Re(v)ue?

Auch wenn man Gefühle in Listen einordnet und sie dann analysiert ändern sie sich nicht. Wozu soll man sich also die Mühe machen? Stattdessen sitze ich hier, trinke Kaffee mit Ingwer und viel zu viel Zucker, weil ich der Meinung bin dass das zum Herbst passt und weil ich glaube, trotz allem ist jetzt Herbst geworden.

Vielleicht sollte man das einfach aktzeptieren. Dass Herbst ist. Und dass auch die schönsten Erinnerungen jetzt nicht mehr jetzt sind. Sonst würden sie ja nicht ‚Erinnerungen‘ heißen. Eigentlich hatte ich gedacht, dass der Sommer noch diese eine Woche die noch Ferien sind, abwartet bis er verschwindet. Aber es fühlt sich einfach nicht mehr nach Sommer an. Dabei war gestern ein guter Abend. Und heute und morgen Abend werden wahrscheinlich auch gut. Ich könnte mir einen dieser Abende aussuchen, den ich dann offiziell als das Ende des Sommers nehme. Aber schon als wir in Amsterdam am Meer saßen, hat der Wind kälter geblasen als es im Sommer üblich ist. Schon da, als die große Stadt und die große weite Welt noch zu meinen Füßen lagen hat es sich nach Herbst angefühlt.

Das ist doch ein gutes Zeichen, oder? Nicht nur im Sommer erlebt man Abenteuer; auch im Herbst kann man noch Neues erleben, kann man noch voll aufgeregter Erwartungen sein. Es gibt gar keinen Grund dem Sommer hinterherzutrauern, abgesehen davon dass er nächstes Jahr wiederkommt kann man auch aus der melancholischen Herbststimmung das Beste machen.

Und das muss nicht nur Kaffee mit Ingwer und viel zu viel Zucker trinken sein. Oder dicke Wollsocken anhaben oder lange baden & Tage in der Bücherei verbringen. Das gehört auch dazu, natürlich. Und die passende Herbstmusik. Aber auch andere Abenteuer. Solche, die denen vom Sommer ähneln. Vielleicht nicht mehr ganz so laut sind, denn natürlich, irgendwann muss man auch zur Ruhe kommen und das ganze Jahr tanzend zu verbringen würde mit der Zeit vielleicht auch langweilig. Aber auch ruhigere Abenteuer können gute Abenteuer sein.

[Nur das mit den Gefühlen ist ein bisschen seltsam. Vor einem Jahr war ich verwirrt, weil ich zu wenig gefühlt habe, jetzt bin ich verwirrt, weil ich zu viel fühle. Zu viele Gefühle vom Sommer in den Herbst tragen muss. Und da kommen dann noch neue dazu. Aber Gefühle wiegen ja fast nichts.]