Auf welches Klo denn jetzt?


Bild von Erika Moen (via mädchenblog)

Zum Theme „Gender“ zu schreiben, ist eher ein bisschen schwierig: Das Meiste und Wichtigste wurde schon gesagt und Leute die sich an einem gesunden Menschenverstand erfreuen können, die haben da eh alle eine ähnliche Meinung, mutmaße ich einfach mal. Klar gibt es Pseudoemanzen die jegliche Form von Sexualität frauenverachtend finden; stockschwule Männer die Frauen nicht leiden können; stocklesbische Frauen die Männer nicht leiden können; irgendwelche Menschen die Menschen mit einem anderen biologischen Geschlecht für alles Übel auf der Welt verantwortlich machen oder aber solche überemanzipierten Leute, die allen ‚Randgruppen‘ bessere Chancen geben wollen und dafür die Leute, die keiner Randgruppe angehören benachteiligen. Ich finde das alles doof. Und ich denke, dass die meisten Leute die sich nur ein wenig mit dem Thema auseinandergesetzt haben mir da zustimmen.

„Alle Menschen auf der Welt sind gleich“ stimmt nicht. Absolut und überhaupt gar nicht. Zum Glück. Aber „alle Menschen müssen den gleichen Respekt, die gleiche Achtung und die gleiche Anerkennung erhalten“ stimmt absolut. Denn DU könntest jede/r sein. DU könntest jeder sogenannten Randgruppe angehören: dass du als Frau, Mann, Transgender, Hermaphrodit, hetero-, homo-, bi- oder asexueller oder sonstwie (nicht-)queerer Mensch geboren wurdest ist Zufall. Jeder andere Zufall wäre möglich (und das lässt sich übrigens nicht nur auf die Sexualität sondern auch auf Herkunft, Religion, Handicap oder nicht, arm oder reich und auf alle weiteren Menschen‘gruppen‘ übertragen). Und dieser kurze Abschnitt ist übrigens schon die Essenz meiner gesamten politischen Meinung.

Deswegen jedenfalls finde ich jegliche Benachteiligung oder Bevorzugung von irgendwem absolut daneben. Und das ist schon viel Text, allerdings bis jetzt nur die Einleitung zu dem, was ich eigentlich schreiben möchte. Es gibt nämlich verschiedene Dinge, über die ich trotz ziemlich klarer Ansichten schon seit einiger Zeit grübele. Über zwei dieser Themenbereiche möchte ich hier in nächster Zeit schreiben. Den ersten behandele ich heute.

Vor längerem hab ich im Mädchenblog einen klitzekleinen Beitrag über Unisextoiletten gesehen. Seit dem will mir dieses Thema einfach nicht mehr aus dem Kopf. Finde ich Unisextoiletten gut oder nicht?

Generell ja. Unisextoiletten sind aus vielen Gründen viel besser als geschlechtergetrennte Klos. Die meisten dieser Gründe sind auf unisextoiletten.de gut aufgeführt. Meine Wichtigsten sind: Niemand hätte Probleme mit dem auf’s-Klo-gehn. Für Leute, deren biologisches und gefühltes Geschlecht nicht übereinstimmt oder die kein eindeutiges Geschlecht haben, wär das wahrscheinlich besser. Außerdem sind Wickeltische eigentlich immer in den Frauenklos. Das ist natürlich doof für Väter, die ihre Kinder wickeln wollen. Die Toiletten für Leute mit Handicap sind meistens schon Unisex oder in den Frauenklos integriert. Warum gibt es hier die übliche Geschlechtertrennung nicht? Avantgarde oder einfach Bequemlichkeit bzw. Platzmangel um getrennte Behindertentoiletten zu bauen?
Gäbe es Unisextoiletten für alle Menschen, dann wäre auch der Platzmangel kein Problem mehr: Alle Klos würden einfach so gebaut, dass sie auch barrierefrei sind – voilá: Mehr Platz für andere Sachen und weniger Diskriminierung von allen. Juhu.

So gesehen ist die Sache ganz einfach: Unisextoiletten sind klasse! Was dann aber dafür gesorgt hat, dass ich noch immer über dieses Thema nachdenke, waren ein paar Beiträge die ich dann mal irgendwo in irgendeinem Forum las: Einige Leute, vorallem Frauen die negative bis schreckliche Erfahrungen mit Männern gemacht haben, hatten die Sorge dass der „Rückzugsort“ Frauenklo entfällt, sobald es Toiletten für alle gibt. Auf unisextoiletten.de wird dieses Argument dadurch entkräftet, dass potentielle Spanner oder Vergewaltiger sich wohl nicht von einer Türe abschrecken liesen, auf der eine weibliche Person abgebildet ist. Trotzdem kann ich diese Sorge verstehen. Es gibt eben Leute die Männerklos brauchen oder Frauendiscos. Und solchen Leuten einfach den geschlechtergetrennten Raum wegzunehmen, in dem sie sich vielleicht sicher fühlen ist bestimmt auch nicht der Sinn der Übung.

Deswegen hoffe ich, dass der Vorschlag, der an der HU-Berlin abgelehnt wurde irgendwo anders Anklang findet: Eine Probephase in der Unisextoiletten zusätzlich zu den konventionellen Klos angeboten werden. Denn damit kann vielleicht herausgefunden werden, wie wichtig Männer- und Frauenklos heute noch sind.