Candy says: „I‘ve come to hate my body“.

Louise machte Konversation. Das konnte sie natürlich gut. Entweder sie unterhielt sich und langweilte sich dabei heimlich furchtbar oder sie unterhielt sich nicht. In diesem Fall kam es oft vor, dass sie die Zunge von irgendwem in ihrem Rachen wiederfand und ihre Arme um einen fremden Hals geschlungen. Hin und wieder musste sie dann Aufklärungsarbeit leisten: Auf ein „Ich liebe dich“ antwortete sie viel zu oft „Aber du kennst mich doch gar nicht!“. Im Grunde genommen hasste sie das, aber das änderte ja nichts.

Die Welt überkam Louise. Sie konnte nichts dagegen tun, sie konnte die Welt nicht aufhalten. Sie konnte nur hoffen, dass die Unterhaltung bald vorbei, die andere Zunge bald aus ihrem Mund verschwunden war. Sie wartete ab, dass die Nacht vorrüber ging. Ausharren nannte sie das. Weshalb sie ausharrte und nicht einfach nach Hause ging, das konnte sie niemandem erklären. Zu naiv waren ihre Gründe, zu lächerlich war das, was sie hoffte. Denn eigentlich ging es ihr um sowas wie diese Liebes-Sache: Immer noch träumte sie davon, in den Armen einer vernünftigen Person aufzuwachen, die nicht etwa sagte: „Meine Güte, du bist ja immer noch da!“, sondern eher sowas wie „Komm, ich mach uns Frühstück!“.

Louise war im Kopf ein vernünftiger Mensch; sie war sich bewusst, dass solche Fantasien nicht ihre Realität werden würden. Aber die Welt überkam Louise. Es war nicht an ihr, sich gegen ihre Naivität aufzubäumen. Nacht für Nacht harrte sie aus, wurde Kumpel oder Körper und versuchte sich zu erinnern, wer sie eigentlich werden wollte.

Louise machte Konversation. Plauderte noch im Delirium munter weiter und erklärte natürlich jedem der es wissen wollte, dass sie nicht an die Liebe glaubte. Nein, kein Problem, nicht dass wir uns falsch verstehn! Nur, um sich wieder jemandem um den Hals werfen zu können. Heimlich langweilte sie das und heimlich überkam sie hin und wieder ein starker Brechreiz. Aber Louise hatte keinen Navigator, der ihr sagte: „Hier geht’s zum schönen Leben!“. Louise musste selbst nach dem schönen Leben suchen und dazu fehlte ihr die Motivation. Sie dachte sich lieber, dass alles gut sei wie es war. Dass die Unterhaltungen und die Zungen in ihrem Rachen nur zu einem Lifestyle gehörten, den sie sowieso leben wollte. Louise glaubte sich auch manchmal und freute sich dann.

Louise war eine riesengroße Lügnerin.