19. Juni 2011.

Zimtbrötchen und Regen vor dem Fenster. Das Wetter sieht nicht aus, als würde es sich je wieder ändern wollen aber der Spatz auf dem Dachgiebel gegenüber stört sich daran nicht. Sein Getriller und das manchmal stark anschwellende und manchmal sehr sanfte Geräusch des Regens sind das Lauteste hier. Hin und wieder dein Atmen im Schlaf, ansonsten ist es ruhig. Nicht still, hier ist keine Stille sondern Ruhe. Ein anderer Spatz hat sich dem Ersten gegenüber gesetzt und schreit ihn an. Ich bin so entspannt wie lange nicht mehr.

Hier bist du also aufgewachsen und ich glaube, dass das ein guter Ort ist. Ein Ort an dem ich stundenlang sein kann, sogar ohne dass mir die Musik fehlt. Dass Ruhe mir fehlt bemerke ich nie. Ich weiß nicht, wonach meine Hände riechen; vielleicht riechen sie nach Zimt und nach dem regensatten Grün der Bäume. Ich möchte nicht ewig auf die Musik verzichten, vielleicht noch eine Stunde oder zwei. Ich möchte dem Regen zusehen und Gedanken denken über die Menschen und über dich. Mein Ohr an deinem Rücken und meine Nase tief in deinem Duft möchte ich still liegen und nichts tun müssen. Worte möchte ich finden und mich nicht für zu wichtig halten. Ich glaube, ich habe lange nicht mehr geschlafen.

Dann bricht die Sonne aus den Wolken und die dampfenden Wiesen vor dem Fenster leuchten. Die Spatzen sind weg, von irgendwo höre ich sie aber noch immer schreien. Der Regen hat aufgehört, zumindest für den Moment und mein Zimtbrötchen habe ich auch gegessen. Ob ich mich wieder zu dir legen soll. Warum auch nicht, ich habe das Gefühl, dass ich hier gut schlafen kann.