Archiv für Mai 2010

130 DB!

Ehrlich, es gibt Tage an denen ist laute Musik wirklich das einzige was noch hilft. Das hab ich jetzt schon auf twitter geschrieben (ich hab nämlich ein twitter-Profil, das wusstet ihr alle noch gar nicht, ha!) und auf facebook. Und der Vollständigkeit halber steht es hier jetzt auch. Ich bin heute beinahe so misanthrop wie ein Misanthrop (gute Vergleiche ftw!). Also eigentlich stimmt das nicht so aber: Fertig mit der Welt, das bin ich.

Und das war der einleitende überflüssige Absatz zu einem Blogeintrag. Zu diesem hier.
Eigentlich wollte ich wegen Kommentaren rumweinen, aber jetzt hab ich dazu eigentlich gar keine Lust. Deswegen hört dieser Blogeintrag direkt nach dem einleitenden überflüssigen Absatz auf.

Auf welches Klo denn jetzt?


Bild von Erika Moen (via mädchenblog)

Zum Theme „Gender“ zu schreiben, ist eher ein bisschen schwierig: Das Meiste und Wichtigste wurde schon gesagt und Leute die sich an einem gesunden Menschenverstand erfreuen können, die haben da eh alle eine ähnliche Meinung, mutmaße ich einfach mal. Klar gibt es Pseudoemanzen die jegliche Form von Sexualität frauenverachtend finden; stockschwule Männer die Frauen nicht leiden können; stocklesbische Frauen die Männer nicht leiden können; irgendwelche Menschen die Menschen mit einem anderen biologischen Geschlecht für alles Übel auf der Welt verantwortlich machen oder aber solche überemanzipierten Leute, die allen ‚Randgruppen‘ bessere Chancen geben wollen und dafür die Leute, die keiner Randgruppe angehören benachteiligen. Ich finde das alles doof. Und ich denke, dass die meisten Leute die sich nur ein wenig mit dem Thema auseinandergesetzt haben mir da zustimmen.

„Alle Menschen auf der Welt sind gleich“ stimmt nicht. Absolut und überhaupt gar nicht. Zum Glück. Aber „alle Menschen müssen den gleichen Respekt, die gleiche Achtung und die gleiche Anerkennung erhalten“ stimmt absolut. Denn DU könntest jede/r sein. DU könntest jeder sogenannten Randgruppe angehören: dass du als Frau, Mann, Transgender, Hermaphrodit, hetero-, homo-, bi- oder asexueller oder sonstwie (nicht-)queerer Mensch geboren wurdest ist Zufall. Jeder andere Zufall wäre möglich (und das lässt sich übrigens nicht nur auf die Sexualität sondern auch auf Herkunft, Religion, Handicap oder nicht, arm oder reich und auf alle weiteren Menschen‘gruppen‘ übertragen). Und dieser kurze Abschnitt ist übrigens schon die Essenz meiner gesamten politischen Meinung.

Deswegen jedenfalls finde ich jegliche Benachteiligung oder Bevorzugung von irgendwem absolut daneben. Und das ist schon viel Text, allerdings bis jetzt nur die Einleitung zu dem, was ich eigentlich schreiben möchte. Es gibt nämlich verschiedene Dinge, über die ich trotz ziemlich klarer Ansichten schon seit einiger Zeit grübele. Über zwei dieser Themenbereiche möchte ich hier in nächster Zeit schreiben. Den ersten behandele ich heute.

Vor längerem hab ich im Mädchenblog einen klitzekleinen Beitrag über Unisextoiletten gesehen. Seit dem will mir dieses Thema einfach nicht mehr aus dem Kopf. Finde ich Unisextoiletten gut oder nicht?

Generell ja. Unisextoiletten sind aus vielen Gründen viel besser als geschlechtergetrennte Klos. Die meisten dieser Gründe sind auf unisextoiletten.de gut aufgeführt. Meine Wichtigsten sind: Niemand hätte Probleme mit dem auf’s-Klo-gehn. Für Leute, deren biologisches und gefühltes Geschlecht nicht übereinstimmt oder die kein eindeutiges Geschlecht haben, wär das wahrscheinlich besser. Außerdem sind Wickeltische eigentlich immer in den Frauenklos. Das ist natürlich doof für Väter, die ihre Kinder wickeln wollen. Die Toiletten für Leute mit Handicap sind meistens schon Unisex oder in den Frauenklos integriert. Warum gibt es hier die übliche Geschlechtertrennung nicht? Avantgarde oder einfach Bequemlichkeit bzw. Platzmangel um getrennte Behindertentoiletten zu bauen?
Gäbe es Unisextoiletten für alle Menschen, dann wäre auch der Platzmangel kein Problem mehr: Alle Klos würden einfach so gebaut, dass sie auch barrierefrei sind – voilá: Mehr Platz für andere Sachen und weniger Diskriminierung von allen. Juhu.

So gesehen ist die Sache ganz einfach: Unisextoiletten sind klasse! Was dann aber dafür gesorgt hat, dass ich noch immer über dieses Thema nachdenke, waren ein paar Beiträge die ich dann mal irgendwo in irgendeinem Forum las: Einige Leute, vorallem Frauen die negative bis schreckliche Erfahrungen mit Männern gemacht haben, hatten die Sorge dass der „Rückzugsort“ Frauenklo entfällt, sobald es Toiletten für alle gibt. Auf unisextoiletten.de wird dieses Argument dadurch entkräftet, dass potentielle Spanner oder Vergewaltiger sich wohl nicht von einer Türe abschrecken liesen, auf der eine weibliche Person abgebildet ist. Trotzdem kann ich diese Sorge verstehen. Es gibt eben Leute die Männerklos brauchen oder Frauendiscos. Und solchen Leuten einfach den geschlechtergetrennten Raum wegzunehmen, in dem sie sich vielleicht sicher fühlen ist bestimmt auch nicht der Sinn der Übung.

Deswegen hoffe ich, dass der Vorschlag, der an der HU-Berlin abgelehnt wurde irgendwo anders Anklang findet: Eine Probephase in der Unisextoiletten zusätzlich zu den konventionellen Klos angeboten werden. Denn damit kann vielleicht herausgefunden werden, wie wichtig Männer- und Frauenklos heute noch sind.

Alors on danse.

Gerne wäre ich ein Jemand. Ein Jemand in dieser Welt. Nicht ein Jemand in der Gesellschaft und auch nicht aufsteigende Elite. Stattdessen: Mich behaupten können und Worte finden für das Unaussprechliche. Worte für alles was in meinem Kopf ist. Stattdessen finde ich immer wieder nur das Stattdessen. Wie es mich zerfrisst; das „Stattdessen“. Wie ausgehöhlt ich mich fühle, wie leer. Eigentlich müsste ich rot anlaufen vor Scham, wenn ich mich beim leben beobachte. Stattdessen – oh, verfluchtes Stattdessen! – hat die Scham mich, wenn ich meine Wahrheit spreche. Für diese Zeilen schäme ich mich, denn sie gehören zu mir. Zu keinem gestellten Mir; nicht zu dem Mir der Öffentlichkeit. Nur zu mir.

Kennst du den Moment vor dem Koitus? Dieser Augenblick, in dem die Lust die Ungewissheit überflutet; alles sich noch mehr entzweit bevor es eins wird, bevor die Sinne siegen. Ich bin dieser Moment, für immer. Fiebernd vor Erwartung harre ich aus, doch ich kann weder zurück noch nach vorne.

In meinem Kopf bin ich, das ist Eins. Nach außen spiele ich, das ist das Andere. Und schreckliche, furchtbare Angst habe ich davor, dass ich nie Worte finden werde. Oder ich finde sie – und ich verheimliche sie vor der Welt. Vor meiner Welt. Wenn ich so darüber nachdenke, werde ich so müde. All das habe ich schon tausendmal gesagt, habe schon tausendmal gesagt, dass ich es gesagt habe und drehe mich nur weiter im Kreis. Die Angst vor dem Versagen ist es, die mich versagen lässt. ( & auch das sagte ich schon, habe ich im Gefühl).

Nightfall.

Wir liegen alle in der Gosse und voller Sterne ist die Welt.

Früchte des Zorns – Brennen

Und ich denk: Du lebst nur einmal. Deswegen auch schwuler Sex, Drogen, sich kaputtfeiern. Deswegen auch jedes Verbot kippen. Alles dem Erleben unterordnen. Am Ende bezahlt dich keiner fürs Gehorchen. Und: Eine Sache zu erleben oder eine Sache zu verpassen – wenn du es nur bewusst genug tust, ist es dasselbe Gefühl in derselben Intensität, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Wenn du etwas nicht erreichen kannst, sollst du umso konsequenter scheitern.

aus: Airen – I AM AIREN MAN; Blumenbar Verlag, ISBN 978 -3-936738-85-8

Ein <3 für Blogs, yoo!


(von uarrr.org – das durfte man klauen!)

Heute ist also nicht nur Towel Day, sondern auch die „Ein Herz für Blogs„-Aktion findet heute statt. Ich habe mich entschlossen, ein paar Blogs anzupreißen, die ihr nicht unter meinen Lieblingsblogs findet. Sonst wäre das Ganze ja witzlos, nicht?

Drei Stück hab ich für euch, das erste ist lowclasssociety: Die Beschreibung heißt „fuck the what“ und lautet so: „Ein weiterer überflüssiger Blog, über die unbedeutenden Nichtigkeiten, die das Leben so bunt machen.
Low Class Society Kids, der Rest ist eh egal.“ Ich hab das durch die absoluten Zufälle und Zusammenhänge gefunden und eigentlich mag ich es irgendwie. Da sind immer so schöne Fotos drin und auch einige gute Lieder. Und außerdem sind die Filme die Käthe Kool empfiehlt echt nicht scheiße.

Das Zweite ist wahrscheinlich ziemlich bekannt und im Grunde genommen hab ich auch keine Ahnung, warum es noch nicht in meinen Lieblingsblogs steht, denn ein Fremdwörterbuch ist wirklich ein klasse Blog! Kübra schreibt laut ihrer Beschreibung „über politik, gesellschaft, islam und medien. außerdem über london, uni, filme, kunst, musik und kultur.“. Sie wohnt derzeit in London und schreibt auf Deutsch, manchmal auf Englisch. Ansonsten veröffentlicht sie jeden zweiten Mittwoch in der taz eine Kolummne die „Das Tuch“ heißt und über Kopftücher, den Islam und Frauen und all das geht. Super Sach!

Und auch das Dritte ist wahrscheinlich relativ bekannt und noch dazu so eine typische tumblr-Seite. Aber ich find der parti ihr Blog einfach echt schön. Ich weiß nicht, ob das überhaupt als deutschsprachiges Blog gezählt werden darf, aber das macht nichts. Zur Not verlink ich es einfach so an dieser Stelle :D Denn es gibt wenige Seiten von denen ich nahezu alles in meinenwe heart it„-Account hauen könnte! Diese Seite gehört dazu.

Ansonsten müsst ihr euch natürlich eh die üblichen Verdächtigen reinziehn: lokalmagazin, unserhuhn, politically incorrect (eine seite die ungefähr 32758297592 mal besser als die blöde, islamophobe bekanntere PI-seite ist!), uarrr, timo, grinsekatze, fireballsweblog, hurra, mädchenblog, bildblog, rocketoire, fabiandaily und das wüste welle buko-blog kann ich euch nur wärmstens empfehlen! Auch wenn das eine verwirrende Mischung aus unglaublich bekannten und total unbekannten Blogs ist und alles dazwischen auch noch irgendwie vorkommt.
Außerdem möchte ich an dieser Stelle noch loswerden, dass ich inständig hoffe, dass die mondin mal wieder mehr bloggt! :)

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Porajmos.

[wer zusammenhänge mag, hört hier auf zu lesen.]

Ich möchte einfach ausbrechen können. Schleierenten und Schleiereulen sitzen am Straßenrand; sie klatschen Applaus. Die Vorstellung war auch großartig, wie konnten Sie das nur verpassen? Doch gegen Ende des Abends zählt nur, wer miterlebt hat. Mitgefühl, glaub ich kaum. Aber wer kümmert sich noch darum? Vorallem möchte ich ein Leben leben. Zählt wirklich die reale Länge in Relation zur möglichen Menge? Eure Gedankengänge widern mich an.

Ich bin zu müde um mich an meine Gedanken zu erinnern. Ich wollte von Repression sprechen und von Gewalt. Stattdessen spreche ich immer nur davon, wovon ich nicht spreche. Immer und immer wieder. Eine Schleiereule legt ihren Kopf zur Seite, sie scheint nachzudenken. Hat das Drama seinen Höhepunkt erreicht? Gegen das Lachen können wir alle nichts tun. Gehört es zur Handlung? Müssen wir unsere Scham offenbaren; Röte im Gesicht für die Unfähigkeit der Anderen?

Arroganz vernichtet. Schon für diese zwei Worte muss ich arrogant sein, schon für diese zwei Worte gehöre ich gesteinigt. Aber die Müdigkeit lässt alles rechtferttigen.
Eine Rechnung: 100 * 365 + 100/4 * 2 sind die Stunden die ich weniger schlafe als es sich gehört. Etwa. Und 25 Jahre kürzer leben? Ich glaube nicht daran. Was ich schreibe ist nicht zu begreifen, nicht fassbar. Es ist nicht einmal Poesie. Missbillgend schütteln die Schleierenten ihre Schnäbel: „Wir sind Fiktion, aber du glaubst an uns. Zu naiv, zu naiv bist du, es ist nicht zu fassen!“

Insomnia sollte mein Lieblingswort sein. Insomnia und insanity. „Sie lassen sich aber leicht aus dem Konzept bringen…“ „Wie…? Wie meinen Sie das? Was… habe ich etwas falsch gemacht?“ Der Vollmond brummt sein einsames Lied und der frische Tau der Pflanzen klebt auf meinen Wangen. Ein weiterer Versuch, zu schlafen.

Weil Blogs auch Liebe brauchen…

…mach ich bei „Ein Herz für Blogs“ mit. Blabla. „Ein Herz für Blogs“ ist eine Aktion, bei der am 25. Mai (Towel-Day!) alle möglichen Leute die da irgendwie mitmachen auf ihren Blogs andere Blogs verlinken und empfehlen. Das ist sicher toll. Vielleicht auch nicht. Wir werden sehen ;) Ich hab ja eh eigentlich eine Blogroll, die sogar „Lieblingsblogs“ heißt und manchmal sogar auf dem neusten Stand ist. Aber das macht nix, denn was einem lieb und teuer ist, kann man auch noch euphorisch loben.

Und damit bin ich auch schon am Ende dieses Eintrags. Ist das nicht schön? :)

lake constance.

Tags Leben; Krieg des Nachts.

Irre Schatten, lauft nur zu eurer Süchte Ziel;
Niemals gelingt es, eure wütende Gier zu stillen.


Charles B.

Einmal mehr ist mein Fernweh zu groß, als dass mich mein Leben hier nicht furchtbar langweilen würde.Ich stelle mir die Welt als einen spannenden Ort vor, doch Konventionen und Verpflichtungen halten mich davon ab, ihn zu erkunden. Ich werde nie intelligent genug sein, um das Gefühl zu haben, etwas zu wissen. Ich weiß, dass ich nichts weiß. Und je mehr ich lerne, desto machtloser lässt mich die Unwissenheit werden.

Als Kind fragte ich einmal: „Wem gehöre ich“.
Die Antwort die ich darauf erhielt, war die größte Lüge die mir jemals aufgetischt wurde: „Du gehörst nur dir selbst.“

Vielleicht braucht es diesen Sommer nur eine Handbewegung um dich zu verscheuchen. Wahrscheinlich bist du längst schon fort. Auch ich will weg, nicht dir folgen dieses Jahr, sondern leben. Ein pathetischer Ausdruck, eigentlich, und viel zu unpräzise für das, was ich will. Nicht auf der Stelle stehen bleiben. Den gesunden Menschenverstand hinter mir lassen. Aber das ist ja vermessen. Eigentlich würde ich nur gerne Worte finden.

Heute Nacht habe ich von Bleizucker geträumt. Da war eine Weltmacht, die sich selbst zugrunde richtete; impotent zelebrierten sie wütend ihr Ende.

Die Funktion der Fiktion oder: Offen lügen, um die Wahrheit aus dem Versteck zu locken.

„Am Morgen des 23. März 1977 teilte das Kollektiv von Radio Evelyn in Terni seinen HörerInnen folgendes mit: Unter Berücksichtigung des von Minister Cossiga eingeleiteten Normalisierungs- und Demokratisierungsprozesses und um nicht der geplanten Schließung aller ’subversiven‘Radios zum Opfer zu fallen, ist die Auflösung von Radio Evelyn beschlossen worden. Statt dessen wird Radio tropicale ins Leben gerufen, ‚das Radio das nicht zum Denken bringt, das nicht weh tut‘.
Das Tagesprogramm begann dann mit der üblichen Presseschau, nur waren die Ausschnitte aus dem ‚Corriero dello sport‘, ‚Stadio‘, aus ‚Bolero film‘ und so fort. Die Musik wurde aus der Hitparade der RAI übernommen. Für Frauen kam eine Sendung über sparsame Haushaltsführung, für Arbeiter gab es angesichts der angespannten Wirtschaftslage eine Heimwerker-Sendung.
Zuerst dachten die HörerInnen an einen Scherz. Aber das Radiokollektiv zog das neue Programm entschlossen und stimmig durch. An diesem Punkt brach eine Welle von Telefonanrufen über das Radio herein. In den unterschiedlichsten Tönen wurden Cossiga und die Regierung angegriffen und gegen den Beschluß des Kollektivs protestiert, das als ‚Haufen von Hofnarren und Faschisten‘ beschimpft wurde.
Um die Provokation auf die Spitze zu treiben, beschloß die Radiogruppe daraufhin, die direkte Telefonleitung über den Sender zu sperren, denn die Verantwortung für die Anrufe, ‚die zur Erhebung und Gewalt aufrufen‘, fiele auf Radio tropicale zurück, das dann gegen seinen Willen geschlossen werden könne. Im Laufe der nächsten halben Stunde kamen an die dreißig HörerInnen zum Radio und wollten sich mit dem Kollektiv direkt auseinandersetzen. Daraufhin schlug die Radiogruppe allen HörerInnen für den nächsten Tag eine Bürgerversammlung in einem Kino in Terni vor – die übrigens gut besucht war.“

aus: „Was Sie schon immer über Freie Radios wissen wollten, aber nie zu fragen wagten!“ Busch, Christoph/Freundeskreis Freie Radios Münster (Hrsg.) (1981); (P. Huttner, S. 48)