergang von seinem Hals zu seinem Kopf betrachtet und sich gewundert. Wo vor wenigen Tagen noch Worte der Schönheit in ihrem Kopf waren war nun Rauschen.
Sie war auf seinen Balkon über der Stadt gegangen um die Häuser zu betrachten und um Abstand zu gewinnen. Mit einem Mal verabscheute sie den Balkon, verabscheute die Aussicht auf die Häuser und darauf, hier noch öfter zu stehen und den Morgen anzusehen und zu rauchen. Aber dann kamen ihr Worte in den Sinn, Worte die sie vor kurzer Zeit erst gegenüber einer guten Freundin wie ein Mantra wiederholt hatte: „Zweifeln ist normal, zweifeln gehört dazu und Zuneigung ist nicht immer gleich stark.“ Sie hatte sich vorgestellt, wie es ohne ihn wäre und festgestellt, dass das auch nicht das war, was sie wollte. Verwirrt hatte sie versucht die Zigarettenkippe auf das Dach des Nachbarhauses zu werfen, war vom Balkon getreten und wieder zu ihm gekommen. Sie hatte versucht zu schlafen.
Später dann hatte sie ihm in wirren Worten erklären wollen, worüber sie nachgedacht hatte, wurde aus der Bahn geworfen von seinem ruhigen Atem und von seiner Präsenz die sie auf einmal wieder voll traf. Sie wusste, dass sie log, während sie sprach, denn sie zweifelte nicht. Mochte er auch kein Mann für’s Leben sein, so konnte sie sich keinen Mann vorstellen mit dem sie jetzt lieber ihre Zeit verbringen würde. Sie hatte ihn dann in den Arm genommen und mit der Hand vorsichtig über sein wirres Haar gestrichen; hatte gedacht, dass es ohnehin nur darum ging, den Moment zu leben. An diesem Morgen lag sie neben ihm, an diesem Morgen hatte sie auf seinem Balkon die Dächer der Stadt betrachtet. Niemand wusste, wie die kommenden Morgende sein würden und das war doch großartig.
Mit einem Lächeln und seinen Küssen auf den Lippen verließ sie das Haus. Endlich war es Frühling geworden.

Du hörst nur das Meer in deinem Kopf.

Und auf einmal liest du irgendwo das Wort „Meer“ und um dich wird es still. Du kannst dich nicht mehr konzentrieren, egal wie wichtig die Aufgabe ist, die du hattest; du kannst keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Gestern, da war ich am Meer. In meinem Kopf. Da war die Welt unwirklich, der Himmel war viel zu blau und es hat so sehr gewindet, wie es im Süden eigentlich gar nicht sein kann. Ich habe gemerkt, dass ich auf der Welt laufe, habe vorsichtig einen Fuß vor den anderen gesetzt; da, so mitten auf der Welt. Und in meinem Kopf waren die Dünen und in meinem Kopf war das Salz. Ich war mir so sicher, dass ich jetzt angekommen bin; endlich wieder am Nabel der Welt, an dem einzigen Ort an dem ich Rastlose zur Ruhe komme.
Ich wär gern mit dir am Meer gewesen, vielleicht beide schweigend in unsere eigenen Gedanken vertieft aber so, dass wir die Nähe des Anderen noch irgendwie spüren können. Du magst das Meer auch, das finde ich gut.
Und als ich da so in die Ferne blickte, hab ich mich gewundert wie es sein konnte, dass meine Kindheit stattfinden konnte, ohne dass ich sie am Meer verbracht hab.
Gestern da war ich am Meer in meinem Kopf und hab mich über die Welt gewundert, die so anders geworden ist.

VOR DER KRIPPE/ NOCH SCHNELL EINE KIPPE/ DURCHZIEHN.

Ich als theaterbegeisterter junger Mensch habe ja nun das Glück, dass es in meiner Kleinstadt einige Angebote für theaterbegeisterte junge Menschen gibt. Ich als internetsüchtiger und schreibfanatischer junger Mensch habe ja nun das Glück, dass eines der Theater in meiner theaterbegeisterten Kleinstadt die so genannte „Aktion: Blogger“ in’s Leben gerufen hat. Das Landestheater Tübingen, nämlich.
Die Aktion: Blogger sieht folgendermaßen aus: Das LTT (für alle nicht so theaterbegeisterten oder nicht so kleinstädterischen Menschen: „LTT“ ist die Abkürzung für „Landestheater Tübingen“, Anm. der Autorin) verschenkt Freikarten an coole und gutaussehende Blogger_innen und die schreiben ne Rezension über das Stück das sie sahen. So wie ich jetzt.

Ich war am vorigen Freitag in „Gespräche mit Astronauten“, einem großartigen Stück von Felicia Zeller. In „Gespräche mit Astronauten“ geht es um Kleinfamilien in reichen westlichen Staaten und um die Beschäftigung von Au-Pairs aus nicht so reichen nicht so westlichen Staaten in diesen Kleinfamilien.
Präziser: In Knautschland, da gibt es Mülltrennung und nur vegetarisches, biologisch-dynamisches Essen in den meisten Familien. Der Fernseher darf nicht zu lange anbleiben, statt einem Eis isst man lieber zwei Äpfel. Für die Wäsche gibt es einen To-Do-Korb und wer kurz duscht wird auch sauber. In Knautschland ist man nämlich politisch korrekt und viel fortschrittlicher als in Rostland, der Ukulele, der Schlamparei oder den anderen unterentwickelten Staaten in Mitropa und Trallala. Aus diesen Staaten kommen die Au-Pairs nach Knautschland – um Knautsch zu lernen, das Land zu sehn, ihre Träume wahr zu machen. Tragischerweise wird weder das mit dem „das Land sehen“ noch das mit dem „Träume wahr machen“ was, denn die Au-Pairs müssen die meiste Zeit zuhause sitzen und auf die Kinder aufpassen. Die Mütter sind ja auf Arbeit und die Väter sind im All. Und irgendwer muss sich ja um die Kinder kümmern; zum Glück gibt’s die Au-Pairs. Zum Glück machen die die ganze Zeit Überstunden. Nur irgendwie ist es nicht so richtig, dass die Kinder sich dann auf einmal mit den Au-Pairs verbundener fühlen, als mit den Müttern. Und dass die Au-Pairs nicht ewig bleiben, macht es für niemanden einfacher.

In „Gespräche mit Astronauten“ kommen alle irgendwie zu Wort. Die gestressten Mütter, die desorientierten Kinder, die freiheitssuchenden Au-Pairs, die ordnungsliebenden Knautschen und ein bisschen auch die Väter, wenn sie aus dem Weltraum zu Besuch da sind. Die Worte die sie wählen sind besonders, verwundern erst einmal und lassen aufhören. Im Programmheft ist vieles großgeschrieben, ich hab das Stück nicht gelesen, aber ich vermute da auch. „Linsensortierer/ Hülsenfruchtregistrierer/ immer alles auflisten PRO UND KONTRA wer hat wann wie oft was WER KAUFT HIER IMMER DEN KASTEN SPRUDEL/ WER GEHT MIT DEM PUDEL/ überall hängen Zettel, auf denen sowieso immer nur mein Name steht, weil er sowieso kein Bock hat, sich ständig immer überall einzutragen LASS MICH!“ Und damit ich nicht bald von meinem Amt als KleineGoettin zurücktreten muss, mach ich das vorhergehende, kursive hiermit ganz offiziell deutlich als ZITAT aus „Gespräche mit Astronauten“, in diesem Fall abgetippt aus dem LTT-Theatermagazin zum Thema Arbeit in der Spielzeit 10/11.

So. Das war jetzt sicherlich keine richtige Rezension, aber ich find das Stück zu schade für ne richtige Rezension und wenn ihr zufällig auch theaterbegeisterte Menschen seid und aus der selben Kleinstadt wie ich kommt, dann habt ihr in nächster Zeit eh noch einige Gelegenheiten euch das Stück selber anzuschauen und ich kann das nur empfehlen!