Archiv der Kategorie 'Regenbogentage / Gedanken'

Dieses Wochenende wird eingehen in die Geschichte als das Wochenende an dem keine Party stattfand, weil alle krank waren (oder: Die KleineGoettin mag meckern).

Mein Körper und ich führen Krieg gegeneinander. Von ‚miteinander‘ kann bei Krieg keine Rede sein.
Mein Körper und ich haben schon lange kein gutes Verhältnis zueinander: Ich bin gemein zu meinem Körper und der nimmt mir das übel und rächt sich.

Schon, dass ich von meinem Körper und mir als seperate Dinge spreche, sagt viel über unsere Beziehung. Eigentlich bin ich ja doch mein Körper. Eigentlich existiert da kein „ich“ außerhalb, eigentlich ist es mein Körper, der diese Zeilen schreibt.
Aber würde ich mich so heimtückisch von hinten überfallen? Mich selbst über’s Knie legen und für Wochen ausschalten? Mir Schmerzen und Fieberträume bescheren? „Dein Körper braucht Ruhe und wenn du die ihm nicht gibst, dann holt der sich die!“, sagt irgendeine Stimme in meinem Kopf. Der, mit Verlaub, auch zu meinem Körper gehört.

Und irgendwann gebe ich dann auf. Bringt ja nix, der ganze Krieg, wenn wir dann beide flachliegen; mein Körper und ich. Ich wedle ein wenig hysterisch mit der weißen Fahne und bin gut zu meinem Körper. Verbringe Tag und Nacht in Bett und Badewanne, trinke Tee en masse, am Besten ganz heiß und ernähre mich ausschließlich von Vitaminen. Selbst bei meiner wöchentlichen Radiosendung höre ich nur zu, wie zwei meiner besten Freund_innen moderieren, anstatt selbst in’s Radio zu fahren. Die Musik die sie spielen ist übrigens ganz vorzügliche Musik zum Tee trinken.

Ich finde, so langsam sollte mein Körper mein Friedensangebot mal annehmen. Ich mein, he?, das Leben wartet nicht!

21 guns.



Die Nacht riecht nach überreifen Trauben und zerplatzt auf meiner Zunge; wird zu dickem Saft.

Es war schon empfindlich kalt und ich knöpfte meinen Mantel zu, so gut es ging: Zwei Knöpfe waren letzten Winter abgerissen und steckten seitdem in der Manteltasche. Ich war endlich auf dem Weg nach Hause, mit schmerzenden Gliedern und einem übervollen Kopf. Ich wollte nichts mehr tun, heute. So wie ich es gestern und die Tage zuvor auch schon getan hatte, würde ich mich auf mein Bett legen, die Decke anstarren und hoffen, dass der Schlaf bald kommen würde. Ich hatte ihn nötig, bitter nötig, nach allem was in den letzten Tagen und Nächten geschehen war.

Der Sand ist erkaltet, der Geruch von Moschus hängt noch immer in meinen Kleidern. Immerhin bin ich frei, denke ich. Nur immerhin?

Während die Zeit verging und ich einfach nur dalag und nicht aufhören konnte zu denken, wurde mir schmerzlich bewusst, dass ich nicht mehr liebte. Warum war mir das jetzt so wichtig?
Ich wusste nicht einmal ob es stimmte dass ich nicht mehr liebte. Ich fühlte das so, aber genauso deutlich liebte ich auch. Ging das? Konnte mein Herz versteinern und hitzig glühen zugleich? Meine Gedanken verschwammen; ich schlief ein, während ich sie noch festzuhalten suchte.

Natürlich macht eine Schwalbe noch keinen Sommer!, rufe ich entgeistert, denn ich suche dich: Es ist so schön mit dir.

Mit trockenen Augen irrte ich durch eine Wüste. Ich wusste, ich war im Traum. Aber lösen konnte ich mich nicht. Jetzt noch nicht.
Als ich aufwachte, nähte ich die Knöpfe wieder an meinen Mantel.

nothing ever burns down by itself – every fire needs a little bit of help!

„give the anarchist a cigarette!“¹

Wir alle teilen unsere Wut. Wir brauchen sie dieser Tage mehr denn je – so zumindest kommt es mir vor.
Ich lebe noch nicht lange und schon immer war ich wütend. Ich habe die Wut aus meinem Bauch heraus getanzt, habe geschrien und immer ein bisschen geglaubt, dass die Wut Wunder wirkt. Nun merken wir heftiger denn je, dass auch kollektives Tanzen, kollektives Schreien, kollektive Wut einfach abprallen an den stählernen Wänden dieser Welt. Keine Wunder. Manchmal Wunden. Immerhin Wut.

Es gibt nicht nur eine Wut. Ich bin wütend auf so vieles, auf Alltäglichkeiten von denen ich manchmal einfach vergesse, wie wütend sie mich machen. Ich bin auch wütend für Vieles. Ich bin wütend für uns, weil das sterile System es immer und immer wieder schafft uns zu verdrängen, fortzudrängen. Ich bin wütend für die Welt und für mich und für gute Bildung. Ich bin wütend für die Wut. [Für das Recht auf Wut!]

Ich muss mich sammeln. Ich denke, ich beschäftige mich dieser Tage viel zu viel mit viel zu viel.
Lass uns gemeinsam wütend sein?

________
¹: Überschrift und Kopfzeile aus „Give the anarchist a cigarette“ von Chumbawamba

awake my soul.

Oh the shame that sent me off from the God that I once loved
Was the same that sent me into your arms

Mumford & Sons – Winter Winds

Ich begann einst, mich aufzulösen.
Nun kann ich nicht in die Verantwortung gezogen werden, für Dinge die ich sage, die ich mache, unterlasse. Ich bin verantwortungslos.

Die samtene Katze verfolgt mich. Einmal sprach ich zu ihr, schrie und flehte sie an. Doch sie legte nur gelassen ihren Kopf zur Seite und antwortete nicht auf meine Fragen. „Weißt du noch, wie wir durch den Sommer geflogen sind“, rufe ich, aber ich habe keine Ränder mehr. Ich höre nicht auf, an keiner Stelle, und es fällt mir nicht leicht zu sagen, ob es die Welt in mir ist, die explodiert oder die Welt außerhalb.

Kann ich noch eine Unterscheidung machen zwischen dir¹ wenn du mich küsst und einem großen, glatten Klotz aus Marmor? Gibt es diesen Unterschied oder ist er nur gedacht?
Ich laufe durch meine leuchtende virtuelle Welt und klicke die Dinge an, um mit ihnen zu interagieren. Dass ich Destruktion hinter mir lasse, scheine ich nicht zu bemerken. Ich wäre gerne gut zu dir.

wir erklommen die türme gefrieren unter den schneedecken zieren die stadt legt sich in einen tiefen winterschlaf.
ratten erstarren in den katakomben verlaufen unter unseren träumen kann ich noch, immerhin.
licht explodiert und ich atme etherwellen.
it’s been so long since I‘ve seen the ocean (I guess I should).²

„Die Welt außerhalb erkenne ich daran, dass sie der Veränderung unterliegt.“, sage ich und die samtene Katze nickt gewichtig. Ist sie Traum? Ich fasse sie an, wie ich dich anfasse und die Tage werden kürzer. Weit, weit entfernt brandet auch jetzt die See an die Klippen; das gibt mir die Gewissheit, dass ich noch bin.
Noch scheint die Sonne durch die weißen Vorhänge (in einem Strandhaus? In einer Arztpraxis?), schon stehe ich auf der Straße, von Laternen beleuchtet. Die Nacht ist warm, ich gehe und fühle mich wie ein Engel. Erst als ich bemerke, dass ich renne wird mir bewusst, dass die Straße nie aufhört.

C H A O S .

Dann liege ich wieder in den Armen einer rissigen Marmorstatue und wühle mich in mir selbst.
„Es tut mir Leid“, will ich sagen, denn ich empfinde Schuld. Dafür kann ich doch nichts.

Jetzt habe ich den Prozess der Auflösung beendet. Jetzt weiß ich wieder, wo die Welt so anmutig explodierte: In meinem Kopf.
Und ich reibe über deine schläfrigen Augen um zu sagen, dass alles gut wird.

_____________

¹ : Das „Du“ ist beliebig; der Leser/ die Leserin kann „Ich“ an seine Stelle setzen oder einen anderen Namen.
² : Textzeile aus Counting Crows – A Long December

Junebug.

Es hat sich nichts verändert für dich.
Aber für mich, für mich ist alles anders geworden. Der Sommer ist nicht länger Sommer; das helle Licht wird weicher und die Vögel auf dem Baukran, die sich erhoben um fangen zu spielen, werden zu taumelnden Blättern, mitgerissen vom Wind.

Im Herbst bin ich eine Andere, als ich es im Sommer bin. Das liegt auch an der Luft, – natürlich muss es an der Luft liegen! – denn sie flüstert mir keine verhängnisvollen Geschichten von Lust und Abenteuer mehr in’s Ohr. Die Luft ist zahm geworden und ich kehre auf den Boden zurück. Laufe erst noch vorsichtig, ein wenig stolpernd über das verrottende Laub auf der Erde und dann fange ich mich und straffe die Schultern und koche Tee. Tee, den ganzen Herbst und Winter. Träume Balletttanzträume und stecke meine Nase tief in Bücher aller Art, bis die ersten Sonnenstrahlen mich endlich aus diesem tiefen Schlaf reißen.

Für dich hat sich nichts verändert und ich weiß nicht, ob ich meine Veränderung für dich greifbar machen kann. Ein wenig habe ich Angst davor, dir gegenüber zu treten; bin ich doch nicht mehr so wie ich war als wir uns begegneten. Wirst du mich erkennen? Wird Begegnung ein weiteres Mal mit Berührung einhergehen?

Für einen Augenblick denke ich, es sei tatsächlich noch Sommer – die Kastanien und das Herbstlaub vergessend. Die dichte Luft riecht nach würzigen Kräutern und nach einem alten Haus mit bröckelnden Wänden, die langsam zu modern beginnen. Der Himmel, dessen Farbe ein kräftiges, dunkles Blau ist, erinnert mich an Nächte in einem Sommer der schon so weit fort scheint. Ein Frösteln erinnert mich daran, dass auch dieser, der vergangene Sommer schon nicht mehr ist.

Für dich soll wieder Sommer sein, wünsche ich mir. Dass du mich erkennst.

Sandsturm.

Meine Haut schmeckt nicht mehr nach Salz.
Der Regen hat die dicke Kruste fortgespült, hat Schlamm und Sand mit sich gerissen und nur der Nachhall dieser Umarmung bleibt. I miss you already.

Das Meer ist mein Verbündeter; meine Komplizin. Und wenn ich mich flehend, bebend auf die Knie werfe und Schlick und Wassermassen meine Beine umspülen, so werde ich wissen, was ich mir einst von der stürmischen See versprach. Maybe the summer will come and clear our minds. Das Meer nicht!, rufe ich, das Meer nicht! Das Meer ist genauso dazed and confused wie ich es bin, wenn ich das dunkle Wasser erblicke.

Aber ich wollte nicht vom Sturm schreiben; nicht von äußeren Metaphern für innere Bilder; nicht von all dem Sand. Ich wollte von der Ausgelassenheit berichten, vom Losgelöstsein und vom Glück in die Wellen zu springen. Aber in Wirklichkeit ist das Meer zu groß und ich zu müde, als dass ich noch irgendetwas sagen könnte. Nur, dass meine Haut nicht mehr nach Salz schmeckt.

Den Vögeln brecht ihr solang die Schwingen, bis sie sich nach Käfigfrieden sehnen.

Ich komme nicht umhin, alles mit einer gewissen Traurigkeit zu betrachten. Wer garantiert mir, dass ich morgen noch bin, was ich bin? Wer garantiert mir, dass gut ist, was ich bin? Muss ich nicht jetzt leben um werden zu können, was ich sein will? Ich kann tausendmal von Freiheit schreiben und tausendmal von Freiheit träumen. Ich kann feurige Reden halten und nichts davon wahr machen.

Es war Nacht und ich saß auf einer Kinderschaukel. Bis zu den Sternen sollten meine Füße fliegen; bis zu den Sternen wollte ich abheben. Doch auch kurz vor der Schwerelosigkeit noch, fühlte ich die eiserne Umarmung der Konventionen.

Ich muss eine mündige Bürgern werden. Ich muss freundlich und leise sein und in eurer Schablone leben. Wenn ihr Zweifel seht, dann sprecht ihr von Eventualitäten; von Möglichkeiten und von Sicherheit. Aber eure Schubladen sind mir zu eng; ich kann schlecht atmen darin. „Ohne Schublade keine Sicherheit!“, sagt ihr und schaut gleich weg denn eures Sieges seit ihr sicher.

„Sophismus!“, denke ich mir, „Alles Gerede; dabei wisst ihr nicht einmal woher ihr das habt. Was bedeutet denn Sicherheit? Woher wollt ihr denn wissen, dass die so wichtig ist?“ Und gleichzeitig ruckele ich ein bisschen um es mir in der Schublade bequemer zu machen. Ich versuche schon, mit den Lippen eure Worte zu formen. Auch ich werde morgen von Sicherheit reden. Manchmal denke ich schon heute daran. Noch ist mir schlecht dabei und ich bin froh, dass mir schlecht ist. Aber auch gegen Übelkeit habt ihr ein Mittel.

Eines Nachts werde ich mit den Füßen den Himmel streifen. Ein Stern kann mir vielleicht sagen, in welche Richtung ich soll.

Trotz allem noch immer die Eventualitäten.

Früher habe ich das Spiel noch mitgespielt. Es war aufregend und neu. Ich schlüpfte in verschiedene Rollen und beobachtete interessiert die Reaktionen meines Mitspielers. Ich hielt mich immer genau an die Regeln und so konnte ich nur gewinnen.
Doch mit der Zeit begann das Spiel mich zu langweilen. Schon ganz am Anfang wusste ich, wie es ausgehen würde: Es ging immer so aus.

Ich beschloss, die Regeln zu brechen, einfach gar nichts mehr zu tun und den Gegner in die Offensive zu lassen. Was passierte, wunderte mich: Das Spiel nahm seinen Lauf, ganz genau so wie wenn ich mitspielen würde. Merkte mein Gegner nicht, dass ich aufgegeben hatte? Dass ich statt mit meiner gewissen Taktik einfach gar nicht mehr spielte? Oder war es ihm egal?
Nur aus Interesse hatte ich Ehrlichkeit an die Stelle der Koketterie gesetzt; Stille anstatt der netten Lügen.
Es hätte mehr passieren sollen, das hätten meine nicht-Bemühungen verdient gehabt. Aber alles blieb beim Alten.

Das nächste mal werde ich wieder mitspielen. Davor werde ich aber im Stillen die Regeln ändern.

Ich hätte nichts gegen eure WM.

Hallo, dieser Eintrag spiegelt nur meine subjektive Meinung wieder. Wenn ich Dinge durch Anführungszeichen als Zitate kennzeichne bzw. Situationen beschreibe, dann hat die mir irgendwer im persönlichen Gespräch gesagt; dann sind die mir wirklich so passiert. Allerdings lasse ich viele wichtige Kritikpunkte an der WM aus, auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass es die gibt. Dass die Zahl der Prostituierten dort, wo die WM statffindet immer total ansteigt. Dass das eh ein absolut kommerzielles Event ist. Dass die Fußballer WM unglaublich viel mehr Beachtung findet als die Fußballerinnen WM. Und noch einiges mehr. Vielleicht werde ich auch einmal darüber einen Blogeintrag verfassen oder euch zumindest Links zu guten Artikeln zu diesen Themen zusammensuchen. Vielleicht auch nicht. Ihr habt selber Internet und seid selber groß. Erstmal mag ich meinem Ärger Luft machen oder irgendsowas ;)


Nationalstolz: doof!

Ich hätte nichts gegen eure WM, wenn nur das Spiel wichtig wäre. Wenn ihr einfach Fußball mögen würdet und es egal wäre, wer gewänne. Denn die, die gewännen hätten gut gespielt und den Sieg verdient. Stattdessen seid ihr auf einmal „WIR“ und wollt, dass ich mit euch für „unsere Jungs“ jubele. Ihr findet, dass ein bisschen Nationalstolz doch gar nicht so schlecht sei. „Das gibt es doch überall. Die Griechen sind stolz auf Griechenland und die Türken sind stolz auf die Türkei. Nur wir dürfen nicht stolz auf Deutschland sein, wegen der Geschichte und so.“ Ich finde Nationalstolz überall doof. Nicht nur in Deutschland. Überall. Eigentlich auch gar nicht nachvollziehbar: Wie könnt ihr denn auf was stolz sein, wofür ihr nichts könnt?
Außerdem: Erlaubt euch das „bisschen gesunder Nationalstolz“, das ihr pflegt auch, rassistische Äußerungen von euch zu geben? Oder „In your face!“ zu schreien, wenn einer von „euren Jungs“ jemand anderen foult?
Und wieso kommt „ihr“ eigentlich weiter? Ich wusste gar nicht, dass ein so großer Teil der Leute die ich kenn in der deutschen Nationalmannschaft spielt.

Ich hätte nichts gegen eure WM, wenn sie ruhig verlaufen würde. Wenn ich nichts mitbekommen würde. Wenn ich sie einfach ignorieren könnte.
Aber ihr meint ja, andauernd mit euren Tröten herumpusten zu müssen. Überall eure Fähnchen aufzuhängen. Von Reichsadlern ganz zu schweigen. Ihr meint ja in twitter oder facebook beleidigende Äußerungen gegenüber NATIONEN veröffentlichen zu müssen. Sind „die Serben“ alle böse und schrecklich und gemein, weil die serbische Nationalmannschaft besser spielt als die Nationalmannschaft von Deutschland?
Ich würde gerne diese ganze Veranstaltung einfach ignorieren können. Lasst mich damit in Ruhe. Hört auf mit Autokorsos, Vuvuzelas und Gebrülle. Hört auf euch die Farben „eures“ Landes ins Gesicht zu malen. Schaut euch Fußball an, aber freut euch einfach für die, die gewinnen. Egal wer das ist. Denn die haben gut gespielt und haben das verdient.

Ich hab echt absolut nichts gegen Fußball. Ich spiel das hin und wieder gerne. Fußball gucken find ich stupide. WM find ich aus den oben genannten Gründen schrecklich. Und außerdem finde ich es einigermaßen furchtbar, dass ich jetzt doch darüber schrieb. Aber manchmal hilft das „Wenn ich es ignoriere ignorieren es vielleicht alle“-Prinzip nicht so richtig. Dann mecker ich lieber rum.

Warum drehst du nicht durch?

Und was ist, wenn mein Herz schmilzt? Kann ich das einfach ignorieren, aus politischen Gründen? Und was ist, wenn ich Angst um andere habe? Kann ich das einfach ignorieren, aus Angst um mich? Darf ich lügen, wenn ich damit Menschen schütze? Und wenn die Wahrheit die Menschen auch schützen würde?
Es sind Grundsatzentscheidungen zu treffen. Wie wird mein weiteres Leben verlaufen? Wie muss ich weiterhin vorgehen, um möglichst vielen in den Arsch treten zu können? Und wie muss ich weiter vorgehen, wenn ich möglichst glücklich sein will; möglichst frei? Und was ist zu bevorzugen? Das große Ganze; das Leben als Brennstoff für den Kampf gegen die Ungerechtigkeit oder ich; für mich; das Leben als Erfüllung aller meiner Wünsche?
Kann ich das nicht vereinen? Die Utopie von Freiheit und von einer guten Welt mit der Utopie eines bunten, ereignisreichen Lebens.
Stattdessen immer wieder Klassenkampf. Sagt mir was richtig ist – ich werde es tun. Anpassung um Anpassung, an System und Szene, an Erwartungen und gegen sie. Aber nie individuell und kreativ und dazu stehen.

ich beglückwünsche; ich bewundere dich für das leben das du lebst. du machst wahr, wovon wir alle immer nur sprechen und träumen. du bist gegenstand meiner gedanken, ob als mensch oder als racheengel.

Es sind Grundsatzentscheidungen zu treffen. Aber der Mut fehlt mir, das zu tun was ich für richtig halte. Grundsätzlich schau ich meinem schmelzenden, schmerzenden Herz dabei zu, wie es zerläuft. Grundsätzlich bebe ich vor Angst, sage aber nichts; weder Wahrheit noch Lüge. Wenn du stirbst, so ist das meine Schuld. Und grundsätzlich werde ich wohl immer nur theoretische Kritik äußern, anstatt wirklich in die Schlacht zu ziehn, für die Welt die ich will. Das kann man auch Politik nennen.

Schade zu sehen, wie zerfleischt ich schon bin.