Den Vögeln brecht ihr solang die Schwingen, bis sie sich nach Käfigfrieden sehnen.

Ich komme nicht umhin, alles mit einer gewissen Traurigkeit zu betrachten. Wer garantiert mir, dass ich morgen noch bin, was ich bin? Wer garantiert mir, dass gut ist, was ich bin? Muss ich nicht jetzt leben um werden zu können, was ich sein will? Ich kann tausendmal von Freiheit schreiben und tausendmal von Freiheit träumen. Ich kann feurige Reden halten und nichts davon wahr machen.

Es war Nacht und ich saß auf einer Kinderschaukel. Bis zu den Sternen sollten meine Füße fliegen; bis zu den Sternen wollte ich abheben. Doch auch kurz vor der Schwerelosigkeit noch, fühlte ich die eiserne Umarmung der Konventionen.

Ich muss eine mündige Bürgern werden. Ich muss freundlich und leise sein und in eurer Schablone leben. Wenn ihr Zweifel seht, dann sprecht ihr von Eventualitäten; von Möglichkeiten und von Sicherheit. Aber eure Schubladen sind mir zu eng; ich kann schlecht atmen darin. „Ohne Schublade keine Sicherheit!“, sagt ihr und schaut gleich weg denn eures Sieges seit ihr sicher.

„Sophismus!“, denke ich mir, „Alles Gerede; dabei wisst ihr nicht einmal woher ihr das habt. Was bedeutet denn Sicherheit? Woher wollt ihr denn wissen, dass die so wichtig ist?“ Und gleichzeitig ruckele ich ein bisschen um es mir in der Schublade bequemer zu machen. Ich versuche schon, mit den Lippen eure Worte zu formen. Auch ich werde morgen von Sicherheit reden. Manchmal denke ich schon heute daran. Noch ist mir schlecht dabei und ich bin froh, dass mir schlecht ist. Aber auch gegen Übelkeit habt ihr ein Mittel.

Eines Nachts werde ich mit den Füßen den Himmel streifen. Ein Stern kann mir vielleicht sagen, in welche Richtung ich soll.


1 Antwort auf „Den Vögeln brecht ihr solang die Schwingen, bis sie sich nach Käfigfrieden sehnen.“


  1. 1 Diego 23. August 2010 um 19:54 Uhr

    Niemand kann dir garantieren, dass du bleibst wer du heute bist.
    Du kannst nicht bestimmen, wie du wirst.

    Es gibt nur das hier & jetzt, den ewigen Augenblick. In diesen liegt alle Freiheit, alles Leben. Die Schwierigkeit liegt darin, ihn zu nutzen, und es ist ein langer Weg, bis die Flügel verheilt sind.

    Doch es lohnt sich, denn der Vogel ist geboren, zu fliegen; und der Mensch ist geboren, frei zu sein.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.