Archiv für September 2010

Ganz kurzfristig an alle Tübinger_innen:

Heute 18.30 am Tübinger Bahnhof/ Café XXL: Soli Flash Mob-Sponti für die Schüler_innen-Demo im Schlosspark gegen Stuttgart 21! Bringt Sachen mit, die Krach machen!
(mehr Content: http://twitter.com/#search/%23s21)

awake my soul.

Oh the shame that sent me off from the God that I once loved
Was the same that sent me into your arms

Mumford & Sons – Winter Winds

Ich begann einst, mich aufzulösen.
Nun kann ich nicht in die Verantwortung gezogen werden, für Dinge die ich sage, die ich mache, unterlasse. Ich bin verantwortungslos.

Die samtene Katze verfolgt mich. Einmal sprach ich zu ihr, schrie und flehte sie an. Doch sie legte nur gelassen ihren Kopf zur Seite und antwortete nicht auf meine Fragen. „Weißt du noch, wie wir durch den Sommer geflogen sind“, rufe ich, aber ich habe keine Ränder mehr. Ich höre nicht auf, an keiner Stelle, und es fällt mir nicht leicht zu sagen, ob es die Welt in mir ist, die explodiert oder die Welt außerhalb.

Kann ich noch eine Unterscheidung machen zwischen dir¹ wenn du mich küsst und einem großen, glatten Klotz aus Marmor? Gibt es diesen Unterschied oder ist er nur gedacht?
Ich laufe durch meine leuchtende virtuelle Welt und klicke die Dinge an, um mit ihnen zu interagieren. Dass ich Destruktion hinter mir lasse, scheine ich nicht zu bemerken. Ich wäre gerne gut zu dir.

wir erklommen die türme gefrieren unter den schneedecken zieren die stadt legt sich in einen tiefen winterschlaf.
ratten erstarren in den katakomben verlaufen unter unseren träumen kann ich noch, immerhin.
licht explodiert und ich atme etherwellen.
it’s been so long since I‘ve seen the ocean (I guess I should).²

„Die Welt außerhalb erkenne ich daran, dass sie der Veränderung unterliegt.“, sage ich und die samtene Katze nickt gewichtig. Ist sie Traum? Ich fasse sie an, wie ich dich anfasse und die Tage werden kürzer. Weit, weit entfernt brandet auch jetzt die See an die Klippen; das gibt mir die Gewissheit, dass ich noch bin.
Noch scheint die Sonne durch die weißen Vorhänge (in einem Strandhaus? In einer Arztpraxis?), schon stehe ich auf der Straße, von Laternen beleuchtet. Die Nacht ist warm, ich gehe und fühle mich wie ein Engel. Erst als ich bemerke, dass ich renne wird mir bewusst, dass die Straße nie aufhört.

C H A O S .

Dann liege ich wieder in den Armen einer rissigen Marmorstatue und wühle mich in mir selbst.
„Es tut mir Leid“, will ich sagen, denn ich empfinde Schuld. Dafür kann ich doch nichts.

Jetzt habe ich den Prozess der Auflösung beendet. Jetzt weiß ich wieder, wo die Welt so anmutig explodierte: In meinem Kopf.
Und ich reibe über deine schläfrigen Augen um zu sagen, dass alles gut wird.

_____________

¹ : Das „Du“ ist beliebig; der Leser/ die Leserin kann „Ich“ an seine Stelle setzen oder einen anderen Namen.
² : Textzeile aus Counting Crows – A Long December

Junebug.

Es hat sich nichts verändert für dich.
Aber für mich, für mich ist alles anders geworden. Der Sommer ist nicht länger Sommer; das helle Licht wird weicher und die Vögel auf dem Baukran, die sich erhoben um fangen zu spielen, werden zu taumelnden Blättern, mitgerissen vom Wind.

Im Herbst bin ich eine Andere, als ich es im Sommer bin. Das liegt auch an der Luft, – natürlich muss es an der Luft liegen! – denn sie flüstert mir keine verhängnisvollen Geschichten von Lust und Abenteuer mehr in’s Ohr. Die Luft ist zahm geworden und ich kehre auf den Boden zurück. Laufe erst noch vorsichtig, ein wenig stolpernd über das verrottende Laub auf der Erde und dann fange ich mich und straffe die Schultern und koche Tee. Tee, den ganzen Herbst und Winter. Träume Balletttanzträume und stecke meine Nase tief in Bücher aller Art, bis die ersten Sonnenstrahlen mich endlich aus diesem tiefen Schlaf reißen.

Für dich hat sich nichts verändert und ich weiß nicht, ob ich meine Veränderung für dich greifbar machen kann. Ein wenig habe ich Angst davor, dir gegenüber zu treten; bin ich doch nicht mehr so wie ich war als wir uns begegneten. Wirst du mich erkennen? Wird Begegnung ein weiteres Mal mit Berührung einhergehen?

Für einen Augenblick denke ich, es sei tatsächlich noch Sommer – die Kastanien und das Herbstlaub vergessend. Die dichte Luft riecht nach würzigen Kräutern und nach einem alten Haus mit bröckelnden Wänden, die langsam zu modern beginnen. Der Himmel, dessen Farbe ein kräftiges, dunkles Blau ist, erinnert mich an Nächte in einem Sommer der schon so weit fort scheint. Ein Frösteln erinnert mich daran, dass auch dieser, der vergangene Sommer schon nicht mehr ist.

Für dich soll wieder Sommer sein, wünsche ich mir. Dass du mich erkennst.

Polyfantasia.

Der Volllständigkeit halber: Ich sagte ja, dass ich zur Polyfantasiawoche nach Erfurt gehen würde. Tat ich auch. Aber weil ich nur von Montagabend bis Mittwochmorgen in Erfurt war, lest ihr lieber auf dem Blog der queer-feministischen Gruppe „wider die Natur“ nach, wie die Woche so war! Denn da steht das alles viel genauer :)