Archiv der Kategorie 'Kunst&Kultur'

Ich muss ja gar nicht jeden Knochen haben, eigentlich will ich doch all den armen Knochen helfen.

Theater hat heute nicht nur den Anspruch zu unterhalten sondern auch, spätestens seit Brecht, auch den Anspruch, auf Missstände aufmerksam zu machen und die Betrachter_innen zum Nachdenken anzuregen. Das Landestheater Tübingen versucht das auf vielerlei Weise, aber um sich die Möglichkeit frei zu halten, auch kurzfristig und aktuell sein zu können, wurde die Spielreihe „Schnelle Stücke“ entwickelt. Da normalerweise der Spielplan etwa anderthalb Jahre im Voraus entsteht, ist es sonst schwierig sowohl auf Theater-Neuentdeckungen, als auch auf Aktuelles einzugehen.

In einem der Schnellen Stücke war ich vorige Woche. Genauer gesagt im Schnellen Stück #3, den „Lebensansichten zweier Hunde“ von Meng Jinghui nämlich. Es handelt von zwei Wanderarbeiter_innen in China, die von der Provinz in die Stadt ziehen um ihr Glück zu suchen. Das Selbstbild ist das zweier armer Streuner, zweier Hunde. Sie arbeiten und werden verprügelt, kümmern sich umeinander und verlieren sich wieder. Sie bekommen zu spüren, wie hart die Stadt zu Leuten ist die, wie sie, versuchen ihr Leben möglichst lebenswert zu gestalten. Und sie sind wütend und singen wütende Lieder. Lieder, die Brecht vielleicht nicht in seinen Stücken verwendet hätte. Lieder, die mehr zu der Zeit und zur Identitätssuche in einem Wirtschaftswunderland wie China passen. Der in Tübingen unter Freund_innen der experimentellen Musik hoch geschätzte Thomas Maos ist dabei für die Musik zuständig, während Sascha Werginz und Media Gheorghiu-Banciu nicht nur, aber vor allem, die zwei Hunde überzeugend darstellen.
„Lebensansichten zweier Hunde“ ist wieder so ein Stück, über das man auf Grund seiner Komik oft lachen will und kann, obwohl es eigentlich ein ernstes gesellschaftspolitisches Problem unserer Zeit beschreibt. Wenn Ihr es sehen wollt, dann habt ihr nur noch HEUTE (und mit heute meine ich den Tag, an dem das hier veröffentlicht wird) die Gelegenheit dazu. Um 20 Uhr im LTT-Oben in Tübingen. Ich würde sagen, dass es sich schon auf Grund der Musik lohnt!

„Das ist Paolo und Paolo schläft auf Pappe.“

Ich habe schon einmal eine Theaterrezension geschrieben. Über „Gespräche mit Astronauten“ war das, auch am Landestheater Tübingen aufgeführt. Schon einmal? Auch? Richtig geraten: Jetzt gibt’s wieder eine Theaterkritik, ebenfalls von einem Stück, das derzeit am LTT gespielt wird. Warum ich das mache? Das letzte Mal gab’s Freikarten und dieses Mal war ich sowieso mit meinem Literatur und Theater-Kurs „Partnerklasse“ des Stücks und hab einfach Lust dazu.

BENEFIZ – JEDER RETTET EINEN AFRIKANER“ ist der Name des Stücks und genau darum geht’s eigentlich: Um einen Benefizabend für Afrika. Eva, Christine, Leo, Rainer und Eckhard sind fünf sehr unterschiedliche Menschen die aus sehr unterschiedlichen Gründen diesen Abend erfolgreich gestalten wollen. Die eine findet es politisch unkorrekt, eine schwarze Freundin zu bitten an dem Abend mitzuwirken, da sie vorgeführt würde; der andere ist der Meinung, dass es politisch unkorrekt sei, sie auszuschließen – ‚nur weil sie schwarz ist‘. Ingrid Lausund ist zumindest in Tübingen mittlerweile ein bekannter Name (wie das in anderen Städten so aussieht, weiß ich leider nicht, da ich da nicht so viel in der Theaterszene rumhänge), seit ungefähr jeder junge Mensch sich von ihrem Stück „KONFETTI! – EIN ZAUBERABEND FÜR POLITISCH VERWIRRTE“ begeistern lies. Sie macht auch noch andere coole Sachen, beispielsweise hat sie mit Beatrix von Pilgrim „lausundproductions“ gegründet, „eine Produktionsgesellschaft, die freie Theaterproduktionen international realisiert“ (so steht es in der Pressemappe geschrieben). Mit BENEFIZ zeigt sie geschickt viele Fragen, Zweifel und den ein oder anderen Zwiespalt auf, der so manchem Gutmenschen kommt wenn er sich mit „Afrika“ und „Entwicklungshilfe“ auseinandersetzt. Ist wirklich jeder Mensch gleich viel Wert? Oder ist doch mein Kumpel Andy mehr wert als mein Bekannter Ben, zumindest für mich, weil ich den Andy lieber mag? Wem helfe ich? Ist es sinnvoller, in die zu investieren, die noch eine Chance im Leben haben könnten oder lieber in die, bei denen es um’s pure Überleben geht? Und, die beinahe spannendste Frage im Stück wie ich fand, warum kann ich heute für Afrika spenden und morgen den selben Geldbetrag guten Gewissens für einen Cocktail ausgeben? Wie viel Lebensstandard darf ich haben, wenn andere um ihr Leben kämpfen? Schade fand ich einzig, dass nie die Frage im Raum stand, wie sinnvoll diese Art von Entwicklungshilfe an sich ist. Ob man mit Geldspenden nur die Symptome und nicht aber die Ursachen bekämpft und ob es andere Möglichkeiten gibt, nachhaltiger zu helfen. Aber im Grunde genommen kann man das auch kaum erwarten, von einem Stück, das zwei Stunden geht, sehr unterhaltsam und kurzweilig ist und wahrscheinlich jedem im Publikum den ein oder anderen Spiegel vorhält. Denn Theater kann, darf, muss kontrovers und aktuell sein; alle Fragen der Weltpolitik an einem Abend behandeln, das muss es nicht.

Und BENEFIZ macht sogar mehr, als es muss. Es wird nicht nur vom Helfen gesprochen, es wird auch tatsächlich versucht, zu helfen. Das Stück und jede Inszenierung (also nicht nur die in Tübingen, sondern auch in anderen Städten!) ist an das Projekt „Eine Schule für Bissau“ gekoppelt. Nach dem Stück kann das Publikum tatsächlich spenden und diese Spenden unterstützen den Ausbau und die Unterhaltung einer Schule im westafrikanischen Guinea-Bissau. Das sorgt übrigens für viel Verwirrung, wenn nach der falschen Probe für einen falschen Benefizabend plötzlich echte Spendenkästen an den Ausgängen stehen. Bei der Premiere vergangenen Freitag haben viele der Zuschauer_innen die Spendenboxen einfach ignoriert und das, obwohl Leo am Schluß eine feurige Rede darüber hält, dass eigentlich 51% Überzeugung genügen um zu spenden.

VOR DER KRIPPE/ NOCH SCHNELL EINE KIPPE/ DURCHZIEHN.

Ich als theaterbegeisterter junger Mensch habe ja nun das Glück, dass es in meiner Kleinstadt einige Angebote für theaterbegeisterte junge Menschen gibt. Ich als internetsüchtiger und schreibfanatischer junger Mensch habe ja nun das Glück, dass eines der Theater in meiner theaterbegeisterten Kleinstadt die so genannte „Aktion: Blogger“ in’s Leben gerufen hat. Das Landestheater Tübingen, nämlich.
Die Aktion: Blogger sieht folgendermaßen aus: Das LTT (für alle nicht so theaterbegeisterten oder nicht so kleinstädterischen Menschen: „LTT“ ist die Abkürzung für „Landestheater Tübingen“, Anm. der Autorin) verschenkt Freikarten an coole und gutaussehende Blogger_innen und die schreiben ne Rezension über das Stück das sie sahen. So wie ich jetzt.

Ich war am vorigen Freitag in „Gespräche mit Astronauten“, einem großartigen Stück von Felicia Zeller. In „Gespräche mit Astronauten“ geht es um Kleinfamilien in reichen westlichen Staaten und um die Beschäftigung von Au-Pairs aus nicht so reichen nicht so westlichen Staaten in diesen Kleinfamilien.
Präziser: In Knautschland, da gibt es Mülltrennung und nur vegetarisches, biologisch-dynamisches Essen in den meisten Familien. Der Fernseher darf nicht zu lange anbleiben, statt einem Eis isst man lieber zwei Äpfel. Für die Wäsche gibt es einen To-Do-Korb und wer kurz duscht wird auch sauber. In Knautschland ist man nämlich politisch korrekt und viel fortschrittlicher als in Rostland, der Ukulele, der Schlamparei oder den anderen unterentwickelten Staaten in Mitropa und Trallala. Aus diesen Staaten kommen die Au-Pairs nach Knautschland – um Knautsch zu lernen, das Land zu sehn, ihre Träume wahr zu machen. Tragischerweise wird weder das mit dem „das Land sehen“ noch das mit dem „Träume wahr machen“ was, denn die Au-Pairs müssen die meiste Zeit zuhause sitzen und auf die Kinder aufpassen. Die Mütter sind ja auf Arbeit und die Väter sind im All. Und irgendwer muss sich ja um die Kinder kümmern; zum Glück gibt’s die Au-Pairs. Zum Glück machen die die ganze Zeit Überstunden. Nur irgendwie ist es nicht so richtig, dass die Kinder sich dann auf einmal mit den Au-Pairs verbundener fühlen, als mit den Müttern. Und dass die Au-Pairs nicht ewig bleiben, macht es für niemanden einfacher.

In „Gespräche mit Astronauten“ kommen alle irgendwie zu Wort. Die gestressten Mütter, die desorientierten Kinder, die freiheitssuchenden Au-Pairs, die ordnungsliebenden Knautschen und ein bisschen auch die Väter, wenn sie aus dem Weltraum zu Besuch da sind. Die Worte die sie wählen sind besonders, verwundern erst einmal und lassen aufhören. Im Programmheft ist vieles großgeschrieben, ich hab das Stück nicht gelesen, aber ich vermute da auch. „Linsensortierer/ Hülsenfruchtregistrierer/ immer alles auflisten PRO UND KONTRA wer hat wann wie oft was WER KAUFT HIER IMMER DEN KASTEN SPRUDEL/ WER GEHT MIT DEM PUDEL/ überall hängen Zettel, auf denen sowieso immer nur mein Name steht, weil er sowieso kein Bock hat, sich ständig immer überall einzutragen LASS MICH!“ Und damit ich nicht bald von meinem Amt als KleineGoettin zurücktreten muss, mach ich das vorhergehende, kursive hiermit ganz offiziell deutlich als ZITAT aus „Gespräche mit Astronauten“, in diesem Fall abgetippt aus dem LTT-Theatermagazin zum Thema Arbeit in der Spielzeit 10/11.

So. Das war jetzt sicherlich keine richtige Rezension, aber ich find das Stück zu schade für ne richtige Rezension und wenn ihr zufällig auch theaterbegeisterte Menschen seid und aus der selben Kleinstadt wie ich kommt, dann habt ihr in nächster Zeit eh noch einige Gelegenheiten euch das Stück selber anzuschauen und ich kann das nur empfehlen!

Don Rosa.

Auch wenn politisch gesehn momentan ziemlich viel Kacke am Dampfen ist: Nicht alles ist schlecht.
Heute war sogar ein ganz großartiger Tag für mich, denn Don Rosa, ein von mir absolut verehrter Comic-Künstler war in meiner absolut verehrten Lieblingskneipe. Und eigentlich intressiert das keinen Menschen, aber das macht nichts, weil mich intressierts und mich bewegt das. Und dieses großartige Bild da oben hat er für mich gemalt. Uncle Scrooge mit seiner Number One! Yeah! Mit Herzchen und allem. Ich bin hin und weg! :)
Der hat sich extra ganz viel Zeit genommen, um sich mit allen Leuten zu unterhalten und so.

Und hey, wisst ihr, was ich noch gar nicht wusste? Die europäischen Übersetzungen von den Donald Duck-Comics haben mindestens einen gigantischen Fehler: Onkel Dagobert hamstert in seinem Geldspeicher im Original nämlich gar keine goldenen Taler – nein! Im Original sind das nur Nickel. Das symbolisiert nämlich viel besser den Geiz von ihm und ist voll lustig und so. Mein Weltbild hat sich grundlegend geändert, muss ich sagen. Ab jetzt nur noch Comics im Original!

Promitalk.

Die KleineGoettin ist natürlich cool. Aber in Wirklichkeit ist sie noch viel cooler, als sie hier im Blog immer tut. Letzten Freitag, zum Beispiel, hat sie Günter Wallraff interviewt. Der hat nämlich ein neues Buch und war in Stuttgart im DGB-Haus und hat im Zuge einer Veranstaltung über UnrechtsanwältInnen daraus vorgelesen.
Nach der Lesung also, war das Interview. Schon ziemlich cool, wenn man von sich behaupten kann, mit Günter Wallraff in der Kellerschenke gewesen zu sein? Aber noch viel cooler, wenn am Ende dann eine so klasse Station ID bei rauskommt & ein super Interview, das ich auch gerne verlinken würde, aber ich hab nicht genug Platz hier. Aber wenn ihr’s rechtzeitig lest, dann hört doch morgen um 23 Uhr die Wüste Welle (auch im Livestream) oder am Mittwoch in der Frühe um 5 Uhr!
Wenn ihr’s nicht rechtzeitig lest, aber trotzdem hören wollt, dann wendet euch vertrauensvoll an mich. Das kriegmer schon irgendwie hin ;)

Das ist übrigens der Günter Wallraff, neben der KleinenGoettin, die aus irgendwelchen Gründen wie wild mit ihrem Arm herumfuchtelt (wahrscheinlich ist sie hysterisch).

Ah, und by the way: Wenn das hier jetzt nicht ein ungeheuer guter Grund ist, mal wieder zu kommentieren, na dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

Geht Schlafen. Schlaf ist echt gesund für euch!

So. Wieder lang nix von mir gehört. Also, ihr natürlich. Ich schon. Ich hör andauernd was von mir. Aber das liegt auch ganz in der Natur der Dinge und tut hier nix weiter zur Sache. Mir liegen nur einige (interessante) Mitteilungen auf dem Herzen die ich hiermit loswerde! :D
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Ich (und damit meine ich die KleineGoettin höchstpersönlich!) hatte heute meine erste Fahrstunde. Yeah. Und nö. Ich mach jetzt keinen Witz á la „Und es sind auch nur 2 Menschen und ein Laternenpfahl gestorben.“ Das wäre auch pietätlos gegenüber jenen, die ich heute plattgefahren habe.
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Ich wollte es euch eigentlich erst morgen sagen, aber weil ich eben entdeckte, dass Ey Lou Flynn schon hier kommentiert hat, teil ich’s euch gleich mit: Der ist cool. Der hat ne lustige Homepage (klick auf „Ey Lou Flynn, einzwei Zeilen weiter oben, weil ich mag nich nochmal verlinken) und der macht Musik und so Sachen. Vorallem verschenkt der die. Das ist ne gute Sache, weil ihr wisst ja, heutzutage freut sich jeder über jedes Geschenk! :) Selbst über selbstgestrickte Socken von Oma. Wobei die Musik von Ey Lou Flynn echt cool ist. Ich hab das gestern entdeckt, als ich bemerkt hab, dass in meinem Rhytmbox-Musikplayer so Läden integriert sind, die Podsafe-Music anbieten. Und inzwischen sind Ey Lou Flynn und ich schon gute Freunde auf lastfm. Bald werde ich ihn wohl um ein Radiointerview bitten (falls „er“ du bist, dann darfst du auch hier in den Kommentaren gerne zusagen! :D ). Und ja. Das war die Werbepause für heute.
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Ich habe gestern Abend zum ersten Mal in meinem Leben Streuselkuchen gebacken. Und heute haben den Leute gegessen und mochten ihn.
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Ich hab übrigens vor kurzem – im Rahmen eines seltsamen Zufalls den zu erklären hier zu weit gehen würde war das am Tage der Bundestagswahl, so nebenbei – ein Traumdeutungslexikon gewonnen. Und aufgrund von diesem aktuellen Anlass, habe ich beschlossen, fortan einen coolen Traumdeutungs-Service anzubieten. Und der wird so funktionieren: Ihr träumt was & erinnert euch dran (oder erfindet was & tut so als würdet ihr euch erinnern) und ich schau nach ob da was in meinem Lexikon zu steht & wenn nicht, ob zu etwas ähnlichem was drin steht & dann kriegt ihr die Deutung. Möglicherweise mit persönlicher Widmung. Morgen werd ich das mal anhand von dem was ich jetzt gleich träumen werde demonstrieren. Oha. Wie auuuuuufregend! *quietsch*
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Lest meine Überschrift & glaubt ihr. Ich tu das jetzt mal.