Dass wir heut Nacht unsterblich sind.

Eigentlich kann ich mir den Morgen über der Stadt nicht schöner vorstellen, als hier auf deinem Balkon. Eigentlich reicht es mir, dich zu küssen.
Ich denke, ich denke zu viel. Ich sollte mich einfach hingeben und geschehen lassen, was geschieht. Keine Prinzipien mehr, keine Ratio. Amour fou. Ich denke, ich sollte das machen wonach ich mich sehne statt mich von Grundsätzen leiten zu lassen, die aus einer Zeit stammen in der ich noch klar denken konnte. Ich denke, ich sollte das Denken aufgeben.

Ich wage kaum, meine Hand nach dir auszustrecken – zu sehr bewundere ich deine Schönheit. Wie du strahlst, wie du glänzt. Wie wunderbar leicht alles mit dir ist.
Ich glaube immer fallen zu müssen, wenn ich dich neben mir spüre. Ich denke dann immer, dass ich der Realität entgleite.

Zuerst habe ich dich voller Wut geliebt. Mittlerweile akzeptiere ich; lasse probeweise die Zügel los. Lose yourself. Ich hoffe, du weißt wie sehr ich die Zeit mit dir genieße. Denn ich habe noch immer Angst. Ich habe Angst, zu schlittern, auszurutschen und nie mehr auf den richtigen Weg zurückgelangen zu können. Jahrtausende werde ich dann in dem Gletscher verweilen, ohne dass irgendwer sich auf die Suche nach mir begibt. Ich habe Angst zu verletzen, zu zerschneiden und zu zerhäkseln. Vor Euch, die Ihr auch Du seid, werde ich mich selbst mit einem pathetischen Stich in’s Herz hinrichten und ihr werdet meinen ausblutenden Körper einfach vergessen müssen.
Aber die Angst wird weniger; die Angst und die Skrupel. Denn eigentlich weiß ich was ich will.
Eigentlich reicht es mir, dich zu küssen.