Archiv der Kategorie 'Die Kleine Göttin entdeckt die Welt'

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Ich verscheuche die Mücken für Dich, während Du schläfst. Pass auf Dich auf, damit auch Deine Alpträume Dich nicht beissen. Es dämmert und die Schatten der Nacht werden zu Umrissen von Autos, Palmen, Häusern. Du schläfst immer noch friedlich, als die Sonne aufgeht und die Vögel zu kreischen beginnen.
Die ganze Nacht über hat in der Ferne ein Hahn gekräht oder vielleicht war es auch eine Sirene. Das Meer ist nicht weit, immerhin und wir haben uns, das ist doch schon mal etwas. Am Morgen verfängt das Licht sich in Deinem Haar und ich warte darauf, dass Du aufwachst, damit ich Dir erzählen kann, wie Du im Schlaf aufgeschreckt bist und den Motor anlassen wolltest. Sogar die Handbremse hast Du gelöst. Zum Glück hatten wir den Schlüssel abgezogen, bevor wir uns zum Schlafen niedergelegt haben.
Dein Rasierer ist weg und Deine neue Hose. Mir fehlt besonders das rote Kleid, der Rucksack und die Regenjacke, auch wenn es nicht nach Regen ausschaut. Hartes Pflaster, denke ich und sage nichts, denn Du schläfst noch immer.

Tretjakowska/ Wien vs. Moskau.

Okay, dann vermisse ich dich jetzt doch.
Der belaubte Weg, der von der Universität zur Moskwa führt, lässt mich an Schloss Schönbrunn vor beinahe zwei Jahren denken. Es war Winter und ich wollte immer den Berg hinunterrennen, ich fühlte mich übermütig wie ein junges Fohlen. In der Realität ist HERBST und nur die Erinnerung zähmt mich. Sonst wäre ich wohl schon längst den Berg hinuntergeschlittert. Ob du nicht doch der Eine bist, frage ich D. und frage ich ky. als ich zurückkam. Ich muss mal wieder bloggen, dachte ich.
Der Wald ist gelb und rot und eine der schönsten Erinnerungen an Moskau. Wir hatten unsere Gruppe verloren und hinter uns kamen andere Menschen, in dicke Pelze eingewickelt. Aber wir waren zu zweit, verloren an diesem Ort an dem für immer Herbst bleiben würde und ich fiel, fiel in Erinnerungen.

The storm: Wir waren allen Widrigkeiten zum Trotz angekommen. Kunst umgab uns und die feindselige Stimmung der anderen. In mein schlechtes Gewissen hüllte ich mich ein und vergrub mein Gesicht darin. Wir werden immer alleine sein, wir werden uns nie unterordnen können, das wurde mir klar. Die Bilder beruhigten mein sütrmisches Inneres, die ruhigen Gespräche und dass wir trotzdem immer noch zu Zweit waren, D. und ich. Für uns wurde der Sturm zu einer Lehrstunde und zu einem Ort des meditativen Traurigseins. Im Grunde hatten wir gesiegt, wieso sollten wir uns das vermiesen lassen?

Wen ich wann vermisse, ich weiß es nicht. Aber dich wiederzusehen fühlte sich dann nach einem kurzen Zögern doch richtig an. Dich für immer wiederzusehen, für immer in meinen Augen zu betrachten. Das wünsche ich mir zu meinem 19. Geburtstag, den wir in Moskau einläuten und hier noch nächtelang tanzend hinauszögern. Dass ich nicht immer nur dich vermisst habe, daran erinnert mich der Herbstwald hinter der Universität.

19. Juni 2011.

Zimtbrötchen und Regen vor dem Fenster. Das Wetter sieht nicht aus, als würde es sich je wieder ändern wollen aber der Spatz auf dem Dachgiebel gegenüber stört sich daran nicht. Sein Getriller und das manchmal stark anschwellende und manchmal sehr sanfte Geräusch des Regens sind das Lauteste hier. Hin und wieder dein Atmen im Schlaf, ansonsten ist es ruhig. Nicht still, hier ist keine Stille sondern Ruhe. Ein anderer Spatz hat sich dem Ersten gegenüber gesetzt und schreit ihn an. Ich bin so entspannt wie lange nicht mehr.

Hier bist du also aufgewachsen und ich glaube, dass das ein guter Ort ist. Ein Ort an dem ich stundenlang sein kann, sogar ohne dass mir die Musik fehlt. Dass Ruhe mir fehlt bemerke ich nie. Ich weiß nicht, wonach meine Hände riechen; vielleicht riechen sie nach Zimt und nach dem regensatten Grün der Bäume. Ich möchte nicht ewig auf die Musik verzichten, vielleicht noch eine Stunde oder zwei. Ich möchte dem Regen zusehen und Gedanken denken über die Menschen und über dich. Mein Ohr an deinem Rücken und meine Nase tief in deinem Duft möchte ich still liegen und nichts tun müssen. Worte möchte ich finden und mich nicht für zu wichtig halten. Ich glaube, ich habe lange nicht mehr geschlafen.

Dann bricht die Sonne aus den Wolken und die dampfenden Wiesen vor dem Fenster leuchten. Die Spatzen sind weg, von irgendwo höre ich sie aber noch immer schreien. Der Regen hat aufgehört, zumindest für den Moment und mein Zimtbrötchen habe ich auch gegessen. Ob ich mich wieder zu dir legen soll. Warum auch nicht, ich habe das Gefühl, dass ich hier gut schlafen kann.

Ich weiß, was ihr kommendes Wochenende tun werdet!

Und ich mach mich jetzt mal auf den Weg.
Hört das Radio Freies Wendland um auf dem Laufenden zu bleiben – verschiedene freie Radios, unter anderem die Wüste Welle in Tübingen, übernehmen zu verschiedenen Zeiten den Stream und auf indymedia könnt ihr auch mal gucken!
Ansonsten bleibt zu hoffen, dass wir viele sein werden!

Polyfantasia.

Der Volllständigkeit halber: Ich sagte ja, dass ich zur Polyfantasiawoche nach Erfurt gehen würde. Tat ich auch. Aber weil ich nur von Montagabend bis Mittwochmorgen in Erfurt war, lest ihr lieber auf dem Blog der queer-feministischen Gruppe „wider die Natur“ nach, wie die Woche so war! Denn da steht das alles viel genauer :)

Do you want to go to the seaside?



(Photgraphiert von fireball Joël)

Die geneigte Leserschaft wird sich schon beim vorhergehenden Eintrag gefragt haben, ob die KleineGoettin etwa den besten Ort auf der ganzen Welt besucht hat: Das Meer.
Und ja: Hat se! Endlich mal wieder! Und diesmal sogar den Atlantik (wobei fireball Joël ihr ja erklärte, dass sie schon ziemlich oft am Atlantik war, weil Nord- und Ostsee da ja auch irgendwie dranhängen) in Belgien und das war alles sehr erfreulich.
Davor war sie noch n halben Tag in Luxemburg, das war natürlich auch sehr aufregend und so siehts da aus:

(Bild is auch vom fireball Joël!)

Am Meer war’s toll, die KleineGoettin hat sich trotz Windstärke 12 (oder so) wagemutig in die Fluten gestürzt. Und ganz unglaublich viel Pizza gegessen. Und alles andere steht eigentlich hier. Ende der Geschichte :)

(Wobei: Nur Ende dieser Geschichte! Schon morgen gehts‘ noch einmal in die weite Welt hinaus, diesmal nach Erfurt, zur Polyfantasiawoche. Auch davon gibt’s dann hoffentlich spannendes zu berichten!)

Sandsturm.

Meine Haut schmeckt nicht mehr nach Salz.
Der Regen hat die dicke Kruste fortgespült, hat Schlamm und Sand mit sich gerissen und nur der Nachhall dieser Umarmung bleibt. I miss you already.

Das Meer ist mein Verbündeter; meine Komplizin. Und wenn ich mich flehend, bebend auf die Knie werfe und Schlick und Wassermassen meine Beine umspülen, so werde ich wissen, was ich mir einst von der stürmischen See versprach. Maybe the summer will come and clear our minds. Das Meer nicht!, rufe ich, das Meer nicht! Das Meer ist genauso dazed and confused wie ich es bin, wenn ich das dunkle Wasser erblicke.

Aber ich wollte nicht vom Sturm schreiben; nicht von äußeren Metaphern für innere Bilder; nicht von all dem Sand. Ich wollte von der Ausgelassenheit berichten, vom Losgelöstsein und vom Glück in die Wellen zu springen. Aber in Wirklichkeit ist das Meer zu groß und ich zu müde, als dass ich noch irgendetwas sagen könnte. Nur, dass meine Haut nicht mehr nach Salz schmeckt.

end times.

(Bild hat der Diego gemacht; zu dem gibt’s aber keinen Link)

Im Sommer verreist die Göttin. Das hat Tradition, das hat sie schon immer so gemacht. Und vorallem liebt sie das Reisen. Die vergangene Woche hat sie nach Kassel geführt, wo sie einen Freund besuchte und neue tolle Leute (und Katzen) kennenlernte. Die meiste Zeit saß sie herum und hörte wunderbare Musik. Sie hat jetzt ne ganze Liste mit supertoller neuer Musik, aber gerade eine Band möchte sie euch unbedingt an’s Herz legen: Eels heißen die und sind großartig. Zum rumsitzen und zum wegträumen; morgens und abends. Yeah. Große Liebe und so, nä?

Ansonsten hat die KleineGoettin diesen Sommer auch schon viel über das Leben und so nachgedacht und hofft, diese Gedanken bald mit euch teilen zu können. Aber jetzt ist sie erst einmal in sehnsuchtsvoller Erwartungshaltung, was als nächstes passieren wird. Kassel war klasse (haha, Wortspiel!!!) und der restliche Sommer soll das ja auch noch werden.

Enough of me.

Die Welt scheint dumpf durch den Regen.
Die klare, kalte Bauweise des Gebäudes und mein leeres Inneres verstärken das Gefühl der Entfremdung zusätzlich. Ich bin gefangen in einem Raumschiff, im ewigen Regen, in einer Blase voller Fruchtwasser. Hier gehöre ich nicht hin; mir scheint, dieser Ort will mich fort von sich stoßen. Will mich abweisen wie ein Gore Tex-Mantel das Wasser.

Ich wandere in dem Gebäude herum. Auto-Skelette und hundert oder mehr Esspressomaschinen umgeben mich. Kleine Tusche-Zeichnungen von Pferden und von sich liebenden Menschen hängen an der Wand. Jedes Wort, das ich laut ausspreche, wird tausendfach widerhallen. Ich vermute das zumindest. Nicht, dass es Worte für das Chaos in meinem Kopf gäbe.

Und doch, meine Stimme hat mich nicht verlassen. Ich kann nicht an mich halten und gehe auf eine der stummen Personen zu, die offenbar irgendwo außerhalb von mir existieren. „Entschuldigen Sie“, sage ich durch den dicken Nebel, „Ist dieser alte Mac tatsächlich nur so klein?“ Die Person hebt ihr graues Gesicht aus dem Schatten, von dicken Staubschichten bedeckt, die abzukratzen unmöglich sind.

„Das ist der Fortschritt. Hier sehen Sie die Geschichte der Technik, angereichert auf einem kleinen Tisch. Früher war das unvorstellbar. Es ist immer alles weiterentwickelt worden, immer alles verfeinert und verbessert worden. Das Material aus dem das ist, ist nahezu unverwüstlich. Es gibt so viel Müll auf der Welt, so viel Müll. Und alles worum sie sich scheren, ist es die Technik weiterzuentwickeln. Das ist der Kreislauf. Aber jetzt sind sie soweit, jetzt haben sie das Material gefunden. Ich darf das noch gar nicht sagen, noch ist es geheim. Aber es ist unzerstörbar, das müssen Sie sich einmal denken: Unzerstörbar.
Diese kleinen Roboter könnten wir losschicken und sie könnten alles sauber machen, alles von dem Müll reinigen, den die Menschen machen. Sie selber sind unverwüstlich, sie bleiben nirgendwo liegen und verrotten. Nein, sie werden immer weiter emsig Müll einsammeln, so stelle ich mir das vor.
Die Orte der Ruhe, sie sind so wichtig. Aber darauf achtet niemand mehr, niemand bedenkt, dass es solche Orte zu erhalten gilt. Überall sind die Abgase, der Lärm. Überall sind wir im Stress, aber wir merken das nicht. Deswegen sind die Orte der Ruhe so wichtig, so unglaublich wichtig.
Es gilt sie zu erhalten und die Roboter könnten dabei helfen. Es sollte keine Autos mehr in den Städten geben, dann wäre die Luft besser. Im Schwarzwald da irgendwo, da gibt es eine Stadt, vielleicht kennen Sie die? Dort fließen nur Bäche in der Stadt und es gibt in der Innenstadt keine Autos. Dort ist die Luft besser, das sollte es öfters geben solche Orte der Ruhe. Auch innerhalb der Zivilisation, verstehen Sie?
Aber die Roboter können zu einer besseren Welt beitragen, das glaube ich. Das ist meine Vision, können Sie das verstehen?“

Zum Antworten komme ich nicht, die Person spricht immer weiter, wird immer weitersprechen. Ich bin gefangen in diesem Redeschwall, unfähig mich zu rühren. Ich werde immer hier stehen bleiben. Meine innere äußere Stimme sagt leise zu mir: „Offenbar gibt es viel zu sagen, offenbar hat diese Person sich schon lange nicht mehr unterhalten.“

Meine Lieben,

wenn ihr mich sucht: Ich befinde mich höchstwahrscheinlich in einem ur-münchnerischen Biergarten, die nächsten drei Tage.
Denn ich darf mit meiner Klasse zum Abschluss unserer gemeinsamen Zeit eine Reise unternehmen, und beinahe der einzige Programmpunkt des ganzen Ausflugs ist genau so ein Biergartenbesuch. Yaii.
Ich hoffe sehr, dass das alles toller wird, als ich mir das vorstelle.