(Jetzt erst Recht.)

Die Kleinen Götter sind wieder da (kurzfristig) und vielleicht auch die Kleine Göttin. Wer weiß? Eher ja wohl nicht, aber hier bin ich, zumindest jetzt, weil ich etwas loswerden möchte. Dieses Blog ist mir eigentlich fremd geworden. Die Kategorien haben nichts mehr mit mir zu tun und die ganzen alten Einträge sind von einer Vergangenheits-Kleinegoettin verfasst, auf die ich, die ich jetzt bin, zwar irgendwie aufbaue, aber die ich doch nicht mehr so recht verstehe.

Aus verschiedenen Gründen in der Vergangenheit gekruschtelt. Dinge gefunden, an die ich mich nicht mehr so recht entsinne. Je länger ich lebe, desto mehr vermischen sich die Geschichten, die mir früher wichtig waren. Als neulich jemand Fremdes sagte „Ihr seid so nett“, da habe ich mich gefreut, weil es irgendwie schön ist, wenn Fremde das denken. Als ich Kellnerin war, hat eine Frau, bei der ich abkassiert habe, zu mir gesagt, dass ich besonders sei, obwohl sie mich nicht kannte. Ich war irritiert und geschmeichelt. Noch viel früher war ich einmal tanzen, als eine viel ältere Punkerin zu mir kam und mir in’s Ohr schrie: „Du bist auf dem richtigen Weg. Lass dich nicht davon abbringen.“ Woher sollte sie das denn wissen? Und jetzt habe ich das wiedergefunden. Noch ein Fremder, der irgendwann mal etwas mit meinem Leben zu tun hatte. Ich wüsste gerne, wie ich ihn kontaktieren kann, um ihn zu fragen, wie sein Leben jetzt ist und was er so macht.

Ich glaube eigentlich immer noch, dass die Menschen im Prinzip gut sind. Dass es das beste ist, auch gut zu anderen Menschen zu sein. Als freie Mitarbeiterin in einer Lokalredaktion gehe ich hin und wieder zu Veranstaltungen von Vereinen, mit denen ich normalerweise herzlich wenig zu schaffen habe. Das sind Feuerwehr-Feste oder Chorkonzerte und überall treffe ich nette Menschen, die irgendwie rumwurschteln und versuchen, Spaß zu haben und halt die Zeit bis zum Tod möglichst sinnvoll zu nutzen. Auch wenn ich die Art nicht verstehe, wie sie das machen, ist ihnen das voll wichtig und mir sind andere Sachen wichtig, die andere dann eben nicht verstehen. Vorurteile sind immer doof.

Einmal habe ich am frühen Morgen nach einer langen Nacht am Bahnhof jemanden getroffen, der geblutet hat und geweint. Als er irgendwie meiner Einladung gefolgt ist, zu mir mitzukommen um Eis auf sein blaues Auge zu legen, habe ich ihn einige Stunden lang kennenlernen können. Er war ganz anders, als er auf den ersten Blick gewirkt hat und ich glaube, dass das bei den meisten Leuten so ist. Vermutlich denken viele Menschen von sich, dass sie etwas Besonderes sind und vermutlich denken sie alle auch das zu recht. Man müsste sich nur die Mühe machen, die Leute mal kennenzulernen.

Wir sollten alle viel netter zueinander sein. Fremden Leuten auch mal sagen, dass sie toll lachen oder schöne Worte benutzen, wenn sie sprechen oder dass sie einen famosen Klamotten-Geschmack haben. Zu Bekannten sollten wir sowieso nett sein. Ist halt schwierig, wenn wir immer nur damit beschäftigt sind, ob wir so cool wirken, wie wir gerne würden.