Archiv für Mai 2011

„He D.,

ich habe mich lange nicht mehr gemeldet, bei dir.
Dabei ist es bald fünf Monate her, seitdem wir uns zuletzt gesehen haben. Und noch ein paar Monate früher konntest du dir sicher sein, dass du am Tag nachdem du mir eine Mail geschrieben hast eine Antwort hattest. Ich hab viel um die Ohren, das stimmt. Aber ich denke viel an dich, wirklich. Kürzlich hab ich von dir geträumt.
In einem halben Monat kennen wir uns ein Jahr. Erinnerst du dich daran? Du hattest Geburtstag und ich hab dir Müsli gemacht, mit Erdbeeren aus dem Garten. Vor einigen Tagen habe ich zum ersten Mal in diesem Jahr Erdbeermüsli gegessen und musste daran denken. Es ist großartig, dass wir uns kennen. Dass es dich gibt. Auch wenn du inzwischen nur noch so selten von mir hörst. Ich nehme an, dass ich ein wenig Angst davor habe, dich zu sehen. Mein Leben ist zwar so wirr und turbulent wie eh und je, aber die Begegnung mit dir hat mich doch noch ein bisschen mehr aus der Bahn geworfen. Irgendwie hab ich mich entschieden, dass für mich frei sein später kommt. In einem Jahr eben. Weil ich mir was beweisen will und vielleicht auch irgendwie beweisen muss. Wahrscheinlich ist das blöd von mir, weil ich möglicherweise viel verpasse und weil viel in dem Jahr passieren kann. Andererseits würde ich auch viel verpassen, würde ich mich jetzt schon für’s frei sein entscheiden. Ich bin gerne hier, gerade.
Vor einigen Wochen war ich in Italien und diese Woche fahr ich nach Berlin. Immerhin. Zwar keine großen Reisen oder Abenteuer – die kommen im Sommer sicher – aber die Welt ist noch immer neu genug für mich, dass auch das Hierbleiben manchmal spannend sein kann. Als ich in K. war, haben wir ja auch eigentlich nichts gemacht. Nur Musik gehört, irgendwie. Gerade höre ich Eels, mal wieder und immer noch. Everything was beautiful and free in the beginning. Noch immer berührt mich jedes Lied unglaublich.
Eigentlich wollte ich mich nur mal wieder bei dir melden, dir kurz schreiben, dass ich noch lebe und dass auch du nicht vergessen bist. Weil ich das schade fänd, wenn du das denken würdest. Ich würde mich freuen wenn du mir mal antwortest und mir schreibst, wie es dir so geht, was du machst, wo du bist. So Kram halt.
Ich wünsch dir einen schönen Sommer und vielleicht sehn wir uns ja doch mal!
Viele Grüße
deine M.“

Look what you‘ve done to me.

Ich habe gelogen. Ich habe dich angelogen.

Ich will nicht, dass du weißt dass ich das Gefühl das ich für dich habe „Liebe“ nenne. Ich will nicht, dass du weißt, dass ich manchmal mit Zärtlichkeit an dich denke und ich will nicht, dass du weißt, dass ich diese Gefühle kenne und zuordnen kann. Ich will nichts zuordnen. Ich möchte mit dir in einem Zustand des Chaos leben, in einem unsicheren Gewirr aus Vielleichts und Was Ist Wenns. Ich will dich verlieren und wiederfinden, solange es geht. Ich will dir nicht sagen, wie besonders du bist, das sage ich jedem Mann und du bist zu besonders dafür. Ich will dir nicht sagen, dass du der Einzige bist, denn ich will dich nicht anlügen aber sagen, dass du nicht der Einzige bist, will ich dir auch nicht. Vielleichts und Was Ist Wenns. Ich will bei dir sein, das will ich. Ich möchte deinen Hals küssen und an deinem Haar riechen und wenn es riecht, wie das Haar eines Mannes den ich vorher kannte, dann möchte ich das sagen. Ich will nicht, dass ich diese Gefühle für dich so empfinde, denn weil ich sie empfinde, empfinde ich dich als zu gut für sie. Ich habe Männer geliebt, die waren weniger gut als du. Du musst wissen, dass du besonders bist. Du musst wissen, dass ich Angst habe. Und du musst wissen, dass ich mir manchmal nichts mehr wünsche als das Beste für dich.

Manchmal siehst du aus wie ein beleidigtes Kind, wenn du schläfst. Während du jetzt neben mir liegst siehst du aus wie ein beleidigtes Kind. Ich mag dich trotzdem oder aber dafür. Ich mag so vieles an dir. Mit keinem trinke ich lieber nachts auf dem Spielplatz Wodka-O aus der Wasserflasche. Niemandem versuche ich lieber böse zu sein, auch wenn ich dir nicht böse sein kann weil du alles ins Alberne ziehst. Du liegst neben mir und siehst aus wie ein beleidigtes Kind, während ich diese Worte schreibe und mir vorkomme wie eine, die keine Worte finden kann, außer solche die es schon gibt, solche die nicht passen, solche die vollkommen übertrieben klingen. Meine Worte klingen immer übertrieben, das ist mein Problem. Ich möchte dir all diese Worte nicht sagen, weil ich mich wieder nur in ihnen verenne, weil ich wieder nur alle zurücknehmen werde und am Ende gar nichts gesagt habe. Eigentlich ist es auch gar nicht wichtig, wie ich das Gefühl nenne, das ich für dich habe. Es ist so, es stimmt wenn ich sage: Von keinem würde ich mich lieber auf ein Bier einladen lassen, mit keinem würde ich lieber an dem Fluß liegen, der durch meine Stadt fließt. Aber das sind starke Worte und sie sind nur jetzt wahr. Nur jetzt nenne ich das Gefühl das ich für dich habe „Liebe“, nur jetzt denke ich mit Zärtlichkeit an dich, in der Nacht wenn alle Lichter gelöscht sind und ich bei leiser Musik die letzte Zigarette rauche.

Ich habe gelogen. Ich habe dich angelogen, weil ich Angst habe. Ich habe Angst davor, dass du mich missverstehst und ich habe Angst davor, dass ich mich missverstehe. Du bist der Beste und du bist der Einzige; in diesem Moment. Nur in diesem Moment.

Meer sehn.