Kapitulation.

An neuen Orten schreiben lernen. Das Schreiben, das ich vergessen habe, die verstummten Stimmen in meinem Kopf. In der tiefsten und kältesten Mitte des Winters hatten wir schon längst nicht mehr an ein Ende geglaubt und heute glaube ich nicht mehr daran, unsterblich zu sein. Es ist dann Sommer geworden. Jetzt weht der warme Wind durch das Fenster und auf den Feldern vor der Stadt wächst das Getreide in dem Jugendliche Modefotos machen. Es ist unfair, dass ich nicht unglücklich und verunsichert bin, während die Leute, die ich liebe von den Planken springen. Im Moment ist die Ruhe für mich Abenteuer genug und da ist ja die Ferne, die auf mich wartet und die neuen Abenteuer die dieser Sommer bereithält. Ich verbringe Nächte im Park, redend oder schweigend, mit Menschen, mit denen ich reden und schweigen kann. Ich verbringe Tage vor Büchern oder mit dem Verfassen von belanglosen Textstücken, die in riesigen Universitätsarchiven langsam vermodern werden. Doch heute sind mir Belanglosigkeiten genug. Ich weiß jetzt, dass ich noch immer so jung bin, dass ich meine Pläne ändern kann, auch wenn meine Pläne gut sind. Ich werde vielleicht in einer Großstadt wohnen oder in einer kleinen Hütte am Meer. Jetzt wohne ich noch hier und es ist gut genug – genug! mit der Rechtfertigung. Ich will wieder schreiben lernen, an all den Orten, die der Sommer für mich bereithält und wenn ich mich nach einer Küche gesehnt habe, aus der an einem staubigsonnigen Morgen Beatleslieder zu mir dringen, dann habe ich sie für’s Erste gefunden. Ich habe heute Nein gesagt, weil ich heute die Ruhe brauche um meine Belanglosigkeiten zu pflegen. Vielleicht werde ich auch morgen wieder Nein sagen oder an einem anderen Tag. Ich bin auch ein wichtiger Mensch.