Enough of me.

Die Welt scheint dumpf durch den Regen.
Die klare, kalte Bauweise des Gebäudes und mein leeres Inneres verstärken das Gefühl der Entfremdung zusätzlich. Ich bin gefangen in einem Raumschiff, im ewigen Regen, in einer Blase voller Fruchtwasser. Hier gehöre ich nicht hin; mir scheint, dieser Ort will mich fort von sich stoßen. Will mich abweisen wie ein Gore Tex-Mantel das Wasser.

Ich wandere in dem Gebäude herum. Auto-Skelette und hundert oder mehr Esspressomaschinen umgeben mich. Kleine Tusche-Zeichnungen von Pferden und von sich liebenden Menschen hängen an der Wand. Jedes Wort, das ich laut ausspreche, wird tausendfach widerhallen. Ich vermute das zumindest. Nicht, dass es Worte für das Chaos in meinem Kopf gäbe.

Und doch, meine Stimme hat mich nicht verlassen. Ich kann nicht an mich halten und gehe auf eine der stummen Personen zu, die offenbar irgendwo außerhalb von mir existieren. „Entschuldigen Sie“, sage ich durch den dicken Nebel, „Ist dieser alte Mac tatsächlich nur so klein?“ Die Person hebt ihr graues Gesicht aus dem Schatten, von dicken Staubschichten bedeckt, die abzukratzen unmöglich sind.

„Das ist der Fortschritt. Hier sehen Sie die Geschichte der Technik, angereichert auf einem kleinen Tisch. Früher war das unvorstellbar. Es ist immer alles weiterentwickelt worden, immer alles verfeinert und verbessert worden. Das Material aus dem das ist, ist nahezu unverwüstlich. Es gibt so viel Müll auf der Welt, so viel Müll. Und alles worum sie sich scheren, ist es die Technik weiterzuentwickeln. Das ist der Kreislauf. Aber jetzt sind sie soweit, jetzt haben sie das Material gefunden. Ich darf das noch gar nicht sagen, noch ist es geheim. Aber es ist unzerstörbar, das müssen Sie sich einmal denken: Unzerstörbar.
Diese kleinen Roboter könnten wir losschicken und sie könnten alles sauber machen, alles von dem Müll reinigen, den die Menschen machen. Sie selber sind unverwüstlich, sie bleiben nirgendwo liegen und verrotten. Nein, sie werden immer weiter emsig Müll einsammeln, so stelle ich mir das vor.
Die Orte der Ruhe, sie sind so wichtig. Aber darauf achtet niemand mehr, niemand bedenkt, dass es solche Orte zu erhalten gilt. Überall sind die Abgase, der Lärm. Überall sind wir im Stress, aber wir merken das nicht. Deswegen sind die Orte der Ruhe so wichtig, so unglaublich wichtig.
Es gilt sie zu erhalten und die Roboter könnten dabei helfen. Es sollte keine Autos mehr in den Städten geben, dann wäre die Luft besser. Im Schwarzwald da irgendwo, da gibt es eine Stadt, vielleicht kennen Sie die? Dort fließen nur Bäche in der Stadt und es gibt in der Innenstadt keine Autos. Dort ist die Luft besser, das sollte es öfters geben solche Orte der Ruhe. Auch innerhalb der Zivilisation, verstehen Sie?
Aber die Roboter können zu einer besseren Welt beitragen, das glaube ich. Das ist meine Vision, können Sie das verstehen?“

Zum Antworten komme ich nicht, die Person spricht immer weiter, wird immer weitersprechen. Ich bin gefangen in diesem Redeschwall, unfähig mich zu rühren. Ich werde immer hier stehen bleiben. Meine innere äußere Stimme sagt leise zu mir: „Offenbar gibt es viel zu sagen, offenbar hat diese Person sich schon lange nicht mehr unterhalten.“


1 Antwort auf „Enough of me.“


  1. 1 derula 27. Juli 2010 um 21:59 Uhr

    Ich brauch hier ein Postbewertesystem… da es das nicht gibt, bastel‘ ich mir selber eines:

    Fünf von fünf goldenen Bleistiften

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