Archiv der Kategorie '(Fremde) Momente'

Ich wünschte ich würde mich für Tennis interessieren.

Würden wir uns einfach ein Auto klauen oder ein paar Pferde stehlen, dann könnten wir uns aufmachen in den Sonnenuntergang oder in die Nacht, wie es eher unser Stil ist. Den Sommer könnten wir damit verbringen den Wind im Haar zu spüren und das Meer zu suchen. Biertrinkend würden wir uns Anekdoten aus früheren Sommern erzählen und die Musik würde aus dem Auto- oder Handyradio schallen. Passend zum Sommer würden wir Sommerlieder hören und bestimmt würde einer von uns sagen, dass auf diese Weise der Sommer nie enden würde. Wenn er dann enden würde, würden wir die ganzen Bierflaschen in die Pfandautomaten im Supermarkt schmeißen, das Auto bunt bemalen und die Pferde in die Freiheit entlassen oder umlackieren und dann könnten wir dicke Socken anziehen um Tee zu trinken.
Würden wir uns einfach ein Auto klauen, mitten in der Nacht, dann würde bestimmt alles ziemlich denkwürdig werden.

Brutus.

Dass sie dem schwarzen Hund so viel Bedeutung beimaß, war keinem anderen als ihrer eigenen Fantasie zu verdanken. Natürlich, gerade in dieser Gegend waren streunende Hunde nicht nur eine Rarität, sondern bislang schlichtweg nicht vorgekommen. Dennoch, dass sie nun kitschige Dinge dachte und ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie sich nicht länger mit dem Hund unterhielt sondern an ihm vorbei auf den Bus eilte, war wohl übertrieben.
Kein schwarzer Hund der Hölle, keine Reinkarnation Jesus‘ und auch kein magischer Wolf. Einfach ein gewöhnlicher schwarzer Hund.
Im Bus hatte sie ihn auch schon wieder vergessen.

Tarnation.

Circles they grow and they swallow people whole
Half their lives they say goodnight to wives they‘ll never know
A mind full of questions, and a teacher in my sooul
And so it goes…

Eddie Vedder – Guaranteed

Tagsüber erkennt man einsame Menschen nicht. Tagsüber sind einsame Menschen wie du & ich.
Sie fahren in dem Bus mit, in dem du fährst. Sie gehen mit dir zur Schule, zur Uni, zur Arbeit und nirgends fallen sie auf. Es ist nicht so, dass einsame Menschen permanent eine Aura der Einsamkeit um sich haben, nein, keineswegs, einsame Menschen sind sehr darauf bedacht, unerkannt und unbemerkt zu bleiben. Tagsüber.

Doch in der Nacht, da regen sie sich. Kriechen aus ihren Löchern, versuchen über die meterhohen Mauern zu klettern, die sie umgeben. Unsicher und stolpernd wanken sie auf dich zu, um dich mit ihrer Einsamkeit zu überfallen. Greifen dich an deinen verwundbarsten Stellen an, spielen mit deinem Gewissen und lassen dich endlich verwirrt und betroffen zurück. Sie wissen, dass da etwas ist, was sie nie überwinden können. Diese unendlich tiefe Schlucht, die der einzige wirkliche Unterschied zwischen euch geschlagen hat. Sie sind einsam und du nicht. Und sie wissen, natürlich wissen sie, dass keiner von euch beiden diese Schlucht je überwinden wird. Denn einsame Menschen bleiben einsam. Und wer nicht einsam ist, der ist stets darauf bedacht, nie einsam zu werden.
Doch die einsamen Menschen wissen auch, wie sie euch weh tun können: Ihr müsst nur einen einzigen Blick in die Schlucht werfen.

mehr säue.

Am Morgen nachdem ich von den Meerschweinchen geträumt hatte, roch mein ganzes Zimmer nach Nagetierstall. Ob die flüchtigen Traum-Meerschweinchen aus meinen Gedanken in mein Zimmer gehüpft waren? Oder hatte ich, ganz einfach und keineswegs esoterisch-traumdeuterisch, nur deshalb von den Meerschweinchen geträumt, weil es in meinem Zimmer, aus welchen Gründen auch immer, nach Meerschweinchen roch? Das alles war mir ein Rätsel und so fuhr ich zur Arbeit ohne mich weiter damit zu beschäftigen. Im Büro erzählte man sich, dass das Kleintierzüchtervereinsheim in der Nacht unter mysteriösen Umständen explodiert wäre und ich dachte mir nun, dass der Geruch in meinem Zimmer heute morgen wohl daher käme.

Die flüchtigen Traum-Meerschweinchen koteten derweil mein ganzes Zimmer voll.

Ist man jetzt, wo man nicht mehr high ist, froh dass es vorbei ist?

Wir haben über die Liebe gesprochen und darüber, wie das Leben jetzt weitergehen soll und über all diese Dinge über die man spricht, wenn man nachts am Strand sitzt. In der Ferne verglühten Zigaretten und manchmal stimmten uns das Meer und der Wind zu. „Das Meer ist nicht der Wind“, sagte ich und das war auch schon alles.
Irgendwann mussten wir gehen und verabschiedeten uns vom Meer, aber wir waren uns nicht sicher, welche der Weisheiten wahr war: Das afrikanische Sprichwort, dass man sich nach dem Abschied von einem Freund nicht umsehen dürfe, wenn man ihn wiedersehen will; oder das Zitat, dass es ein Versprechen sei, sich nach einem Abschied noch einmal nach dem anderen umzudrehen.
Wir drehten uns um. Das Meer bei Nacht sah zu schön aus.

Heute Mittag saß ich am Meer und hab Kekse gegessen.

(niederlaendische tastatur.)

Können wir gehen vom Süden des Landes
Bis zum Norden der Welt, um zu sehen, was der Stand ist?
Ich werde Dich wiedersehen, weil ich es will
Und wir singen ein Lied, das uns begleitet
Ein kleines Licht, das durch die Dunkelheit leitet
Ich werde Dein Schatten sein, wohin Du auch gehst

Tomte – Norden der Welt

Ich hatte endlich das Gefuehl, angekommen zu sein. Am Ziel meiner Reise, am Ende der Welt. Wir haben es geschafft, tatsaechlich geschafft. Wir wollten das Meer sehen und da war es. Stroemte um unsere Fuesse und ein kleines Kind hat im Sand gespielt. Hier war das Meer, hier konnte man einfach nicht mehr weitergehen. War zum stehen bleiben und angekommen-sein gezwungen.

we‘re gonna live forever, ist das einzige was ich in solchen Momenten denken kann.