Archiv der Kategorie 'Sonnentage'

two silver trees.

In diesem Jahr ist der Sommer wieder mehr Sommer als in den vergangenen Jahren und ich frage mich, ob das an mir liegt, oder daran, dass es so früh so heiß geworden ist. Über Mut und Glück zu schreiben, war schon immer schwieriger als über Unsicherheit und Traurigkeit. Aber macht nichts, macht alles nichts.
Ich bin klatschnass vor Schweiß und manchmal von dem Regen, der immer wieder kurz runterklatscht und dann bin ich auch ganz schnell wieder trocken. Vermutlich sehe ich aus wie ein Bilderbuch-Hipster, nur mit ungekämmten Haaren und ohne Schminke: Hotpants und Drop Top, bunte Tattoos auf dem Arm, große Kopfhörer, noch größerer Rucksack und natürlich hängt meine Kamera-Tasche über meiner Schulter, wie ich da so mit dem Fahrrad fahre, auf der Suche nach einer Bäckerei, die Eis verkauft. Aber das ist egal, ganz egal, in diesem Sommer. Zum ersten Mal seit Jahren muss ich nicht daran denken, was wohl die anderen denken. Nur die Entscheidung zum Eis war erst einmal nicht ganz einfach: Eis oder Kirschen? Aber eigentlich ist das doch klar. Für Kirschen muss man mindestens zu zweit sein. Eis geht auch alleine. Eis geht immer.
Auch die zweite Bäckerei hat nur Wassereis und darauf habe ich nun wirklich keine Lust und also eine Puddingschnecke mit Erdbeeren, kann ja auch nicht schlecht sein. Der Vorsatz, darüber zu schreiben, dass ich das Wetter und die Welt toll finde, läuft sich nicht so ganz aus. Ist wirklich schwieriger, als wenn es etwas auszusetzen gäbe. Naja, meckern über Spotify-Werbung oder über schlechte Boxen geht zur Not ja immer.

Kapitulation.

An neuen Orten schreiben lernen. Das Schreiben, das ich vergessen habe, die verstummten Stimmen in meinem Kopf. In der tiefsten und kältesten Mitte des Winters hatten wir schon längst nicht mehr an ein Ende geglaubt und heute glaube ich nicht mehr daran, unsterblich zu sein. Es ist dann Sommer geworden. Jetzt weht der warme Wind durch das Fenster und auf den Feldern vor der Stadt wächst das Getreide in dem Jugendliche Modefotos machen. Es ist unfair, dass ich nicht unglücklich und verunsichert bin, während die Leute, die ich liebe von den Planken springen. Im Moment ist die Ruhe für mich Abenteuer genug und da ist ja die Ferne, die auf mich wartet und die neuen Abenteuer die dieser Sommer bereithält. Ich verbringe Nächte im Park, redend oder schweigend, mit Menschen, mit denen ich reden und schweigen kann. Ich verbringe Tage vor Büchern oder mit dem Verfassen von belanglosen Textstücken, die in riesigen Universitätsarchiven langsam vermodern werden. Doch heute sind mir Belanglosigkeiten genug. Ich weiß jetzt, dass ich noch immer so jung bin, dass ich meine Pläne ändern kann, auch wenn meine Pläne gut sind. Ich werde vielleicht in einer Großstadt wohnen oder in einer kleinen Hütte am Meer. Jetzt wohne ich noch hier und es ist gut genug – genug! mit der Rechtfertigung. Ich will wieder schreiben lernen, an all den Orten, die der Sommer für mich bereithält und wenn ich mich nach einer Küche gesehnt habe, aus der an einem staubigsonnigen Morgen Beatleslieder zu mir dringen, dann habe ich sie für’s Erste gefunden. Ich habe heute Nein gesagt, weil ich heute die Ruhe brauche um meine Belanglosigkeiten zu pflegen. Vielleicht werde ich auch morgen wieder Nein sagen oder an einem anderen Tag. Ich bin auch ein wichtiger Mensch.

Ich wünschte ich würde mich für Tennis interessieren.

Würden wir uns einfach ein Auto klauen oder ein paar Pferde stehlen, dann könnten wir uns aufmachen in den Sonnenuntergang oder in die Nacht, wie es eher unser Stil ist. Den Sommer könnten wir damit verbringen den Wind im Haar zu spüren und das Meer zu suchen. Biertrinkend würden wir uns Anekdoten aus früheren Sommern erzählen und die Musik würde aus dem Auto- oder Handyradio schallen. Passend zum Sommer würden wir Sommerlieder hören und bestimmt würde einer von uns sagen, dass auf diese Weise der Sommer nie enden würde. Wenn er dann enden würde, würden wir die ganzen Bierflaschen in die Pfandautomaten im Supermarkt schmeißen, das Auto bunt bemalen und die Pferde in die Freiheit entlassen oder umlackieren und dann könnten wir dicke Socken anziehen um Tee zu trinken.
Würden wir uns einfach ein Auto klauen, mitten in der Nacht, dann würde bestimmt alles ziemlich denkwürdig werden.

19. Juni 2011.

Zimtbrötchen und Regen vor dem Fenster. Das Wetter sieht nicht aus, als würde es sich je wieder ändern wollen aber der Spatz auf dem Dachgiebel gegenüber stört sich daran nicht. Sein Getriller und das manchmal stark anschwellende und manchmal sehr sanfte Geräusch des Regens sind das Lauteste hier. Hin und wieder dein Atmen im Schlaf, ansonsten ist es ruhig. Nicht still, hier ist keine Stille sondern Ruhe. Ein anderer Spatz hat sich dem Ersten gegenüber gesetzt und schreit ihn an. Ich bin so entspannt wie lange nicht mehr.

Hier bist du also aufgewachsen und ich glaube, dass das ein guter Ort ist. Ein Ort an dem ich stundenlang sein kann, sogar ohne dass mir die Musik fehlt. Dass Ruhe mir fehlt bemerke ich nie. Ich weiß nicht, wonach meine Hände riechen; vielleicht riechen sie nach Zimt und nach dem regensatten Grün der Bäume. Ich möchte nicht ewig auf die Musik verzichten, vielleicht noch eine Stunde oder zwei. Ich möchte dem Regen zusehen und Gedanken denken über die Menschen und über dich. Mein Ohr an deinem Rücken und meine Nase tief in deinem Duft möchte ich still liegen und nichts tun müssen. Worte möchte ich finden und mich nicht für zu wichtig halten. Ich glaube, ich habe lange nicht mehr geschlafen.

Dann bricht die Sonne aus den Wolken und die dampfenden Wiesen vor dem Fenster leuchten. Die Spatzen sind weg, von irgendwo höre ich sie aber noch immer schreien. Der Regen hat aufgehört, zumindest für den Moment und mein Zimtbrötchen habe ich auch gegessen. Ob ich mich wieder zu dir legen soll. Warum auch nicht, ich habe das Gefühl, dass ich hier gut schlafen kann.

(diesen sommer) zu erledigen:

Jetzt lieg ich auf der Lauer
Nach dem Sommer, Jungens!

Berthold Brecht

Ihr Lieben!
Wie jeden Sommer kommt jetzt meine to-do-Liste für den Sommer. Denn Sommerpläne sind die besten Pläne! :)
(2010. 2009. 2008. 2007.) Von 2007 und 2008 distanziere ich mich aber :D

- Nach Genova fahren (dieses Wochenende? Dieses Wochenende!)
- Meer sehn!
- Eine wunderbare Wohnung finden
- Einen super Ferienjob haben
- So lange tanzen, bis ich vor Erschöpfung zusammenbreche
- Auf der Schloßmauer Falafeln essen
- Ein klasse Ract!-Festival organisieren & erleben
- Vom 10 Meter Brett springen!
- Als Helferin auf’s Melt! fahren
- Frühmorgens aufstehen und bei aufgehender Sonne mit dem Zug irgendwohin fahren, einen Becher Kaffee in der Hand (natürlich!)
- Berlin, Berlin! (zweimal :D Einmal Bildung, einmal Party)
- Endlich ein Buch schreiben
- Sex am Strand haben
- Nach Marseille, nach Hamburg und nach Prag fahren und außerdem nach Paris, Lissabon oder Istanbul
- Unbedingt wieder in einer Band spielen
- Eine tolle Theateraufführung hinlegen & wunderbare Schultheatertage erleben
- Sommerbobbahn fahren :)
- Wieder mal auf’s Sziget? Auf jeden Fall soviele Festivals wie möglich!
- Lagerfeuerabende mit Gitarren & tollen Leuten & so erleben
- Mal wieder frühmorgens Radio machen
- Überhaupt so viele gute Radiosendungen machen, wie’s nur irgendwie geht!
- Meine letzten Sommerferien genießen
- Liebe Leute besuchen
- Eh soviel’s geht von der Welt sehn!
- Riesige Eisbecher essen
- Unglaublich fantastische Sachen kochen und kreative Kreationen kreeiren :D
- Ein Tattoo stechen lassen
- Ein Roadmovie drehn
- Die Revolution beginnen

… und natürlich noch immer nicht erwachsen werden!

IM ZWEIFEL FÜR DEN ZWEIFEL.

Mit einem Lächeln und seinen Küssen auf den Lippen verließ sie das Haus. Die Luft roch nach Frühlingsregen, endlich Frühlingsregen! In einigen wenigen Wochen schon würde es wieder die kleinen Schnecken geben, wegen denen sie jeden Morgen furchtbar vorsichtig sein müsste, damit sie keine zertrat.
Vor einigen Stunden hatte sie ihn beim Schlafen beobachtet, hatte die Konturen seines Gesichtes betrachtet und sich gefragt, warum sie neben genau ihm lag. Was unterschied ihn von anderen Männern, was machte ihn anziehend für sie? Sie war zum Entschluss gekommen, dass ihn gar nichts unterschied, war von ihm abgerückt und hatte über sich selbst den Kopf geschüttelt. Hatte den Übergang von seinem Hals zu seinem Kopf betrachtet und sich gewundert. Wo vor wenigen Tagen noch Worte der Schönheit in ihrem Kopf waren war nun Rauschen.
Sie war auf seinen Balkon über der Stadt gegangen um die Häuser zu betrachten und um Abstand zu gewinnen. Mit einem Mal verabscheute sie den Balkon, verabscheute die Aussicht auf die Häuser und darauf, hier noch öfter zu stehen und den Morgen anzusehen und zu rauchen. Aber dann kamen ihr Worte in den Sinn, Worte die sie vor kurzer Zeit erst gegenüber einer guten Freundin wie ein Mantra wiederholt hatte: „Zweifeln ist normal, zweifeln gehört dazu und Zuneigung ist nicht immer gleich stark.“ Sie hatte sich vorgestellt, wie es ohne ihn wäre und festgestellt, dass das auch nicht das war, was sie wollte. Verwirrt hatte sie versucht die Zigarettenkippe auf das Dach des Nachbarhauses zu werfen, war vom Balkon getreten und wieder zu ihm gekommen. Sie hatte versucht zu schlafen.
Später dann hatte sie ihm in wirren Worten erklären wollen, worüber sie nachgedacht hatte, wurde aus der Bahn geworfen von seinem ruhigen Atem und von seiner Präsenz die sie auf einmal wieder voll traf. Sie wusste, dass sie log, während sie sprach, denn sie zweifelte nicht. Mochte er auch kein Mann für’s Leben sein, so konnte sie sich keinen Mann vorstellen mit dem sie jetzt lieber ihre Zeit verbringen würde. Sie hatte ihn dann in den Arm genommen und mit der Hand vorsichtig über sein wirres Haar gestrichen; hatte gedacht, dass es ohnehin nur darum ging, den Moment zu leben. An diesem Morgen lag sie neben ihm, an diesem Morgen hatte sie auf seinem Balkon die Dächer der Stadt betrachtet. Niemand wusste, wie die kommenden Morgende sein würden und das war doch großartig.
Mit einem Lächeln und seinen Küssen auf den Lippen verließ sie das Haus. Endlich war es Frühling geworden.

I feel the need to lay down beside you.



„Es ist gut, dass du wieder da bist.“ „Aber du warst doch weg.“

Mit dir kam der Winter.
Schneeflockenträume und wilde Strudel in Kabatassen. Deine Arme haben mich immer gewärmt, wenn die Luft drohte zu kalt zu werden. Dein Herz hat angefangen in der Nacht an meinem Rücken zu schlagen. Ein paar kleine Träume hast du wahr gemacht. Häufig hast du mich ganz furchtbar zum Lachen gebracht. In diesem Winter habe ich nicht vor Kälte gezittert sondern vor Vorfreude auf dich. Mit dir erschien mir der Winter nie auswegslos.

Dann hast du den Schnee zum Schmelzen gebracht. Die Sonne brach durch die Wolken und dein Gesicht war es, auf dem ich ihre ersten Strahlen bewundern konnte. Wir saßen nachts mitten auf der Straße und haben mit imaginären Karten gespielt. Es war eigentlich noch viel zu kalt, aber wir haben schon lange bevor es richtig Frühling war den Sommer zelebriert, Musik hörend auf einer Decke im Park. Mit dir war Frühling als der Himmel sein erstes Blau trug.

Ich genieße die Zeit mit dir, ich freue mich auf den Sommer.

Falling asleep with your arms around me.

Ich muss im Dunkeln lächeln, als deine Wange meine Stirn berührt. Dein Atem beruhigt sich und ich höre die beim Einschlafen zu. Gut, dass du hier bei mir bist, gut dass dein Bart an meiner Stirn kratzt. Und alles was ich brauche heut Nacht ist eigentlich nicht viel. Nur einen Platz von dem aus ich deinen Schlaf beobachten kann, das ist eigentlich nicht viel.

Ich fühl mich wohl mit dir; ich kann ehrlich zu dir sein. Dein Brustkorb hebt und senkt sich und wenn du schlecht träumst, dann streiche ich dir zerstreut durch dein Haar. Du hast schönes Haar. Du zuckst dann immer ein bisschen, wenn du schlecht träumst, und ich hab Angst, dass du mich irgendwann noch erschlägst. Ich finde, du solltest nicht schlecht träumen. Gute Menschen haben es verdient gut zu träumen. Und du bist gut. Du bist so gut und es ist schön, dass ich jetzt neben dir liege. Unwichtig, was noch passieren wird – unwichtig, was früher schon passiert ist. Egal neben wem ich schon aufgewacht bin, egal neben wem du noch aufwachen wirst; jetzt liege ich in deinen Armen und höre deinen Atem. Was kann es Schöneres geben? Meine Welt aufgehoben.

Du weißt vielleicht nicht, wie adrett geschwungen die Linien deiner geschlossenen Augen sind. Ich könnte dir so viel über deine Vorzüge erzählen; flüsternd könnte ich die ganze Nacht davon sprechen, was ich so sehr an dir schätze.
Ich verbringe gerne Zeit mit dir, schlafe gerne neben dir ein und kann meine Finger nicht von dir lassen. Ich mag es, nachts aufzuwachen und dich im Halbschlaf in den unmöglichsten Positionen mit mir verkuddelt vorzufinden. Ich mag so viel an dir.
Langsam überkommt mich die Müdigkeit und ich merke, wie ich einschlafe. Meine Gedanken driften ab und auch mein Atem wird ruhig. Und nur kurz denke ich in einem luziden Moment, dass ich gerade ziemlich glücklich bin.

Dass wir heut Nacht unsterblich sind.

Eigentlich kann ich mir den Morgen über der Stadt nicht schöner vorstellen, als hier auf deinem Balkon. Eigentlich reicht es mir, dich zu küssen.
Ich denke, ich denke zu viel. Ich sollte mich einfach hingeben und geschehen lassen, was geschieht. Keine Prinzipien mehr, keine Ratio. Amour fou. Ich denke, ich sollte das machen wonach ich mich sehne statt mich von Grundsätzen leiten zu lassen, die aus einer Zeit stammen in der ich noch klar denken konnte. Ich denke, ich sollte das Denken aufgeben.

Ich wage kaum, meine Hand nach dir auszustrecken – zu sehr bewundere ich deine Schönheit. Wie du strahlst, wie du glänzt. Wie wunderbar leicht alles mit dir ist.
Ich glaube immer fallen zu müssen, wenn ich dich neben mir spüre. Ich denke dann immer, dass ich der Realität entgleite.

Zuerst habe ich dich voller Wut geliebt. Mittlerweile akzeptiere ich; lasse probeweise die Zügel los. Lose yourself. Ich hoffe, du weißt wie sehr ich die Zeit mit dir genieße. Denn ich habe noch immer Angst. Ich habe Angst, zu schlittern, auszurutschen und nie mehr auf den richtigen Weg zurückgelangen zu können. Jahrtausende werde ich dann in dem Gletscher verweilen, ohne dass irgendwer sich auf die Suche nach mir begibt. Ich habe Angst zu verletzen, zu zerschneiden und zu zerhäkseln. Vor Euch, die Ihr auch Du seid, werde ich mich selbst mit einem pathetischen Stich in’s Herz hinrichten und ihr werdet meinen ausblutenden Körper einfach vergessen müssen.
Aber die Angst wird weniger; die Angst und die Skrupel. Denn eigentlich weiß ich was ich will.
Eigentlich reicht es mir, dich zu küssen.

Where the sunlight hits the snow.

Die Sanftheit, mit der die Welt mich empfängt als ich durch die Türe trete muss sie zuvor direkt aus meinem Innersten genommen haben. Der Schnee fällt so leicht und so weich wie mir war; eben noch in deinen Armen. Ich möchte nicht aufwachen, doch es muss ein Traum sein. Von dieser Schönheit kann meine Welt nicht sein. Ich bin eingehüllt in diese Schneewand, umgeben von den Gedanken an dich.

Ich lebe die tragischste aller Liebesgeschichten. Mein Verstand kämpft gegen Erwartungen und mein Herz findet sich auf keiner Seite wieder.

Der Schnee glitzert so furchtbar. Ich versinke ganz in seine Betrachtung, möchte mich nie mehr mit etwas Anderem beschäftigen. Der glitzernde Schnee soll mich so fest umschließen, dass ich zur Ruhe kommen kann. Denn ich bin unruhig, seit ich dich liebe. Nervös und fahrig. Ich erkenne mich selbst nicht und finde dich viel zu oft in meinen Gedanken. Zähle vertane Chancen; plage mich damit.
Alle meine Hoffnung kann ich jetzt nur noch auf den Schnee setzen, kann nur noch wünschen, dass er mich beruhigt.