Archiv für Juni 2011

On the hottest night of the year lying in a patch of rhododendrons.

Das Basilikum blüht. Ich habe noch nie ein Basilikum Blüte tragen gesehen.

Es ist gut, ein kaltes Getränk zu haben um in diese heiße Nacht zu sehen. Das Eis schmilzt viel zu schnell, dabei will ich doch langsam trinken. Vor einem Jahr gab es auch kalte Getränke. Immer ist alles ein Jahr her, wenn es in meine Erinnerung tritt. Aber diesmal bin ich nicht so wehmütig, nicht so sehr. Ich vermisse vielleicht die Sterne, die ich heute nicht sehe und von denen ich glaube, dass ich sie in jener Nacht gesehen habe. Aber ich vermisse diese Begegnung nicht, vermisse diese Berührung nicht. Vermisse nur den Rausch in dem ich mich befand, im letzten Jahr.

Sie sagen, ich kann mit Glück nicht umgehen. Du sagst das. Aber ich denke manchmal, dass ich mehr von dem Leben erwarte. Von diesem Leben, hätte ich fast geschrieben. Dabei ist dieses mein Einziges.

Ich rauche langsam und trinke langsam, denn ich genieße die Hitze. Aber ich muss immerzu an die Wahrheit denken und dass ich sie aufschreiben möchte. Die Augen der Stadt funkeln verführerisch in der Nacht. Ich bin deine Geliebte, ich bin die Geliebte der Stadt. When I was your age I was commanding fleets. Ich wünsche mir und hoffe, dass heute nicht die heißeste Nacht des Jahres ist. Die bedeutet mir sehr viel, weißt du. Die würde ich gerne genau so verbringen wie das Gefühl, das ich mit ihr verbinde.

Oh, ich vermisse, ich vermisse. Vermisse vergangene Lieben und vermisse dich, immerzu. Warum ich keinen glücklichen Text schreiben kann, fragen sie mich. Warum meine Texte über Liebe immer vor Pathos triefen und so unglaublich melancholisch sein müssen. Und im Nachhinein werde ich schreiben, wie glücklich ich war.

But this is not a lovesong.
Das ist kein Text über liebe, mon amour. Das ist eine Geschichte vom Schreiben und von einer heißen Nacht in der das Basilikum blühte. Ich bin allein. Doch noch bleiben mir diese Momente, noch habe ich Zeit. Liebe ich dich aus Übermut? Du kennst mich so wenig. Das ist eine Lüge, eventuell. Und ich sehne mich nach Küssen, die ich nie geküsst habe und danach, diese Nacht in einer Umarmung zu verbringen, gleich wie heiß es ist. Ob ich mich nach Einsamkeit sehne. Es ist seltsam, das kann ich nicht beantworten.

Du sagst immer müssen und du hast ja Recht. Aber jetzt befreie ich mich davon, die Stadt empfängt mich mit ihren heißen Küssen und das Eis schmilzt auf meiner Haut. Ich werde nicht fortgehen, entscheide ich. Ich kann nichts beurteilen, kann nur warten wie es sein wird und mir ein neues Getränk machen. Ich bleibe hier; in deiner Nähe.

On the hottest night of the year
Lying in a patch of rhododendrons
A bottle of whisky under my arm
Trying to count a sky full of stars
I dream of order, I dream of fleets
Of Napoleon in aquamarine

Bloc Party – Rhododendrons

19. Juni 2011.

Zimtbrötchen und Regen vor dem Fenster. Das Wetter sieht nicht aus, als würde es sich je wieder ändern wollen aber der Spatz auf dem Dachgiebel gegenüber stört sich daran nicht. Sein Getriller und das manchmal stark anschwellende und manchmal sehr sanfte Geräusch des Regens sind das Lauteste hier. Hin und wieder dein Atmen im Schlaf, ansonsten ist es ruhig. Nicht still, hier ist keine Stille sondern Ruhe. Ein anderer Spatz hat sich dem Ersten gegenüber gesetzt und schreit ihn an. Ich bin so entspannt wie lange nicht mehr.

Hier bist du also aufgewachsen und ich glaube, dass das ein guter Ort ist. Ein Ort an dem ich stundenlang sein kann, sogar ohne dass mir die Musik fehlt. Dass Ruhe mir fehlt bemerke ich nie. Ich weiß nicht, wonach meine Hände riechen; vielleicht riechen sie nach Zimt und nach dem regensatten Grün der Bäume. Ich möchte nicht ewig auf die Musik verzichten, vielleicht noch eine Stunde oder zwei. Ich möchte dem Regen zusehen und Gedanken denken über die Menschen und über dich. Mein Ohr an deinem Rücken und meine Nase tief in deinem Duft möchte ich still liegen und nichts tun müssen. Worte möchte ich finden und mich nicht für zu wichtig halten. Ich glaube, ich habe lange nicht mehr geschlafen.

Dann bricht die Sonne aus den Wolken und die dampfenden Wiesen vor dem Fenster leuchten. Die Spatzen sind weg, von irgendwo höre ich sie aber noch immer schreien. Der Regen hat aufgehört, zumindest für den Moment und mein Zimtbrötchen habe ich auch gegessen. Ob ich mich wieder zu dir legen soll. Warum auch nicht, ich habe das Gefühl, dass ich hier gut schlafen kann.