Archiv der Kategorie 'Briefe'

„He D.,

ich habe mich lange nicht mehr gemeldet, bei dir.
Dabei ist es bald fünf Monate her, seitdem wir uns zuletzt gesehen haben. Und noch ein paar Monate früher konntest du dir sicher sein, dass du am Tag nachdem du mir eine Mail geschrieben hast eine Antwort hattest. Ich hab viel um die Ohren, das stimmt. Aber ich denke viel an dich, wirklich. Kürzlich hab ich von dir geträumt.
In einem halben Monat kennen wir uns ein Jahr. Erinnerst du dich daran? Du hattest Geburtstag und ich hab dir Müsli gemacht, mit Erdbeeren aus dem Garten. Vor einigen Tagen habe ich zum ersten Mal in diesem Jahr Erdbeermüsli gegessen und musste daran denken. Es ist großartig, dass wir uns kennen. Dass es dich gibt. Auch wenn du inzwischen nur noch so selten von mir hörst. Ich nehme an, dass ich ein wenig Angst davor habe, dich zu sehen. Mein Leben ist zwar so wirr und turbulent wie eh und je, aber die Begegnung mit dir hat mich doch noch ein bisschen mehr aus der Bahn geworfen. Irgendwie hab ich mich entschieden, dass für mich frei sein später kommt. In einem Jahr eben. Weil ich mir was beweisen will und vielleicht auch irgendwie beweisen muss. Wahrscheinlich ist das blöd von mir, weil ich möglicherweise viel verpasse und weil viel in dem Jahr passieren kann. Andererseits würde ich auch viel verpassen, würde ich mich jetzt schon für’s frei sein entscheiden. Ich bin gerne hier, gerade.
Vor einigen Wochen war ich in Italien und diese Woche fahr ich nach Berlin. Immerhin. Zwar keine großen Reisen oder Abenteuer – die kommen im Sommer sicher – aber die Welt ist noch immer neu genug für mich, dass auch das Hierbleiben manchmal spannend sein kann. Als ich in K. war, haben wir ja auch eigentlich nichts gemacht. Nur Musik gehört, irgendwie. Gerade höre ich Eels, mal wieder und immer noch. Everything was beautiful and free in the beginning. Noch immer berührt mich jedes Lied unglaublich.
Eigentlich wollte ich mich nur mal wieder bei dir melden, dir kurz schreiben, dass ich noch lebe und dass auch du nicht vergessen bist. Weil ich das schade fänd, wenn du das denken würdest. Ich würde mich freuen wenn du mir mal antwortest und mir schreibst, wie es dir so geht, was du machst, wo du bist. So Kram halt.
Ich wünsch dir einen schönen Sommer und vielleicht sehn wir uns ja doch mal!
Viele Grüße
deine M.“