VOR DER KRIPPE/ NOCH SCHNELL EINE KIPPE/ DURCHZIEHN.

Ich als theaterbegeisterter junger Mensch habe ja nun das Glück, dass es in meiner Kleinstadt einige Angebote für theaterbegeisterte junge Menschen gibt. Ich als internetsüchtiger und schreibfanatischer junger Mensch habe ja nun das Glück, dass eines der Theater in meiner theaterbegeisterten Kleinstadt die so genannte „Aktion: Blogger“ in’s Leben gerufen hat. Das Landestheater Tübingen, nämlich.
Die Aktion: Blogger sieht folgendermaßen aus: Das LTT (für alle nicht so theaterbegeisterten oder nicht so kleinstädterischen Menschen: „LTT“ ist die Abkürzung für „Landestheater Tübingen“, Anm. der Autorin) verschenkt Freikarten an coole und gutaussehende Blogger_innen und die schreiben ne Rezension über das Stück das sie sahen. So wie ich jetzt.

Ich war am vorigen Freitag in „Gespräche mit Astronauten“, einem großartigen Stück von Felicia Zeller. In „Gespräche mit Astronauten“ geht es um Kleinfamilien in reichen westlichen Staaten und um die Beschäftigung von Au-Pairs aus nicht so reichen nicht so westlichen Staaten in diesen Kleinfamilien.
Präziser: In Knautschland, da gibt es Mülltrennung und nur vegetarisches, biologisch-dynamisches Essen in den meisten Familien. Der Fernseher darf nicht zu lange anbleiben, statt einem Eis isst man lieber zwei Äpfel. Für die Wäsche gibt es einen To-Do-Korb und wer kurz duscht wird auch sauber. In Knautschland ist man nämlich politisch korrekt und viel fortschrittlicher als in Rostland, der Ukulele, der Schlamparei oder den anderen unterentwickelten Staaten in Mitropa und Trallala. Aus diesen Staaten kommen die Au-Pairs nach Knautschland – um Knautsch zu lernen, das Land zu sehn, ihre Träume wahr zu machen. Tragischerweise wird weder das mit dem „das Land sehen“ noch das mit dem „Träume wahr machen“ was, denn die Au-Pairs müssen die meiste Zeit zuhause sitzen und auf die Kinder aufpassen. Die Mütter sind ja auf Arbeit und die Väter sind im All. Und irgendwer muss sich ja um die Kinder kümmern; zum Glück gibt’s die Au-Pairs. Zum Glück machen die die ganze Zeit Überstunden. Nur irgendwie ist es nicht so richtig, dass die Kinder sich dann auf einmal mit den Au-Pairs verbundener fühlen, als mit den Müttern. Und dass die Au-Pairs nicht ewig bleiben, macht es für niemanden einfacher.

In „Gespräche mit Astronauten“ kommen alle irgendwie zu Wort. Die gestressten Mütter, die desorientierten Kinder, die freiheitssuchenden Au-Pairs, die ordnungsliebenden Knautschen und ein bisschen auch die Väter, wenn sie aus dem Weltraum zu Besuch da sind. Die Worte die sie wählen sind besonders, verwundern erst einmal und lassen aufhören. Im Programmheft ist vieles großgeschrieben, ich hab das Stück nicht gelesen, aber ich vermute da auch. „Linsensortierer/ Hülsenfruchtregistrierer/ immer alles auflisten PRO UND KONTRA wer hat wann wie oft was WER KAUFT HIER IMMER DEN KASTEN SPRUDEL/ WER GEHT MIT DEM PUDEL/ überall hängen Zettel, auf denen sowieso immer nur mein Name steht, weil er sowieso kein Bock hat, sich ständig immer überall einzutragen LASS MICH!“ Und damit ich nicht bald von meinem Amt als KleineGoettin zurücktreten muss, mach ich das vorhergehende, kursive hiermit ganz offiziell deutlich als ZITAT aus „Gespräche mit Astronauten“, in diesem Fall abgetippt aus dem LTT-Theatermagazin zum Thema Arbeit in der Spielzeit 10/11.

So. Das war jetzt sicherlich keine richtige Rezension, aber ich find das Stück zu schade für ne richtige Rezension und wenn ihr zufällig auch theaterbegeisterte Menschen seid und aus der selben Kleinstadt wie ich kommt, dann habt ihr in nächster Zeit eh noch einige Gelegenheiten euch das Stück selber anzuschauen und ich kann das nur empfehlen!


1 Antwort auf „VOR DER KRIPPE/ NOCH SCHNELL EINE KIPPE/ DURCHZIEHN.“


  1. 1 „Das ist Paolo und Paolo schläft auf Pappe.“ « Die Kleine Göttin: Kopfüber in die Hölle! Pingback am 07. Februar 2012 um 23:16 Uhr
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