Archiv für August 2014

(Jetzt erst Recht.)

Die Kleinen Götter sind wieder da (kurzfristig) und vielleicht auch die Kleine Göttin. Wer weiß? Eher ja wohl nicht, aber hier bin ich, zumindest jetzt, weil ich etwas loswerden möchte. Dieses Blog ist mir eigentlich fremd geworden. Die Kategorien haben nichts mehr mit mir zu tun und die ganzen alten Einträge sind von einer Vergangenheits-Kleinegoettin verfasst, auf die ich, die ich jetzt bin, zwar irgendwie aufbaue, aber die ich doch nicht mehr so recht verstehe.

Aus verschiedenen Gründen in der Vergangenheit gekruschtelt. Dinge gefunden, an die ich mich nicht mehr so recht entsinne. Je länger ich lebe, desto mehr vermischen sich die Geschichten, die mir früher wichtig waren. Als neulich jemand Fremdes sagte „Ihr seid so nett“, da habe ich mich gefreut, weil es irgendwie schön ist, wenn Fremde das denken. Als ich Kellnerin war, hat eine Frau, bei der ich abkassiert habe, zu mir gesagt, dass ich besonders sei, obwohl sie mich nicht kannte. Ich war irritiert und geschmeichelt. Noch viel früher war ich einmal tanzen, als eine viel ältere Punkerin zu mir kam und mir in’s Ohr schrie: „Du bist auf dem richtigen Weg. Lass dich nicht davon abbringen.“ Woher sollte sie das denn wissen? Und jetzt habe ich das wiedergefunden. Noch ein Fremder, der irgendwann mal etwas mit meinem Leben zu tun hatte. Ich wüsste gerne, wie ich ihn kontaktieren kann, um ihn zu fragen, wie sein Leben jetzt ist und was er so macht.

Ich glaube eigentlich immer noch, dass die Menschen im Prinzip gut sind. Dass es das beste ist, auch gut zu anderen Menschen zu sein. Als freie Mitarbeiterin in einer Lokalredaktion gehe ich hin und wieder zu Veranstaltungen von Vereinen, mit denen ich normalerweise herzlich wenig zu schaffen habe. Das sind Feuerwehr-Feste oder Chorkonzerte und überall treffe ich nette Menschen, die irgendwie rumwurschteln und versuchen, Spaß zu haben und halt die Zeit bis zum Tod möglichst sinnvoll zu nutzen. Auch wenn ich die Art nicht verstehe, wie sie das machen, ist ihnen das voll wichtig und mir sind andere Sachen wichtig, die andere dann eben nicht verstehen. Vorurteile sind immer doof.

Einmal habe ich am frühen Morgen nach einer langen Nacht am Bahnhof jemanden getroffen, der geblutet hat und geweint. Als er irgendwie meiner Einladung gefolgt ist, zu mir mitzukommen um Eis auf sein blaues Auge zu legen, habe ich ihn einige Stunden lang kennenlernen können. Er war ganz anders, als er auf den ersten Blick gewirkt hat und ich glaube, dass das bei den meisten Leuten so ist. Vermutlich denken viele Menschen von sich, dass sie etwas Besonderes sind und vermutlich denken sie alle auch das zu recht. Man müsste sich nur die Mühe machen, die Leute mal kennenzulernen.

Wir sollten alle viel netter zueinander sein. Fremden Leuten auch mal sagen, dass sie toll lachen oder schöne Worte benutzen, wenn sie sprechen oder dass sie einen famosen Klamotten-Geschmack haben. Zu Bekannten sollten wir sowieso nett sein. Ist halt schwierig, wenn wir immer nur damit beschäftigt sind, ob wir so cool wirken, wie wir gerne würden.

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In Tankstellen tanzen.
Das Immunsystem stärken.
Wenn ich schreibe, dann über Liebe.

Ich glaube nicht, dass irgendwer normal ist. Manche lieben zu wenig, andere lieben gar nicht. Ich liebe zu viel. Ist doch auch egal. Hauptsache, das beste draus machen.

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Ich verscheuche die Mücken für Dich, während Du schläfst. Pass auf Dich auf, damit auch Deine Alpträume Dich nicht beissen. Es dämmert und die Schatten der Nacht werden zu Umrissen von Autos, Palmen, Häusern. Du schläfst immer noch friedlich, als die Sonne aufgeht und die Vögel zu kreischen beginnen.
Die ganze Nacht über hat in der Ferne ein Hahn gekräht oder vielleicht war es auch eine Sirene. Das Meer ist nicht weit, immerhin und wir haben uns, das ist doch schon mal etwas. Am Morgen verfängt das Licht sich in Deinem Haar und ich warte darauf, dass Du aufwachst, damit ich Dir erzählen kann, wie Du im Schlaf aufgeschreckt bist und den Motor anlassen wolltest. Sogar die Handbremse hast Du gelöst. Zum Glück hatten wir den Schlüssel abgezogen, bevor wir uns zum Schlafen niedergelegt haben.
Dein Rasierer ist weg und Deine neue Hose. Mir fehlt besonders das rote Kleid, der Rucksack und die Regenjacke, auch wenn es nicht nach Regen ausschaut. Hartes Pflaster, denke ich und sage nichts, denn Du schläfst noch immer.

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Am Tag, an dem Robin Williams starb, lag ich im Fresskoma im Auto; auf dem Parkplatz direkt beim Meer. Der Frauen-Musik-Sampler spielte Anorak Girl und Avril Lavigne und ich schwadronierte über Alltagsgerichte und darüber, dass Pizza und Pasta zwar schön und gut, aber auch oberflächliche Annahmen seien.
Am Tag als Michael Jackson starb, das weiß ich noch genau, war ich bei den Tischtennisplatten meiner Schule und konnte es nicht fassen. Als ich vom Tode Wolfgang Herrndorfs und des Bettlers aus meiner Stadt erfuhr, da saß ich auf dem Bett eines billigen Hotels in Bangkok und trauerte. Der Tod von Nelson Mandela war an dem Tag, an dem ich zum ersten Mal Zelda The Windwaker und Super Mario 3D World auf der Wii U spielte. Nachts saß ich stundenlang traurig an einer Bushaltestelle und schaute Autos hinterher.
Und Lou Reed, schließlich, starb am Tag vor meinem Geburtstag und ich war untröstlich. Patti Smith hatte ihn Tage zuvor besucht und er hatte am Morgen Tai Chi im Garten gemacht.
Am Tag, an dem Robin Williams starb, lag ich keine 20 Meter vom Meer entfernt und dachte über die italienische Küche nach, während ich laut Musik hörte. Wenn ich nicht am Morgen einen Wifi-Hotspot gefunden hätte, wäre sein Tod vielleicht an mir vorüber gegangen. Aber auch das Wissen darum, dass er gestorben war, konnte mir in diesem Moment nicht dabei helfen, mich an die Filme zu erinnern, in denen er mitgespielt hatte. Für mich war er immer der Typ gewesen, der lustigerweise fast so hieß, wie einer von Take That.

3 (komma fünf).

Als wir bei den Eisbären waren, erreichte mich die Nachricht.
Bei den Ottern und Bibern versuchte ich, nicht daran zu denken. Später, bei den Greifvögeln, sprach ich über Seeadler. Erst als wir den Seerosenteich erreichten, wurde ich unruhig. Die Zeit drängte und ich wollte dir den Lemur zeigen, obwohl du immer „Limone“ verstandst. Wir eilten durch Gewächshäuser und mein mobiles Internet hatte ich ausgeschaltet. Kurz bevor es zu spät war, fanden wir die nachtaktiven Tiere, aber der Lemur war verschwunden.
Wir setzten uns an den Seerosenteich und ich habe die Nachricht gelesen, von der ich schon wusste, was darin stand. Am Seerosenteich habe ich sie auch beantwortet.