Ich hätte nichts gegen eure WM.

Hallo, dieser Eintrag spiegelt nur meine subjektive Meinung wieder. Wenn ich Dinge durch Anführungszeichen als Zitate kennzeichne bzw. Situationen beschreibe, dann hat die mir irgendwer im persönlichen Gespräch gesagt; dann sind die mir wirklich so passiert. Allerdings lasse ich viele wichtige Kritikpunkte an der WM aus, auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass es die gibt. Dass die Zahl der Prostituierten dort, wo die WM statffindet immer total ansteigt. Dass das eh ein absolut kommerzielles Event ist. Dass die Fußballer WM unglaublich viel mehr Beachtung findet als die Fußballerinnen WM. Und noch einiges mehr. Vielleicht werde ich auch einmal darüber einen Blogeintrag verfassen oder euch zumindest Links zu guten Artikeln zu diesen Themen zusammensuchen. Vielleicht auch nicht. Ihr habt selber Internet und seid selber groß. Erstmal mag ich meinem Ärger Luft machen oder irgendsowas ;)


Nationalstolz: doof!

Ich hätte nichts gegen eure WM, wenn nur das Spiel wichtig wäre. Wenn ihr einfach Fußball mögen würdet und es egal wäre, wer gewänne. Denn die, die gewännen hätten gut gespielt und den Sieg verdient. Stattdessen seid ihr auf einmal „WIR“ und wollt, dass ich mit euch für „unsere Jungs“ jubele. Ihr findet, dass ein bisschen Nationalstolz doch gar nicht so schlecht sei. „Das gibt es doch überall. Die Griechen sind stolz auf Griechenland und die Türken sind stolz auf die Türkei. Nur wir dürfen nicht stolz auf Deutschland sein, wegen der Geschichte und so.“ Ich finde Nationalstolz überall doof. Nicht nur in Deutschland. Überall. Eigentlich auch gar nicht nachvollziehbar: Wie könnt ihr denn auf was stolz sein, wofür ihr nichts könnt?
Außerdem: Erlaubt euch das „bisschen gesunder Nationalstolz“, das ihr pflegt auch, rassistische Äußerungen von euch zu geben? Oder „In your face!“ zu schreien, wenn einer von „euren Jungs“ jemand anderen foult?
Und wieso kommt „ihr“ eigentlich weiter? Ich wusste gar nicht, dass ein so großer Teil der Leute die ich kenn in der deutschen Nationalmannschaft spielt.

Ich hätte nichts gegen eure WM, wenn sie ruhig verlaufen würde. Wenn ich nichts mitbekommen würde. Wenn ich sie einfach ignorieren könnte.
Aber ihr meint ja, andauernd mit euren Tröten herumpusten zu müssen. Überall eure Fähnchen aufzuhängen. Von Reichsadlern ganz zu schweigen. Ihr meint ja in twitter oder facebook beleidigende Äußerungen gegenüber NATIONEN veröffentlichen zu müssen. Sind „die Serben“ alle böse und schrecklich und gemein, weil die serbische Nationalmannschaft besser spielt als die Nationalmannschaft von Deutschland?
Ich würde gerne diese ganze Veranstaltung einfach ignorieren können. Lasst mich damit in Ruhe. Hört auf mit Autokorsos, Vuvuzelas und Gebrülle. Hört auf euch die Farben „eures“ Landes ins Gesicht zu malen. Schaut euch Fußball an, aber freut euch einfach für die, die gewinnen. Egal wer das ist. Denn die haben gut gespielt und haben das verdient.

Ich hab echt absolut nichts gegen Fußball. Ich spiel das hin und wieder gerne. Fußball gucken find ich stupide. WM find ich aus den oben genannten Gründen schrecklich. Und außerdem finde ich es einigermaßen furchtbar, dass ich jetzt doch darüber schrieb. Aber manchmal hilft das „Wenn ich es ignoriere ignorieren es vielleicht alle“-Prinzip nicht so richtig. Dann mecker ich lieber rum.


20 Antworten auf „Ich hätte nichts gegen eure WM.“


  1. 1 kleinegoettin 29. Juni 2010 um 16:17 Uhr

    auf dem wunderbar-künstlerischen Bild das ich ganz selber gemacht hab steht übrigens: „tröte: doof; grinsen: doof; erbärmlicher tropf: doof; bier: doof; wimpel: doof“
    das zitat von schopenhauer kann man lesen, glaub ich :)

  2. 2 derula 29. Juni 2010 um 16:36 Uhr

    Genau, genau und genau.

    Das ist der absolute Wahnsinn, nervig, bescheuert und beängstigend. Was hat die Fußballmannschaft mit der Nation zu tun? Was hat die Nation mit den dort ansässigen Menschen zu tun?

    Diese doofe Ansicht, ein bisschen Nationalstolz schade ja nicht… erstens ist das nicht ein bisschen, wenn bei jedem Tor im ACHTELfinale ohrenbetäubender Lärm ausbricht und Feuerwerkskörper abgefeuert werden bzw. bei Gegentoren ein „blöde Engländer“ zu hören ist, zweitens hat das wie gesagt so überhaupt nichts mit der Nation zu tun und noch weniger mit den angehörigen der Nation.

    Das Problem ist ja nicht, dass man die Erfolge der Nationalmannschaft auf sich selbst oder sein Land attributiert oder sich darüber freut… okay, das ist vielleicht unser Problem damit. Aber es drückt einfach allgemein in eine gewisse Richtung, was ich viel schlimmer finde.

    Vielleicht vergleichbar mit folgendem. In den Stuttgarter S-Bahnen klebt ein Zettel:
    „Jesus Christus ist der wahre Gott und das ewige Leben.“

    Was es bedeuten soll: Jesus ist eine Form des einzigen Gottes, an den du glauben kannst. Wie es rüberkommt: Das Christentum ist das einzig wahre und alle anderen sind doof. Wie kann man sowas nur aushängen? Auch wenn die erste Aussage das ist, was die meinen, muss doch klar sein, dass das eine gewaltige, sinnlose Provokation ist. Aber irgendwie zweifle ich daran, dass diese nicht die beabsichtigt ist.

    Genauso beim Fußball: auch wenn nicht willentlich oder wissentlich, ist es klar, welche Seite diejenigen, die mit…spinnen, unterstützen. Wem das nicht klar ist, der ist entweder blind oder stellt sich blind.

    Wieso, wieso, wieso wollen alle mit aller Gewalt ihre Meinung in die Köpfe derer hämmern, die anderer Meinung sind? Kann man nicht einfach akzeptieren, dass es verschiedene Menschen gibt, und das unabhängig von beliebig gewählten geographischen Grenzlinien?

    Man will irgendwas dagegen tun, aber eigentlich weiß man, dass man sich dann auf ihre Stufe stellen würde. Oder was meinst du?

  3. 3 kleinegoettin 29. Juni 2010 um 17:04 Uhr

    Das mein ich. Wenn ich jetzt einfach bei jedem Deutschlandspiel für die Mannschaft wäre, mit der die deutsche Nationalmannschaft spielt (btw: ich find „die spielen miteinander“ echt besser als „die spielen gegeneinander“), dann wäre ich zwar DAGEGEN und würde mit meiner Einstellung provozieren aber im Grunde wäre ich wieder für eine Nation.
    Jetzt bin ich für niemanden. Mir ist die WM als solche egal. Das Generve nervt mich. Und nur deswegen bin ich „gegen“ die deutsche Nationalmannschaft: Weil ich hoffe, dass dann immerhin der Lärm um mich rum leiser wird und ein paar Fähnchen verschwinden. (Ohja, in diesem Punkt bin ich einfach mal fett egoistisch!).

    Btw: Ich bin ja immer begeistert, wie wir einer Meinung sind :D

  4. 4 Entdinglichung 29. Juni 2010 um 17:29 Uhr

    grossartiges Bild ;-)

  5. 5 kleinegoettin 29. Juni 2010 um 17:55 Uhr

    Ich danke dir :)

  6. 6 sycoso 29. Juni 2010 um 19:02 Uhr

    cooler Eintrag!

    zum Thema „Nationalstolz“ faellt mir das Lied hier ein:

    http://www.youtube.com/watch?v=jvZ_fuFQcpY

  7. 7 Moritz 29. Juni 2010 um 21:43 Uhr

    Danke! Danke! Gruß Flaggrabbers Boberg

  8. 8 Mau 29. Juni 2010 um 22:25 Uhr

    hm Ich kann deine Einstellung absolut nachvollziehen. Aber ich denke es hat auch einige gewissen positive Seiten, dass die WM immer derart „ausartet“.
    Viele Leute treffen sich zur WM in Gruppen oder zu großen Veranstaltungen um das Spiel mitzuverfolgen und feiern zusammen und freuen sich. Die Leute kommen sich in der WM einfach näher und sind ausgelassener. Es wird nicht immer dieser krampfhafte und krankhafte Abstand gehalten sondern man feiert mit den anderen und hat eine viel kumpelhaftere Beziehung zu den Leuten der Umgebung.
    Das kann sehr schön sein… wenn man darauf wert legt^^

    Aber das Problem übertriebener Nationalstolz ist echt kacke.
    Ich bin absolut kein Patriot und finde es einfach nur erbärmlich wenn man den anderen Mannschaften Siege net gönnen kann. Gerne freuen wenn man („wir“ ;-) ) gewinnen aber ich find es einfach nur dumm wie dadurch teilweise Hass auf andere Nationen entsteht…

    Übrigens ich bin für Ghana :-)

    lg Mau

  9. 9 derula 30. Juni 2010 um 11:19 Uhr

    @Mau: Feiern und sich freuen dürfen die Fußballfans von mir aus ja, aber müssen sie sich denn halb taub tröten, nur damit auch der letzte Mensch, dem Fußball so egal ist wie umfallende Reissäcke in China, erfährt, dass das Team aus Deutschland ein Tor geschossen hat?

    @ocj: Bin ich auch begeistert. Ach ja, ebenfalls Glückwünsch zu diesem wunderschönen Kunstwerk.

  10. 10 Regine 30. Juni 2010 um 12:09 Uhr

    Ich finde ein bisschen Nationalstolz ja auch wirklich nicht schlecht aber mittlerweile hat es in Deutschland die Dimensionen wie in den USA eingenommen, dass jeder eine Flagge am Fenster und am Auto hängen hat. Sogar im Kunstunterricht basteln die Kinder Flaggen.

  11. 11 kleinegoettin 30. Juni 2010 um 13:48 Uhr

    @sycoso @moritz: Mich freut sehr, dass ihr meine Meinung teilt! :)

    @Mau: Ich fände es noch viel schöner, wenn alle Leute offener und freundlicher zu allen Leuten würde. Ganz egal für welches Team die sind. Und so.

    @derula: Auch dir danke ich :D („Bin ich auch begeistert“ – Hääää? Was willst du damit denn sagen? :D )

    @Regine: Ich kenne die Dimensionen des Patriotismus in den USA nicht. Ich war da noch nie. Deswegen kann ich darauf nicht wirklich eingehen, denn ich glaube dass das teilweise ein Vorurteil ist. Aber wie gesagt, ich weiß es nicht und mag auf diesen Aspekt jetzt gar nicht antworten.
    Was ich allerdings sagen kann ist, dass ich auch ein bisschen Nationalstolz wirklich schlecht finde. Wozu willst du dich denn mit Leuten identifizieren, die zufälligerweise im selben Gebiet wohnen wie du?
    Dass Kinder im Kunstunterricht Flaggen basteln, find ich krass. Ich finde es ja schon krass, dass Nationalsymbole überhaupt in der Schule erlaubt sind. Suchen die Kinder sich selber aus, was für eine Flagge sie basteln?

  12. 12 Thomas 30. Juni 2010 um 14:11 Uhr

    Ich glaube das kommt Dir alles nur so schrecklich vor weil die deutschen Fußballfans nicht gerade feinsinnig, rhythmisch, lustig oder einfach friedlich sind.
    Gestern bei Spanien – Portugal haben die spanischen Fans hübsch klingende Lieder gesungen worauf die Portugiesen zu fünft dagegen hielten und danach sind beide Fanlager zusammen ein Bier trinken gegangen.
    Deutsche Fans sind dagegen meist angetrunken, laut und bekommen bestenfalls die Gröhl-Version von Seven Nation Army hin.

    Das mit der Nationalsymbolik ist Geschmackssache. Die einen mögen es, die anderen nicht. Vielleicht ist es auch für viele einfach die Möglichkeit Gemeinschaft (light) zu erleben und gehen deswegen so kompromisslos vor.

  13. 13 kleinegoettin 30. Juni 2010 um 15:26 Uhr

    Naja. Es haben auch nicht „alle“ spanische Nationalmannschaft-Fans hübsche Lieder gesungen und bestimmt sind dann nicht „alle“ portgiesische Nationalmannschaft-Fans mit denen ein Bier trinken gegangen. Find ich super, wenn das bei dir so war. Aber hier haben auch einige doof rumgegröhlt. (Das war schon das gestern, oder?).

    Außerdem meine ich ja, dass man eben nicht in Nationen denken sollte. Es gibt bestimmt einige coole deutsche Nationalmannschaft-Fans. So wie es eben auch einige coole spanische- oder portugiesische Nationalmannschaft-Fans gibt, eben.

    Natürlich muss ich dir schon zu einem gewissen Teil zustimmen: Viele der Leute um mich herum, die sich die WM geben, sind tatsächlich ziemlich stressig und nicht wirklich friedlich. Und tatsächlich ist ein Großteil von denen Fan von der deutschen Nationalmannschaft, bzw. Fan von Deutschland. Aber ehrlich: Mich stört jede_r Einzelne, der/die die Fußball Weltmeisterschaft nutzt um den/ die Patriot_in in sich auszuleben. Mich stört jede_r einzelne Patriot_in, im Grunde nicht nur bei der WM.
    Und wenn es dann so ist, wie du erzählt hast, dass sich Leute im Grunde gut verstehn und sich nur aus Spaß‘“foppen“, dann ist das klasse und ein Beispiel dafür, wie alle es meiner Meinung nach halten sollten :)

  14. 14 derula 01. Juli 2010 um 19:24 Uhr
  15. 15 Tim 07. Juli 2010 um 17:25 Uhr

    Man kann auch alles schlecht reden. Lass die Leute doch feiern! Und der Frauen-Fußball bekommt immer mehr Beachtung, nur gibt es dort eben nicht diesen Hype drum. Warum denn auch? Ich kenn wenige Frauen die Fußball spielen, weil es ihnen einfach keinen Spaß macht. Warum dann anschauen? Lass die Leute doch ihren Spaß haben! Ist doch nur einen Monat, und nur alle vier Jahre! Und Nationalstolz bemängeln? Naja… dann sag das mal den anderen Ländern, ich finde Deutschland ist da nichts dagegen. Und warum schämen auf sein Land stolz zu sein? Auch wenn es nur Fussball ist. Du sagst ja richtig, warum auf etwas stolz sein das man nicht gemacht hat? Warum denn nicht darauf stolz sein Deutscher zu sein? Man man… man kann auch immer was zum meckern finden…

  16. 16 kleinegoettin 07. Juli 2010 um 17:33 Uhr

    Wie gesagt, das ist alles meine subjektive Meinung. Natürlich dürfen die Leute feiern. Mir gefällt der nationalistische Beigeschmack halt nicht. Und ICH muss doch überall diese Fähnchen sehn und diese Vuvuzelas hören? Da find ich, darf ich schon mal meckern.

    Ich bemängel auch den Nationalstolz der anderen Länder. Nicht nur den der Deutschen. Nur, ich wohne in Deutschland, deswegen ist der Nationalstolz der Deutschen für mich unmittelbar und störend.

    Gut, du kennst Frauen die nicht gerne Fußball spielen. Aber die Frauen, die in der Nationalmannschaft spielen, die haben ja offensichtlich Spaß daran? Warum dann nicht anschauen? o.O
    (Oder eben so: Ich kenne viele Männer, die nicht gerne Fußball spielen. Deswegen spielen die Männer der Nationalmannschaft nicht weniger gerne?)

  17. 17 subtext 07. Juli 2010 um 19:35 Uhr

    Das Bild oben gefällt mir :)

    Zu deinem Text: Es stimmt schon, dass die Identifikation mit der Nation irrational ist. Und ich würde auch denken, dass der Einschluss in die Nation als eine Abgrenzung gegen die anderen gleichzeitig bedingt und voraussetzt. Das scheint mir aber doch ein bisschen mehr als eine blöde Idee zu sein. Es gibt vielmehr reale Erfahrungen, auf denen der Nationalismus aufbauen kann. Denn innerhalb des Herrschaftsgebietes eines Nationalstaates findet tatsächlich bis zu einem gewissen Grad eine kulturelle und sprachliche Homogenisierung statt – u.a. daher die Erfahrung von Gemeinsamkeiten. Und selbst für die gesellschaftliche Mehrheit, die für den Reichtum einer Minderheit buckeln muss, macht der Erfolg „ihrer“ Nation in Konkurrenz mit den anderen zuweilen einen Unterschied bezüglich ihres individuellen Wohlstands – daher die Identifikation mit nationalen Interessen. Das Entscheidende dabei ist dann aber, dass es sich dabei nur um einen momentanen und einen graduellen Unterschied handeln kann, dass die Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse davon unabhängig sind und somit das Elend mit dem nationalen Erfolg nur ein wenig abgeschwächt werden kann – zu Ungunsten der Insass*innen anderer nationaler Herrschaftsgebiete. Die Grenzen verlaufen also nicht nur zwischen oben und unten, aber die sind die entscheidenden.
    Da müsste meiner Ansicht nach eine weitere Frage anschließen: Wem nützt das Ganze und was ist die Funktion des Nationalismus? Und die würde ich schon damit zu erklären versuchen, dass damit eine gesellschaftliche Breite auf die Interessen des nationalen Kapitals eingeschworen wird, dessen Interessen der Nationalstaat gegenüber der Konkurrenz auf dem Weltmarkt durchzusetzen versucht. So werden die Klassengegensätze verdeckt von der internationalen Konkurrenz. Und das nützt v.a. den Unternehmer*innen, deren Arbeiter*innen diszipliniert sind und die sich auf die Rückendeckung durch den Staat verlassen können, weil der durch breitere Zustimmung auf stabileren Füßen steht.

    So mal als Skizze. Kritik sehr erwünscht.

  18. 18 kleinegoettin 08. Juli 2010 um 19:36 Uhr

    @subtext: Ich bin nicht sicher ob ich deine Gedanken wirklich versteh.

    Du glaubst, dass die Einwohner_innen eines Nationalstaates, die sich mit diesem identifizieren, das in der Illusion tun, durch den Erfolg „ihrer“ Nation auf dem internationalen Markt, als Individuen bzw. als „Teil dieses Staates“ einen größeren Wohlstand bzw. eine geringere Armut erreichen können?
    Da aber „die Armen“ immer „die Armen“ bleiben werden, gleichgültig, ob es ihnen im internationalen Vergleich relativ „gut“ oder relativ „schlecht“ geht, und da diese Relationen sowieso nur temporär sind, schließt du, dass die Identifikation der Einwohner_innen mit dem Nationalstaat primär im Interesse der Unternehmer_innen ist? Und dass der Hintergrund/ Ursprung von Nationalismus also individuelle wirtschaftliche Interessen sind?

    Ich hoff, ich hab das so richtig verstanden.

    Aber auch wenn so vielleicht erklärt werden kann, warum die Leute nationalistisch denken, so rechtfertigt das den Nationalismus ja nicht.
    Der Wettbewerb mit- und die Abgrenzung von Anderen, deren Anderssein nur im Geburts- bzw. Wohnort besteht und die dadurch zwingend folgende Benachteiligung von der einen oder der anderen Gruppe ist meiner Meinung nach falsch. Ich finde nicht, dass irgendwer aus egal welchem Grund eine Benachteiligung erfahren sollte. Gesetzt dem Fall, dass Nationalismus tatsächlich der Hoffnung auf ein größeres individuelles Wohlhaben entspringt, so wäre die Vorraussetzung dafür allerdings auch eine Art von Benachteiligung. Um eine Lösung für dieses Problem zu finden müsste, glaube ich, das Konstrukt „Staat“ neu diskutiert werden.

  19. 19 subtext 10. Juli 2010 um 1:11 Uhr

    Ich wuerde nicht unbedingt sagen, dass sich Nationalismus nur auf vermeintliche oder reale oekonomische Interessen zurueckfuehren laesst. Mir geht es nur darum, dass Ideologien (auch) materielle Gruende haben und nicht einfach beliebige Ansammlungen von fixen Ideen sind. Das ist nun alles andere als eine Rechtfertigung. Im Gegenteil geht es mir doch darum, dass sich der Nationalismus alleine durch treffende Argumente nicht wird ueberwinden lassen. Dafuer muesste seine materielle Basis, d.h. der kapitalistische Nationalstaat ueberwunden werden. Der ist wiederum nicht einfach ein „Konstrukt“, oder sonst eine fixe Idee, sondern laesst uns seine reale Macht tagtaeglich spueren.

  20. 20 kleinegoettin 10. Juli 2010 um 13:32 Uhr

    Mh, ja, wie gesagt, ich war nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden hab :)
    Und ja, das Wort „Konstrukt“ hab ich falsch verwendet.

    Aber im Grunde mein ich das Selbe wie du, nehm ich an.

    (Und sonst fällt mir momentan nichts ein, was ich noch schreiben könnte. – Die Hitze!)

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