Archiv der Kategorie 'Traumwelten'

Hiermit verkünde ich die Phantasie!

Die Glocken läuten Ostern ein; du hast mich zerstückelt. Wenn wenigstens gegen Ende der Nacht ein Licht leuchten würde, eine kleine LED-Lampe – wäre das nicht ein Hoffnungsschimmer? Aber wir wanken weiter, tanzen verirrt, verwirrt um fahle Gestalten, versuchen zu halten was nicht mehr haltbar ist. Es geht um die Wiederauferstehung, im doppelten Sinn. Volver = zurückkehren. Lass uns zurückkehren, an diesen einen Ort!
Als dieser Punkt erreicht ist, beugt sich der Pfarrer zur Pfarrersfrau und murmelt nur leise. Wer würde nicht versuchen, die Schlacht mit den eigenen Waffen zu schlagen?
Widersprich mir nicht! Kannst du den absoluten Grundsätzen standhalten, die heute nicht mehr als verwitterte Fragmente sind, in alten Stein gemeißelt? Viel zu ehrwürdig, viel zu spirituell.
Ein Manifest, basierend auf Naivität und Rückratlosigkeit. Wir sind Amöben, weißt du? Wir sind Amöben und schwimmen im Sturm.
Dies ist der angemessene Platz für uns. Gegen Stromschläge wirst auch du nicht ankommen.

und dann die entfremdung. und dann die entfremdung. und dann die entfremdung.
das ist die welt in der wir leben sie ist direkt vor meinen augen greifbar viel zu weit weg stehen die brennenden türme einer vergessenen stadt hungernde wesen kämpfen um trügerische sicherheit in den räumen.
und dann die entfremdung spielt sich direkt vor meinen augen ab und zu denke ich dass du recht hattest mit der welt anmut glimmt auf vor meinem gesicht wedelt einer mit dem fußballticket. ich bin verwirrt.

Hiermit verkünde ich: Ich werde Ihnen heute Abend die Phantasie verkünden! Sichern Sie sich einen Platz in der ersten Reihe; lassen Sie sich nieder auf der Tribüne und genießen das Drama! Es geht nichts über the beast in me.

I love you in the morning.

Busfahrer zu sein, ist bestimmt ein bisschen so wie seine Unschuld zu verlieren.

Eilig und naiv rennen die gehetzten Büromenschen über den Busbahnhof; laut und die-offene-Wodkaflasche-unter-dem-Mantel-versteckend nehmen sich Jugendliche nachts selbstverständlich das Recht in den Bus einzusteigen. Denn in der Regel sind diese Orte nur Nebenschauplätze. Kaum ein Beobachter verharrt hier lange, kaum eine Tragödie spielt sich hier ab. Nur ein weiterer Durchgang auf der Reise in die Nacht; auf dem Weg ins Einkaufszentrum; nur ein Mittel zum Zweck.

Armeen von Rauchern, Flaschensammlern; Lesenden und Shoppenden versammeln sich hier. Es ist ihr Ort. Es ist mein Ort. Auch du kannst hier sein. Es ist dein Ort. Es ist ein guter Ort, denn das wirkliche Leben ist für uns alle anderswo. Haben sich die zwei besten Freundinnen hier gestritten? Ist der alte Fahrradfahrer kürzlich hier umgerempelt worden? Es ging nicht um den Ort. Trotz allem wird dieser Ort spätestens morgen wieder unbefleckt sein. Mit einem Schmunzeln werden wir ihn betrachten; wenn wir uns entfernen, dann vergessen wir ihn.

Höchstens als Metapher für einen Moment hat er in unseren Köpfen Platz. Höchstens ein Bild für einen Zeitraum, ein Gefühl, eine Erinnerung. Nie ist da mehr, bis wir unsere Unschuld verlieren und Busfahrer werden. Denn dann sind wir der Ort.

Long nights allow me to feel I‘m falling.

Ich wäre froh, wäre ich weniger wirr im Kopf. Weißt du noch, wie du mir sagtest, dass kein einziger Augenblick auch nur die Ahnung einer Ewigkeit in sich trägt, selbst wenn es ein Augenblick unter den Sternen ist, im Sommer wenn die Wiesen und die Nächte endlos scheinen?
Du hast das gesagt und ich habe es nicht verstanden, aber ich war erstaunt über die Poesie in deiner Sprache und wollte dich küssen. Ich habe mich nicht getraut.

Jetzt ist schon lange Winter und es gibt so viele Geschichten die ich dir gerne berichten würdem aber mir ist übel und die Gedanken an dich wage ich nur im Verborgenen. Du gibst mir nicht die Chance, dich wiederzusehen, dabei könnte es doch sein, dass du tatsächlich der bist, zu dem ich dich mache. Vielleicht ist das Leben gar nicht so schlimm, wie alle sagen, wenn du erst einmal verstehen kannst, was du mir bedeutest.
Aber immer handeln wir nach den gleichen Schemen. Dein Weglaufen bedeutet vielleicht nicht wirklich Weglaufen? Es kann doch sein, dass du nur wegläufst, weil man das so macht?

Weißt du, es ist albern, an solchen Hoffnungen halte ich schon den ganzen Winter, der einfach nicht wärmer werden will, fest.
Eigentlich ist es ein guter Winter und daran bist du natürlich auch Schuld. Erst habe ich mit den Erinnerungen an dich ein wärmendes Feuer entzündet und als das nicht mehr reichte, bin ich dazu übergegangen ein Leben zu leben, wie man es wohl in meinem Alter und als der Mensch, der ich bin, leben sollte.

Ich habe Spaß, weißt du? Alles dreht sich um dich aber ich bin glücklich. Nächte durchgefeiert, herumgealbert und viel zu viel gelacht habe ich. Ich habe Määnner kennengelernt und Partys gefunden und obwohl es wahrscheinlich nicht unmöglich ist, dich über all dem zu vergessen, schaffe ich es nicht.

Bald sind die Abitur-Prüfungen und dann wird auch schon wieder Sommer sein. Ein Jahr ist dann vergangen, ohne dass ich dich ein einziges Mal geküsst habe. Ich weiß, das ist kitschig aber lass mich doch versuchen, deine Aussage vom Sommer zu wiederlegen. Ich will probieren, dir zu zeigen, dass ein Augenblick die gesamte Ewigkeit erwecken kann und dann will ich die Ewigkeit mit dir auskosten oder auch nur einen Augenblick.

Ich habe zu viel geraucht im letzten Jahr. Viel zu viel getrunken. Und viel zu wenig gelernt, dabei sind es nur noch vier Monate bis ich Abitur schreibe. Was hast du gemacht, im letzten Jahr? Hast du dich auf die Prüfungen vorbereitet? Ich hoffe es.
Mein Leben macht zwar Spaß doch „So kann ich nicht weitermachen“, denke ich oft. Ich habe solche Lust zu weinen, immer wenn ich über die Welt nachdenke und über dich und über die Nacht unter den Sternen.

Wahrscheinlich habe ich mich damals in dir getäuscht und möglicherweise mache ich das heute noch.
Damit all die Worte in der zähen Wirklichkeit bestehen können, denke ich, dass sie ebenso wahr sein müssen. Ich sage nun nicht „Ich liebe dich“, aber ich sage „Ich denke an dich, die ganze Zeit.“

Schade, dass ich so wirr im Kopf bin.

Eigentlich wollte ich mich nicht mehr verlieben.

Wenn die Welt in Trümmern liegt, kann man dann trotzdem schweben? Mo und ich, wir konnten das. Irgendwie. Nachmittags saßen wir oft stundenlang auf der Brücke und haben nichts zueinander gesagt, oder manchmal haben wir auch ein bisschen geredet, aber jedes einzelne Wort war dann richtig. Ich weiß nicht, es war ganz einfach, und in meiner Erinnerung ist der Himmel immer weiß an diesen Nachmittagen.

Und unten schlängeln sich Graffitys an den kahlen, grauen Mauern entlang. Kotze und Teile einer toten Taube vermischen sich. Der Edeka hat offen und einige Jugendliche betrinken sich davor. Veronica, unsere Haushaltshilfe, kommt mit dicken Tüten bepackt heraus und schaut sich um. Sie hat sich gut gehalten, die 53 sieht man ihr nicht an, auch wenn der Ansatz ihrer Haare schon wieder sichtbar herauswächst. Seit Papa weg ist ist Veronica da und der Tausch war nicht schlecht. Veronica kann kochen, immerhin. Aber Veronica ist immer öfter müde und vielleicht kommt bald eine neue Haushaltshilfe, wer weiß?

Aber das hatte auf der Brücke nichts zu suchen, all das. Hier war der Himmel weiß und der Rauch, der aus Mos Mund kam auch. Ich konnte ihn atmen hören, wenn ich meinen Kopf auf seinen Bauch legte. Am Anfang bin ich immer zusammengezuckt, wenn ein Zug kam. Dann hat Mo seinen Arm um meine Schulter gelegt und wir haben gelächelt. Es war nie so, dass wir jeder für sich auf der Brücke saßen. Immer haben wir die Nähe des Anderen gespürt. Vielleicht klingt all das ja lächerlich, aber an den Nachmittagen mit Mo hab ich nie an irgendetwas aus meinem wirklichen Leben gedacht. Ich bin einfach in den weißen Himmel gefallen und wir sind geschwebt, Mo und ich, über den Trümmern der Welt.

Tarnation.

Circles they grow and they swallow people whole
Half their lives they say goodnight to wives they‘ll never know
A mind full of questions, and a teacher in my sooul
And so it goes…

Eddie Vedder – Guaranteed

Tagsüber erkennt man einsame Menschen nicht. Tagsüber sind einsame Menschen wie du & ich.
Sie fahren in dem Bus mit, in dem du fährst. Sie gehen mit dir zur Schule, zur Uni, zur Arbeit und nirgends fallen sie auf. Es ist nicht so, dass einsame Menschen permanent eine Aura der Einsamkeit um sich haben, nein, keineswegs, einsame Menschen sind sehr darauf bedacht, unerkannt und unbemerkt zu bleiben. Tagsüber.

Doch in der Nacht, da regen sie sich. Kriechen aus ihren Löchern, versuchen über die meterhohen Mauern zu klettern, die sie umgeben. Unsicher und stolpernd wanken sie auf dich zu, um dich mit ihrer Einsamkeit zu überfallen. Greifen dich an deinen verwundbarsten Stellen an, spielen mit deinem Gewissen und lassen dich endlich verwirrt und betroffen zurück. Sie wissen, dass da etwas ist, was sie nie überwinden können. Diese unendlich tiefe Schlucht, die der einzige wirkliche Unterschied zwischen euch geschlagen hat. Sie sind einsam und du nicht. Und sie wissen, natürlich wissen sie, dass keiner von euch beiden diese Schlucht je überwinden wird. Denn einsame Menschen bleiben einsam. Und wer nicht einsam ist, der ist stets darauf bedacht, nie einsam zu werden.
Doch die einsamen Menschen wissen auch, wie sie euch weh tun können: Ihr müsst nur einen einzigen Blick in die Schlucht werfen.