In der Nacht suchte ich dich; in der Nacht fand ich zu dir.

Wir wanken gemeinsam durch die Wirren der Nacht, durch die Turbulenzen in unseren Köpfen und wir kommen uns nah. Ich sehne mich nach dir und ich verwünsche dich dafür, dass du meinem gierigen Herzen delikate Appetitmacher zugeschnippt hast, ohne dass du und ich je die Konsequenzen in ihrem gewaltigen Ausmaß auch nur ansatzweise begreifen konnten. So viele Worte hämmern gegen meine Schädeldecke; Zuneigung zu dir lähmt mich und ist die einzige Triebkraft die ich besitze. Eigenmächtiges Denken habe ich aufgegeben, Ratio kenne ich nicht mehr.

Ich hätte nicht gedacht, dass es so weit kommt. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich einmal so weit unten landen würde. Da verleugne ich dich in dem Maße in dem ich dich begehre. Ich sehe zu, wie ich ausblute und denke nicht einmal daran, die Wunde zu versorgen. Mein Kopf und mein Bauch schmerzen vor irrationalen Ängsten – sieh, wie der Horizont verbrennt.

Wie könnte ich dich jetzt noch vergessen? Ich krieche durch die Wüste, hab schon lange den Boden unter den Füßen verloren und wünsche mir, dass der Treibsand mich verschluckt. Vielleicht sollte die Wüstensonne mich wärmen, vielleicht könnte ich endlich schlafen, würde ich mich in den heißen Sand legen.
Meine Kehle trocknet aus aber ich finde den Weg aus der Wüste nicht mehr. Es war doch meine Schuld, ich habe mich doch selbst hier hingeführt.

Wäre ich nur still gewesen. Ich hätte mein Leben einfach fortführen können, würde nun nicht unter der gleißenden Sonne über diese Schutthalde wanken. Die Umgebung hat sich verändert. Statt Dünen und rauem Sand unter den Füßen laufe ich nun über ausgetrockneten Schlamm, über gigantische Geröllfelder.
Hier ist der Nabel der Welt, hier begann mein Leben und hier wird es enden. Hier werde ich für immer bleiben.
Vom Himmel regnet es dickflüssige, weiße Tropfen. Der Boden reißt auf, eine gewaltige Welle überschwemmt mich: Ich befinde mich in einem eben noch ausgetrockneten Flußbett.

Während ich atemlos mit den Fluten ringe möchte ich lachen wie eine Besessene, weil ich an das Glück denken muss, das ich empfand als wir uns berührten. Sehnsucht bleibt the hope of lonesome nights. Auch du hast gelächelt, daran erinnere ich mich.

Ich kann dir nicht verzeihen, dass du mir den Verstand nahmst. Nachdem ich ertrunken bin, erwache ich wieder mit Bauchschmerzen. Ob ich versuche, den verdammten Feuerball am Himmel mit dem Blut zu löschen, das dieser alberne Muskel in meiner Brust durch meinen Körper pumpt, kann ich nicht erkennen. Es ist viel zu hell hier. Anscheinend ist schon lange nicht mehr Nacht.


2 Antworten auf „In der Nacht suchte ich dich; in der Nacht fand ich zu dir.“


  1. 1 kleinegoettin 25. November 2010 um 18:42 Uhr

    *kursiv geschriebenes ist in Anlehnung an ‚Lautlos‘ von Deladap, bzw. ein direktes Zitat aus diesem Lied.

  2. 2 Joël 26. November 2010 um 11:38 Uhr

    Großartige Schreibe. Ich verneige mich vor dir.

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