Junebug.

Es hat sich nichts verändert für dich.
Aber für mich, für mich ist alles anders geworden. Der Sommer ist nicht länger Sommer; das helle Licht wird weicher und die Vögel auf dem Baukran, die sich erhoben um fangen zu spielen, werden zu taumelnden Blättern, mitgerissen vom Wind.

Im Herbst bin ich eine Andere, als ich es im Sommer bin. Das liegt auch an der Luft, – natürlich muss es an der Luft liegen! – denn sie flüstert mir keine verhängnisvollen Geschichten von Lust und Abenteuer mehr in’s Ohr. Die Luft ist zahm geworden und ich kehre auf den Boden zurück. Laufe erst noch vorsichtig, ein wenig stolpernd über das verrottende Laub auf der Erde und dann fange ich mich und straffe die Schultern und koche Tee. Tee, den ganzen Herbst und Winter. Träume Balletttanzträume und stecke meine Nase tief in Bücher aller Art, bis die ersten Sonnenstrahlen mich endlich aus diesem tiefen Schlaf reißen.

Für dich hat sich nichts verändert und ich weiß nicht, ob ich meine Veränderung für dich greifbar machen kann. Ein wenig habe ich Angst davor, dir gegenüber zu treten; bin ich doch nicht mehr so wie ich war als wir uns begegneten. Wirst du mich erkennen? Wird Begegnung ein weiteres Mal mit Berührung einhergehen?

Für einen Augenblick denke ich, es sei tatsächlich noch Sommer – die Kastanien und das Herbstlaub vergessend. Die dichte Luft riecht nach würzigen Kräutern und nach einem alten Haus mit bröckelnden Wänden, die langsam zu modern beginnen. Der Himmel, dessen Farbe ein kräftiges, dunkles Blau ist, erinnert mich an Nächte in einem Sommer der schon so weit fort scheint. Ein Frösteln erinnert mich daran, dass auch dieser, der vergangene Sommer schon nicht mehr ist.

Für dich soll wieder Sommer sein, wünsche ich mir. Dass du mich erkennst.


2 Antworten auf „Junebug.“


  1. 1 Joël 13. September 2010 um 10:40 Uhr

    Dort, wo immer Sommer ist, sterben die Götter.
    Ich hoffe, du hast genug Sommerlicht in dir aufgesogen, es eingemacht in ein Glas wie süße Früchte, um es immer wieder unter der harten Winterschneedecke, die sich erstickend auf uns legt, rausnehmen zu können. (Kennst du Frederick die Maus?)

    Ich mag deine Art zu schreiben. Sehr.

  2. 2 kleinegoettin 13. September 2010 um 20:28 Uhr

    Klar kenn ich Frederick die Maus! Ich hab sogar mal in nem ‚Mäusical‘ mitgespielt :)
    Aber nee, ich dachte im Sommer immer so zu mir: „„Miri, können Sonnenstrahlen unsere Bäuche füllen? Können Lieder und Geschichten unsere
    Pfötchen, Nasen und Ohren warm halten? So hilfst du uns nicht. Du bist und bleibst eine faule Maus.
    Wirst schon sehn. Der kalte Winter wird dir seine Lektion erteilen!“ “, und hab deswegen nur Futter gesammelt und hab jetzt keine Sonnenstrahlen :( Dafür Kekse :)

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