Archiv für März 2012

so perfekt/ bury all your secrets in my skin.

Ich war einmal einsam. Ich wusste, dass ich nur warten müsste, wie beim Schach, wenn ich warten muss bis ich den richtigen Zug machen kann aber manchmal dachte ich, dass ich vielleicht schon vor diesem Zug Matt gesetzt werden könnte. Mein Leben hat sich schon immer um diese „Tage X“ gedreht: Das erste aufgeschürfte Knie, die erste allerbeste Freundin, der erste Kuss, die erste Enttäuschung, die erste Reise allein, das erste Mal Autofahren. Und dann das nächste aufgeschürfte Knie, die nächste allerbeste Freundin, der nächste Kuss, die nächste Enttäuschung, die nächste Reise allein, das nächste Mal Autofahren. Das Abitur, die erste eigene Wohnung, das erste Buch veröffentlichen, das erste Kind. Die Welt entdecken. Und zwischen den X-Tagen waren die langweiligen Schachzüge, die, die sein müssen um zu dem Punkt zu kommen, an dem man sein möchte.

Ich war einmal einsam. Ich dachte, dass meine Königin schon das Feld verlassen und mein König resigniert hätte. Gab mir wenig Mühe und dachte wenig nach; zumindest bei diesem einen Spiel: Andere Spiele spielte ich erfolgreicher nebenher. Und nicht alle Spiele muss man gewinnen, nicht? Ich setzte die Figuren lustlos und dachte nie daran, dass ich noch einmal einen Tag X auf diesem Feld finden würde.

Ich war einmal einsam. Ich war einmal. Denn mitten auf dem Schachbrett standst dann du und obwohl ich keinen Ehrgeiz hatte, zu dir zu gelangen, bin ich es dann doch irgendwie. Jetzt halte ich deinen Kopf in meinen Armen und wundere mich, wo der Tag X war. Wundere mich über die Sanftheit, die uns umschlossen hält und über den Gefallen, den ich daran finde. Ich vergrabe mich in dir und bin manchmal, wie ich sein will.