Archiv für Juni 2014

two silver trees.

In diesem Jahr ist der Sommer wieder mehr Sommer als in den vergangenen Jahren und ich frage mich, ob das an mir liegt, oder daran, dass es so früh so heiß geworden ist. Über Mut und Glück zu schreiben, war schon immer schwieriger als über Unsicherheit und Traurigkeit. Aber macht nichts, macht alles nichts.
Ich bin klatschnass vor Schweiß und manchmal von dem Regen, der immer wieder kurz runterklatscht und dann bin ich auch ganz schnell wieder trocken. Vermutlich sehe ich aus wie ein Bilderbuch-Hipster, nur mit ungekämmten Haaren und ohne Schminke: Hotpants und Drop Top, bunte Tattoos auf dem Arm, große Kopfhörer, noch größerer Rucksack und natürlich hängt meine Kamera-Tasche über meiner Schulter, wie ich da so mit dem Fahrrad fahre, auf der Suche nach einer Bäckerei, die Eis verkauft. Aber das ist egal, ganz egal, in diesem Sommer. Zum ersten Mal seit Jahren muss ich nicht daran denken, was wohl die anderen denken. Nur die Entscheidung zum Eis war erst einmal nicht ganz einfach: Eis oder Kirschen? Aber eigentlich ist das doch klar. Für Kirschen muss man mindestens zu zweit sein. Eis geht auch alleine. Eis geht immer.
Auch die zweite Bäckerei hat nur Wassereis und darauf habe ich nun wirklich keine Lust und also eine Puddingschnecke mit Erdbeeren, kann ja auch nicht schlecht sein. Der Vorsatz, darüber zu schreiben, dass ich das Wetter und die Welt toll finde, läuft sich nicht so ganz aus. Ist wirklich schwieriger, als wenn es etwas auszusetzen gäbe. Naja, meckern über Spotify-Werbung oder über schlechte Boxen geht zur Not ja immer.

schreiben über schreiben und über zukunft und bauchweh part einemillionen.

Ich kann nicht mehr schreiben, ohne darüber nachzudenken, wie es klingt, wie es wirkt, welche Worte ich benutzen sollte, der poetischen Funktion wegen. Ich kann nicht mehr einfach deswegen schreiben, weil es heilt und hilft. Jetzt gerade schreibe ich einfach und vielleicht wird das fürchterlich klingen, so dass ich alle meine Köpfe schütteln und bedauernd blinzeln muss, wenn ich diesen Text eines Tages wieder lesen muss.
Ich fühle mich wieder wie damals, als ich alle drei Minuten meine E-Mails gecheckt habe. Ich checke wieder alle drei Minuten meine E-Mails und auch drei Minuten später ist noch nichts da. Wenn an der Seite meines Bildschirms eine Benachrichtigung aufblinkt, blinkt mein Herz für einen Moment mit und mir wird schlecht und ich weiß wirklich nicht mehr, wie das ist. Liebeskummer.
Und gerade, wenn ich darüber sprechen möchte, bauen alle meine Freundinnen ein Festival auf und sind zu beschäftigt, als dass sie sprechen könnten und dann baue ich mit ihnen das Festival auf und vergesse die E-Mails und das Bauchweh, das vielleicht auch einfach schlechtes Gewissen ist.
Wie lange wird noch geduldet werden, dass ich jung bin? Wie lange darf ich noch unvernünftig sein, bevor ich nur noch ernst sein muss? So langsam sollte ich mich um die Zukunft kümmern und was ist, wenn meine Pläne nicht alle wahr werden, muss ich dann nach Alternativen suchen? An der Pinnwand der Uni steht: „Wanted! Mitarbeiterin im Bereich Telefonline. Festes Gehalt plus Boni nach Leistung.“ Was Telefonline ist, weiß ich nicht so genau, aber meine Qualifikationen werden schon reichen und 12 Stunden die Woche, wer weiß, vielleicht ist das ja etwas und möglicherweise auch ein Job für die Ewigkeit?
Meine Muskeln schmerzen von den schweren Boxen und Bauzäunen und Bierkästen, die ich über den Platz trage und zum Glück regnet es immer wieder. Das hilft. Möglicherweise ist es gar nicht möglich, einfach nur ein guter Mensch zu sein. Egal, welche Definition herangezogen wird um „gut“ zu definieren und um „Mensch“ zu definieren. Möglicherweise bin ich einfach ein Mensch, der meistens versucht, alles gut zu machen und dann manchmal doch versagt und vielleicht mache ich auch oft schlechte Witze.