I love you in the morning.

Busfahrer zu sein, ist bestimmt ein bisschen so wie seine Unschuld zu verlieren.

Eilig und naiv rennen die gehetzten Büromenschen über den Busbahnhof; laut und die-offene-Wodkaflasche-unter-dem-Mantel-versteckend nehmen sich Jugendliche nachts selbstverständlich das Recht in den Bus einzusteigen. Denn in der Regel sind diese Orte nur Nebenschauplätze. Kaum ein Beobachter verharrt hier lange, kaum eine Tragödie spielt sich hier ab. Nur ein weiterer Durchgang auf der Reise in die Nacht; auf dem Weg ins Einkaufszentrum; nur ein Mittel zum Zweck.

Armeen von Rauchern, Flaschensammlern; Lesenden und Shoppenden versammeln sich hier. Es ist ihr Ort. Es ist mein Ort. Auch du kannst hier sein. Es ist dein Ort. Es ist ein guter Ort, denn das wirkliche Leben ist für uns alle anderswo. Haben sich die zwei besten Freundinnen hier gestritten? Ist der alte Fahrradfahrer kürzlich hier umgerempelt worden? Es ging nicht um den Ort. Trotz allem wird dieser Ort spätestens morgen wieder unbefleckt sein. Mit einem Schmunzeln werden wir ihn betrachten; wenn wir uns entfernen, dann vergessen wir ihn.

Höchstens als Metapher für einen Moment hat er in unseren Köpfen Platz. Höchstens ein Bild für einen Zeitraum, ein Gefühl, eine Erinnerung. Nie ist da mehr, bis wir unsere Unschuld verlieren und Busfahrer werden. Denn dann sind wir der Ort.


1 Antwort auf „I love you in the morning.“


  1. 1 derula 15. März 2010 um 23:27 Uhr

    Sehr poetisch :P

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