„Das ist Paolo und Paolo schläft auf Pappe.“

Ich habe schon einmal eine Theaterrezension geschrieben. Über „Gespräche mit Astronauten“ war das, auch am Landestheater Tübingen aufgeführt. Schon einmal? Auch? Richtig geraten: Jetzt gibt’s wieder eine Theaterkritik, ebenfalls von einem Stück, das derzeit am LTT gespielt wird. Warum ich das mache? Das letzte Mal gab’s Freikarten und dieses Mal war ich sowieso mit meinem Literatur und Theater-Kurs „Partnerklasse“ des Stücks und hab einfach Lust dazu.

BENEFIZ – JEDER RETTET EINEN AFRIKANER“ ist der Name des Stücks und genau darum geht’s eigentlich: Um einen Benefizabend für Afrika. Eva, Christine, Leo, Rainer und Eckhard sind fünf sehr unterschiedliche Menschen die aus sehr unterschiedlichen Gründen diesen Abend erfolgreich gestalten wollen. Die eine findet es politisch unkorrekt, eine schwarze Freundin zu bitten an dem Abend mitzuwirken, da sie vorgeführt würde; der andere ist der Meinung, dass es politisch unkorrekt sei, sie auszuschließen – ‚nur weil sie schwarz ist‘. Ingrid Lausund ist zumindest in Tübingen mittlerweile ein bekannter Name (wie das in anderen Städten so aussieht, weiß ich leider nicht, da ich da nicht so viel in der Theaterszene rumhänge), seit ungefähr jeder junge Mensch sich von ihrem Stück „KONFETTI! – EIN ZAUBERABEND FÜR POLITISCH VERWIRRTE“ begeistern lies. Sie macht auch noch andere coole Sachen, beispielsweise hat sie mit Beatrix von Pilgrim „lausundproductions“ gegründet, „eine Produktionsgesellschaft, die freie Theaterproduktionen international realisiert“ (so steht es in der Pressemappe geschrieben). Mit BENEFIZ zeigt sie geschickt viele Fragen, Zweifel und den ein oder anderen Zwiespalt auf, der so manchem Gutmenschen kommt wenn er sich mit „Afrika“ und „Entwicklungshilfe“ auseinandersetzt. Ist wirklich jeder Mensch gleich viel Wert? Oder ist doch mein Kumpel Andy mehr wert als mein Bekannter Ben, zumindest für mich, weil ich den Andy lieber mag? Wem helfe ich? Ist es sinnvoller, in die zu investieren, die noch eine Chance im Leben haben könnten oder lieber in die, bei denen es um’s pure Überleben geht? Und, die beinahe spannendste Frage im Stück wie ich fand, warum kann ich heute für Afrika spenden und morgen den selben Geldbetrag guten Gewissens für einen Cocktail ausgeben? Wie viel Lebensstandard darf ich haben, wenn andere um ihr Leben kämpfen? Schade fand ich einzig, dass nie die Frage im Raum stand, wie sinnvoll diese Art von Entwicklungshilfe an sich ist. Ob man mit Geldspenden nur die Symptome und nicht aber die Ursachen bekämpft und ob es andere Möglichkeiten gibt, nachhaltiger zu helfen. Aber im Grunde genommen kann man das auch kaum erwarten, von einem Stück, das zwei Stunden geht, sehr unterhaltsam und kurzweilig ist und wahrscheinlich jedem im Publikum den ein oder anderen Spiegel vorhält. Denn Theater kann, darf, muss kontrovers und aktuell sein; alle Fragen der Weltpolitik an einem Abend behandeln, das muss es nicht.

Und BENEFIZ macht sogar mehr, als es muss. Es wird nicht nur vom Helfen gesprochen, es wird auch tatsächlich versucht, zu helfen. Das Stück und jede Inszenierung (also nicht nur die in Tübingen, sondern auch in anderen Städten!) ist an das Projekt „Eine Schule für Bissau“ gekoppelt. Nach dem Stück kann das Publikum tatsächlich spenden und diese Spenden unterstützen den Ausbau und die Unterhaltung einer Schule im westafrikanischen Guinea-Bissau. Das sorgt übrigens für viel Verwirrung, wenn nach der falschen Probe für einen falschen Benefizabend plötzlich echte Spendenkästen an den Ausgängen stehen. Bei der Premiere vergangenen Freitag haben viele der Zuschauer_innen die Spendenboxen einfach ignoriert und das, obwohl Leo am Schluß eine feurige Rede darüber hält, dass eigentlich 51% Überzeugung genügen um zu spenden.

Let’s have a drink or maybe two/ 2011.

Das war letztes Jahr. Das von diesem Jahr hab ich mal wieder hier her. Holla, die Waldfee, ich hab viel zu tun, komm kaum mehr zum Bloggen und jetzt muss ich auch noch eine komplette Silvesterparty organisieren. Dafür hab ich ein tolles Kleid, eine tolle Playlist und vorallem: Die besten Freund_innen der Welt!
Gab’s bei euch spannende, bewegende Momente, dieses Jahr? Lagt ihr auf der faulen Haut oder habt ihr die Welt bewegt? Und was tut ihr, um den Jahreswechsel zu zelebrieren, falls ihr das tut?
Mein einziger guter Vorsatz (abgesehen von einem geheimen) ist es, im nächsten Jahr wieder ein wenig mehr Text auf diese Seite zu setzen und euch hoffentlich Lust zu machen, auch mal wieder öfters vorbei zu schauen!
Einen guten Rutsch und auf dass euer guter Vorsatz sei, hier mal mehr zu beizutragen!

Herzlichst,
eure Göttin

1. Zugenommen oder abgenommen?
Abgenommen, wie immer über Weihnachten! :)

2. Haare länger oder kürzer?
Länger. Ich hab jetzt Haare bis zum Arsch (also, fast).

3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Kurzsichtiger! An die Zukunft mag ich gar nicht denken. Leider muss ich es aber, also auch ein bisschen weitsichtiger.

4. Mehr Kohle oder weniger?

Ha! Ich gehöre nun zu Menschen die arbeiten! Deswegen mehr. Gefühlt aber leider gleich wenig :/

5. Mehr ausgegeben oder weniger?
Oh. Siehe Punkt 4. Da ich glücklicherweise zu jenen Menschen die arbeiten gehöre, die noch nicht mit der Schule fertig sind und deswegen hauptsächlich zuhause wohnen, kann ich mein Geld verprassen, wie ich mag! (Geiz ist geil ist ja so gar nicht mein Lebensstyle!)

6. Mehr bewegt oder weniger?
Politisch: Weniger, leider, auf Grund von akutem Stress durch bevorstehendes Abi. Mich selber: Keine Ahnung.

7. Der hirnrissigste Plan?

Eine Silvesterparty zu veranstalten. Ha ha.

8. Die gefährlichste Unternehmung?
In Moskau mitten in der Nacht, nach dem wir uns aus der Jugendherberge ausgeschlossen hatten, wildfremde Leute um Hilfe zu bitten. So gefährlich war das nicht, uns kam es aber so vor.

9. Der beste Sex?
Andauernd.

10. Die teuerste Anschaffung?
Der Freund.

11. Das leckerste Essen?
Sahnsesaucengemüseauflaufkram. Das war supermegalecker und glaub das beste, was wir dieses Jahr gekocht haben!

12. Das beeindruckendste Buch?
„Der Tod des Bunny Monroe“ von Nick Cave war großartig, aber das fällt mir nur grad ein, weil es hier rumliegt. Ich hab so wahnsinnig viele gute Bücher gelesen, dieses Jahr, endlich mal wieder! Gestern habe ich mit Rosa Luxemburg’s Liebesbriefen angefangen, die sind auch sehr spannend. Und zu Weihnachten hab ich mehrere Comicbände bekommen, einerseits „The Last Man On Earth“ und andererseits „Habibi“, in die hab ich zwar erst reingeschnuppert, möchte aber sofort loslegen, mit lesen und Bilder betrachten. Ah, und natürlich „Tag der geschlossenen Tür“ von Rocko Schamoni, weil ich Rocko Schamoni’s Bücher liebe. Aber wie gesagt, viel zu viele gute Bücher, dieses Jahr.

13. Der ergreifendste Film?
Klingt peinlich, ist es vielleicht auch, aber ich fand „Fenster zum Sommer“ ziemlich toll.

14. Die beste CD?
Ohje, ich weiß gar nicht, was ich dieses Jahr neu entdeckt hab. Witthüser und Westrupp kenn ich zwar wahrscheinlich schon länger, hab aber erst in diesem Jahr angefangen, die wirklich gut zu finden. Also „Bauer Plath“.

15. Das schönste Konzert?
Peter Licht im Sudhaus in Tübingen! Das war wirklich das, was ich „schön“ nennen würde.

16. Die meiste Zeit verbracht mit …?

Stress. Gefühlt mir Schulkram, in Wahrheit wohl eher mit knutschen und Serien schauen.

17. Die schönste Zeit verbracht mit …?
Reisen. Moskau, Marseille, Hamburg. Ein paar Träume wurden dieses Jahr wahr. Und generell alle Reisen, die ich dieses Jahr machte waren spannend und toll.

18. Vorherrschendes Gefühl 2011?
Stress, leider.

19. 2011 zum ersten Mal getan?
Mit dem Flugzeug geflogen, mit dem Auto und ohne „Erwachsene“ in den Urlaub gefahren, ein Gewürzregal gebaut, mich auf’s Abi vorbereitet, einen richtigen Job gehabt, mit geldverdienen und so.

20. 2011 nach langer Zeit wieder getan?
Eine Beziehung geführt.

21. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Leistungsdruck, blöde Anmachen und die Welt, die zugrunde geht.

22. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass wir unser Leben geniessen müssen, weil wir ja nur einmal leben.

23. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Gewürzregal. Und der Segelgutschein und ein Kalender. Und eine Geschichte, die immer noch weitergeht. Ach, ich weiß nicht, solltet ihr das Glück haben, von mir beschenkt zu werden, dann werdet ihr merken, dass ich versuche oft schöne Sachen zu verschenken.

24. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Das ist wirklich schwer. Ich hab Unmengen tolle Geschenke bekommen, dieses Jahr. Selbstgetischlertes Schminkkästchen, Peter Licht-Konzertkarten, ein Kamerastativ, Tanzgutschein, selbstgestricktes Halswärmekuscheldings, Kochgruppenoutfit aber auch ein Raclette-Set und mein superduper neuer iPod, ohne den ich jetzt schon nicht mehr leben könnte. Wirklich schwer.

25. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Okay, dann fahren wir eben noch mal zurück, damit du dich vom Meer verabschieden kannst.“

26. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

„Scheiße, verdammt, natürlich liebe ich dich!“

27. 2011 war mit einem Wort …?
viel.

28. Noch Fragen?
Habt ihr noch welche?

Ethikklausur, Pluspunktaufgabe.

Hallo, weil heute Weihnachten ist oder eigentlich weil ich früh aufgestanden bin und deswegen viel Kram machen kann, schenke ich euch heute eine tolle Geschichte über Gott. Das ist doch passend, denn Gott und Jesus waren ja schon immer gute Kumpels und um Jesus geht’s ja bei Weihnachten. Außerdem bin ich ja sowieso ’ne Göttin und hab mit denen viel zu tun und zusätzlich ist das aus einer Ethikklausur von mir, da schreibt man halt Kram über Gott.
So, frohe Weihnachten oder happy Chanukka oder merry heidnisches Götterfest oder einen tollen Tag euch!

P.S. Eines Tages werde ich wieder mehr bloggen! Promise und so. Und dann auch mehr lustige Sachen, so wie heute.

P.P.S. Die „göttlichen Delfine“ am Ende der Kurzgeschichte sind eie Anspielung auf einen anderen Aufgabenteil der Ethikklausur, in welchem ich den onthologischen Gottesbeweis in eigenen Worten wiedergeben sollte und dann irgendwie ein Beispiel mit göttlichen Delfinen angeführt hab.

P.P.P.S. Ich will euch doch nur aufhalten, mit der Geschichte anzufangen!

1. Teil:
„Ich komme bald wieder… hoffe ich!“, sagte Gott, als er aus der Vorstellung der Menschen zu verschwinden drohte. Als bloße Idee zu existieren, war für ihn nicht immer leicht gewesen. Er hatte schon einige Krisen durchgestanden, aber so schlimm, wie es seit dem Aufkommen der Evolutionstheorie war, war es vorher nie gewesen. Es hatte immer Menschen gegeben, die an ihn geglaubt hatten, die ihn, die Idee, am Leben erhalten hatten. Gott hatte viele Gesichter gehabt: Er war gütig und zornig, war eine Frau und ein Vater, er war einer und viele. Aber immer hatte er von sich Reden gemacht, war immer eine der populärsten Ideen überhaupt gewesen, hatte auch nie den Anschein erweckt, dass er verschwinden würde. Und jetzt? Jetzt wurde Gott immer durchsichtiger, drohte sich an den Rändern aufzulösen und hatte längst nicht mehr den Charme, den er einst gehabt hatte. „Ich verschwinde! Haltet mit doch fest!“, rief er denen zu, die ihn umgaben. Leider waren auch sie nur mehr Schatten ihrer selbst, ihre glorreichsten Zeiten waren längst verstrichen: Das Christkind, das versuchte nach ihm zu grabschen, musste feststellen, dass es nichts war als heiße Luft und Petrus, der herbeigeeilt kam, hatte Mühe nicht den Himmel unter den Füßen zu verlieren. Gott blieb nichts anderes übrig, als auf eine große irdische Katastrophe oder einen republikanischen US-Präsidenten zu hoffen, um ein Comeback in die Köpfe der Menschen zu schaffen. Er setzte sich auf eine Wolke und wartete ab.

2. Teil:

Descartes sah, wie Gott traurig auf einer Wolke saß und immer durchsichtiger wurde. Er selbst war keine Idee, war nie eine gewesen, er hatte existiert und musste sich nicht sorgen, dass er sich auflösen könnte. Dennoch konnte er verstehen, wie betrübend es sein musste, als ehemals mächtigste Idee immer mehr an Bedeutung zu verlieren. „He, alles klar bei dir?“, rief er, denn er wollte den verschwindenden Gott trösten. „Hm, manchmal frage ich mich, ob es mich gibt“, seufzte Gott trübsinnig. Da lächelte Descartes: „Aber du denkst doch, also bist du!“, rief er aus. „Das ist es ja“, sagte Gott, „Die Menschen denken nur, dass ich denke. Das ist ihre Idee von mir. Gerade jetzt stellt eine Schülerin sich vor, dass ich mich frage, ob es mich gibt, das ist nur ihre Idee von mir und noch dazu eine jämmerlich paradoxe Idee. Nicht mehr lang, und der dort tritt an meine Stelle!“ Gott zeigte mit einer verächtlichen Geste auf ein fliegendes Spagettimonster, das in einer anderen Ecke des Himmels herumschwirrte. Descartes musste schmunzeln: „Ja, oder diese göttlichen Delfine dort hinten.“. Dann aber schmunzelte er nicht mehr, als er mit ansehen musste, wie Gott zu Schall und Wahn verpuffte.

Tretjakowska/ Wien vs. Moskau.

Okay, dann vermisse ich dich jetzt doch.
Der belaubte Weg, der von der Universität zur Moskwa führt, lässt mich an Schloss Schönbrunn vor beinahe zwei Jahren denken. Es war Winter und ich wollte immer den Berg hinunterrennen, ich fühlte mich übermütig wie ein junges Fohlen. In der Realität ist HERBST und nur die Erinnerung zähmt mich. Sonst wäre ich wohl schon längst den Berg hinuntergeschlittert. Ob du nicht doch der Eine bist, frage ich D. und frage ich ky. als ich zurückkam. Ich muss mal wieder bloggen, dachte ich.
Der Wald ist gelb und rot und eine der schönsten Erinnerungen an Moskau. Wir hatten unsere Gruppe verloren und hinter uns kamen andere Menschen, in dicke Pelze eingewickelt. Aber wir waren zu zweit, verloren an diesem Ort an dem für immer Herbst bleiben würde und ich fiel, fiel in Erinnerungen.

The storm: Wir waren allen Widrigkeiten zum Trotz angekommen. Kunst umgab uns und die feindselige Stimmung der anderen. In mein schlechtes Gewissen hüllte ich mich ein und vergrub mein Gesicht darin. Wir werden immer alleine sein, wir werden uns nie unterordnen können, das wurde mir klar. Die Bilder beruhigten mein sütrmisches Inneres, die ruhigen Gespräche und dass wir trotzdem immer noch zu Zweit waren, D. und ich. Für uns wurde der Sturm zu einer Lehrstunde und zu einem Ort des meditativen Traurigseins. Im Grunde hatten wir gesiegt, wieso sollten wir uns das vermiesen lassen?

Wen ich wann vermisse, ich weiß es nicht. Aber dich wiederzusehen fühlte sich dann nach einem kurzen Zögern doch richtig an. Dich für immer wiederzusehen, für immer in meinen Augen zu betrachten. Das wünsche ich mir zu meinem 19. Geburtstag, den wir in Moskau einläuten und hier noch nächtelang tanzend hinauszögern. Dass ich nicht immer nur dich vermisst habe, daran erinnert mich der Herbstwald hinter der Universität.

Regen und Böen.

Ich gehe durch mein Leben und lasse eine Spur von gebrochenen Herzen hinter mir. Jetzt habe ich angehalten, muss ausruh‘n, muss wieder zu mir kommen. Coffee black and egg white; pull me out from inside. Immer wieder versicherte ich ihm, dass er der Einzige sei; immer wieder machte ich sie glauben, dass ich immer auf sie gewartet hätte. Immer wieder glaubte ich selbst daran.
Dann, für einen Moment, bleibe ich stehen und schaue verwundert auf die hinter mir liegende Zerstörung, von mir angerichtet. Natürlich kann ich euch verstehn; eine wie mich findet ihr nie wieder. Natürlich bricht euch das das Herz.

Draußen peitscht der Regen an’s Fenster und aus irgendeinem Grund habe ich plötzlich Angst, so alleine in der Badewanne. Der Sommer ist verschwunden, das wird mir deutlich. Es ist Herbst geworden – in mir oder um mich herum? In der Badewanne zu liegen ist schon ein Anfang, später werde ich Tee trinken und Kekse essen. Dicke Socken anziehen. Noch später dann Kaffee und Zigaretten. Meine Entgiftungskur; coffee and cigarettes. Ich entziehe das Gift des Sommers.

Meine Bestürzung ist groß, als ich aus dem Fenster und noch immer den Sommer sehe. Nur in mir war Herbst. Das kriegen wir wieder hin, min deern. I am ready, I am fine. Ich habe meine schönste Unterwäsche an, einfach weil Freitag ist. Vielleicht hilft mir das, diesen Punkt zu überwinden. Manchmal ist es schlimmer Freundinnen zu vermissen als diese Personen, die einem vermeintlich am wichtigsten sind. Diese Personen, für die wir oft Freundschaften aufgeben. Während ich den Spätsommerhimmel tief einatme, höre ich deine Stimme zu und frage mich, ob ich nicht euphorischer sein müsste. Du bist so nett und ich so wortkarg. Heute in der Badewanne habe ich mir unsere Trennung vorgestellt. Das sage ich dir nicht, stattdessen nicke ich immer, während du erzählst. Am Telefon.

Jetzt ist also doch noch Sommer und ich sollte diesen Pulli ausziehen und mich in’s Nachtleben stürzen. I am colorblind.

Von Counting Crows aus dem Song „Colorblind“ ist das meiste kursive, außer „Coffee and cigarettes“ das ist der Titel eines Filmes von Jim Jarmusch.

Zudem

wird gerade an anderen Orten auf der Welt Geschichte gemacht die bedeutsamer ist, als alle meine Geschichten.

(jetzt: http://english.aljazeera.net/watch_now/)

Ich wünschte ich würde mich für Tennis interessieren.

Würden wir uns einfach ein Auto klauen oder ein paar Pferde stehlen, dann könnten wir uns aufmachen in den Sonnenuntergang oder in die Nacht, wie es eher unser Stil ist. Den Sommer könnten wir damit verbringen den Wind im Haar zu spüren und das Meer zu suchen. Biertrinkend würden wir uns Anekdoten aus früheren Sommern erzählen und die Musik würde aus dem Auto- oder Handyradio schallen. Passend zum Sommer würden wir Sommerlieder hören und bestimmt würde einer von uns sagen, dass auf diese Weise der Sommer nie enden würde. Wenn er dann enden würde, würden wir die ganzen Bierflaschen in die Pfandautomaten im Supermarkt schmeißen, das Auto bunt bemalen und die Pferde in die Freiheit entlassen oder umlackieren und dann könnten wir dicke Socken anziehen um Tee zu trinken.
Würden wir uns einfach ein Auto klauen, mitten in der Nacht, dann würde bestimmt alles ziemlich denkwürdig werden.

Don‘t come closer or I‘ll have to go.

- no one told me how to live alone.

Ich habe mir eine Aufgabe gestellt, die ich erfüllen will. Das Leben, das ich jetzt lebe ist befristet, das darf ich nicht vergessen. Melancholie kann ich so nicht überwinden, auch nicht das Gefühl Dinge zu verpassen.

Wir haben den Krieg gelernt, in meinem Alptraum. Wir haben uns gegenseitig umgebracht, in der Wüste in der wir waren. Der Sand roch gelb und nach Blut. Soviel haben wir verborgen, voreinander. Schrapnell wird für weiche Ziele eingesetzt, für Menschen. Ich möchte den Krieg vergessen, möchte das Leben vergessen, das ich jetzt lebe. In den Arm genommen hast du mich nicht.

Es war eine wahnwitzige Idee, mich auf all das einzulassen. All den ‚was wäre wenn’s‘ zu viel Bedeutung beizumessen und mich zu verlieben. Dass es leicht ist, kann ich nicht sagen, aber es ist so leicht. Ich würde mir wünschen, ich hätte dich nie kennengelernt. Ich würde mir wünschen, dass ich Abschied nehmen kann.

Denn dem Krieg möchte ich entgehen. Der Traum war so eng und so wahr und als ich in der Nacht aufwachte und die Regentropfen am Fenster beobachtete tat die Welt mir weh. Am Morgen danach „Full Metal Jacket“. Essen konnte ich nicht dabei, nur geweint hätte ich gern. Wenn die Musik da ist und die Wolken ganz schnell vorbeiziehen, an dem Fenster neben dem ich gerade liege, dann kann ich atmen. Aber die Wolken werden die Wüste nie erreichen. Jeder stirbt alleine im Krieg.

Ich werde dich verlassen und das weißt du. Ich werde dich verlassen, das hoffe ich zumindest.

You got your whole life to lose.

Blaustreifenschwarz ist der Himmel und die Luft voller Rückkopplungen. Die Schallplatte hängt und ich muss entscheiden, ob ich sie nun endlich zerbreche. Das wäre so unvernünftig. Unglücklicherweise passt ‚unvernünftig‘ gut zu meiner Lebensphilosophie, unglücklicherweise habe ich keinen Plan oder andere Pläne.

One, two, three. „Basilikum“ ist neutrum, wusstet Ihr das? Ich lerne doch dazu; hört jetzt auf, nicht an mich zu glauben! Ihr könntet mich dann retten. Ich möchte mich in deiner Stimme vergraben, die Welt und mein Herz sollen ohne mich stehen bleiben. Aber die Platte hängt und hängt. Ich möchte ein Beil nehmen und sie zerschlagen, ich möchte mich von ihr los sagen und mich mit anderer Musik einhüllen. Aber dann sagen sie, das wäre Flucht, dann sagen sie, ich wäre feige.

Muss ich mir etwas beweisen? Ich stehe im Wind, mitten im Lärmsturm und manchmal denke ich, dass ich die Schallplatte ja noch reparieren könnte. Auch wenn reparieren nicht mein Stil ist, denn ‚reparieren‘ kommt nicht im Vokabular einer Unvernünftigen vor.

On the hottest night of the year lying in a patch of rhododendrons.

Das Basilikum blüht. Ich habe noch nie ein Basilikum Blüte tragen gesehen.

Es ist gut, ein kaltes Getränk zu haben um in diese heiße Nacht zu sehen. Das Eis schmilzt viel zu schnell, dabei will ich doch langsam trinken. Vor einem Jahr gab es auch kalte Getränke. Immer ist alles ein Jahr her, wenn es in meine Erinnerung tritt. Aber diesmal bin ich nicht so wehmütig, nicht so sehr. Ich vermisse vielleicht die Sterne, die ich heute nicht sehe und von denen ich glaube, dass ich sie in jener Nacht gesehen habe. Aber ich vermisse diese Begegnung nicht, vermisse diese Berührung nicht. Vermisse nur den Rausch in dem ich mich befand, im letzten Jahr.

Sie sagen, ich kann mit Glück nicht umgehen. Du sagst das. Aber ich denke manchmal, dass ich mehr von dem Leben erwarte. Von diesem Leben, hätte ich fast geschrieben. Dabei ist dieses mein Einziges.

Ich rauche langsam und trinke langsam, denn ich genieße die Hitze. Aber ich muss immerzu an die Wahrheit denken und dass ich sie aufschreiben möchte. Die Augen der Stadt funkeln verführerisch in der Nacht. Ich bin deine Geliebte, ich bin die Geliebte der Stadt. When I was your age I was commanding fleets. Ich wünsche mir und hoffe, dass heute nicht die heißeste Nacht des Jahres ist. Die bedeutet mir sehr viel, weißt du. Die würde ich gerne genau so verbringen wie das Gefühl, das ich mit ihr verbinde.

Oh, ich vermisse, ich vermisse. Vermisse vergangene Lieben und vermisse dich, immerzu. Warum ich keinen glücklichen Text schreiben kann, fragen sie mich. Warum meine Texte über Liebe immer vor Pathos triefen und so unglaublich melancholisch sein müssen. Und im Nachhinein werde ich schreiben, wie glücklich ich war.

But this is not a lovesong.
Das ist kein Text über liebe, mon amour. Das ist eine Geschichte vom Schreiben und von einer heißen Nacht in der das Basilikum blühte. Ich bin allein. Doch noch bleiben mir diese Momente, noch habe ich Zeit. Liebe ich dich aus Übermut? Du kennst mich so wenig. Das ist eine Lüge, eventuell. Und ich sehne mich nach Küssen, die ich nie geküsst habe und danach, diese Nacht in einer Umarmung zu verbringen, gleich wie heiß es ist. Ob ich mich nach Einsamkeit sehne. Es ist seltsam, das kann ich nicht beantworten.

Du sagst immer müssen und du hast ja Recht. Aber jetzt befreie ich mich davon, die Stadt empfängt mich mit ihren heißen Küssen und das Eis schmilzt auf meiner Haut. Ich werde nicht fortgehen, entscheide ich. Ich kann nichts beurteilen, kann nur warten wie es sein wird und mir ein neues Getränk machen. Ich bleibe hier; in deiner Nähe.

On the hottest night of the year
Lying in a patch of rhododendrons
A bottle of whisky under my arm
Trying to count a sky full of stars
I dream of order, I dream of fleets
Of Napoleon in aquamarine

Bloc Party – Rhododendrons