Ethikklausur, Pluspunktaufgabe.

Hallo, weil heute Weihnachten ist oder eigentlich weil ich früh aufgestanden bin und deswegen viel Kram machen kann, schenke ich euch heute eine tolle Geschichte über Gott. Das ist doch passend, denn Gott und Jesus waren ja schon immer gute Kumpels und um Jesus geht’s ja bei Weihnachten. Außerdem bin ich ja sowieso ’ne Göttin und hab mit denen viel zu tun und zusätzlich ist das aus einer Ethikklausur von mir, da schreibt man halt Kram über Gott.
So, frohe Weihnachten oder happy Chanukka oder merry heidnisches Götterfest oder einen tollen Tag euch!

P.S. Eines Tages werde ich wieder mehr bloggen! Promise und so. Und dann auch mehr lustige Sachen, so wie heute.

P.P.S. Die „göttlichen Delfine“ am Ende der Kurzgeschichte sind eie Anspielung auf einen anderen Aufgabenteil der Ethikklausur, in welchem ich den onthologischen Gottesbeweis in eigenen Worten wiedergeben sollte und dann irgendwie ein Beispiel mit göttlichen Delfinen angeführt hab.

P.P.P.S. Ich will euch doch nur aufhalten, mit der Geschichte anzufangen!

1. Teil:
„Ich komme bald wieder… hoffe ich!“, sagte Gott, als er aus der Vorstellung der Menschen zu verschwinden drohte. Als bloße Idee zu existieren, war für ihn nicht immer leicht gewesen. Er hatte schon einige Krisen durchgestanden, aber so schlimm, wie es seit dem Aufkommen der Evolutionstheorie war, war es vorher nie gewesen. Es hatte immer Menschen gegeben, die an ihn geglaubt hatten, die ihn, die Idee, am Leben erhalten hatten. Gott hatte viele Gesichter gehabt: Er war gütig und zornig, war eine Frau und ein Vater, er war einer und viele. Aber immer hatte er von sich Reden gemacht, war immer eine der populärsten Ideen überhaupt gewesen, hatte auch nie den Anschein erweckt, dass er verschwinden würde. Und jetzt? Jetzt wurde Gott immer durchsichtiger, drohte sich an den Rändern aufzulösen und hatte längst nicht mehr den Charme, den er einst gehabt hatte. „Ich verschwinde! Haltet mit doch fest!“, rief er denen zu, die ihn umgaben. Leider waren auch sie nur mehr Schatten ihrer selbst, ihre glorreichsten Zeiten waren längst verstrichen: Das Christkind, das versuchte nach ihm zu grabschen, musste feststellen, dass es nichts war als heiße Luft und Petrus, der herbeigeeilt kam, hatte Mühe nicht den Himmel unter den Füßen zu verlieren. Gott blieb nichts anderes übrig, als auf eine große irdische Katastrophe oder einen republikanischen US-Präsidenten zu hoffen, um ein Comeback in die Köpfe der Menschen zu schaffen. Er setzte sich auf eine Wolke und wartete ab.

2. Teil:

Descartes sah, wie Gott traurig auf einer Wolke saß und immer durchsichtiger wurde. Er selbst war keine Idee, war nie eine gewesen, er hatte existiert und musste sich nicht sorgen, dass er sich auflösen könnte. Dennoch konnte er verstehen, wie betrübend es sein musste, als ehemals mächtigste Idee immer mehr an Bedeutung zu verlieren. „He, alles klar bei dir?“, rief er, denn er wollte den verschwindenden Gott trösten. „Hm, manchmal frage ich mich, ob es mich gibt“, seufzte Gott trübsinnig. Da lächelte Descartes: „Aber du denkst doch, also bist du!“, rief er aus. „Das ist es ja“, sagte Gott, „Die Menschen denken nur, dass ich denke. Das ist ihre Idee von mir. Gerade jetzt stellt eine Schülerin sich vor, dass ich mich frage, ob es mich gibt, das ist nur ihre Idee von mir und noch dazu eine jämmerlich paradoxe Idee. Nicht mehr lang, und der dort tritt an meine Stelle!“ Gott zeigte mit einer verächtlichen Geste auf ein fliegendes Spagettimonster, das in einer anderen Ecke des Himmels herumschwirrte. Descartes musste schmunzeln: „Ja, oder diese göttlichen Delfine dort hinten.“. Dann aber schmunzelte er nicht mehr, als er mit ansehen musste, wie Gott zu Schall und Wahn verpuffte.