„Hello, is there anybody in there?“

Alles hat seine schlechten Seiten. Auch Amsterdam. Und weil mir erstaunlich viel aufgefallen ist, was es Wert ist gebloggt zu werden kommt also heute der „Es ist unglaublich toll und wunderbar und super hier und im Grunde moechte ich immer hier bleiben aber manches erschreckt mich doch, und das waere, Doppelpunkt“-Blogeintrag. Fangen wir mal mit dem an, was nicht wirklich erschreckend aber doch zumindest amuesierend ist:

Museen
Abgesehen davon, dass hier natuerlich auch das wunderbare Van Gogh-Museum ist und im Moment wohl eine Rembrandt-Ausstellung mit seinem ganzen Werk (oder gibt es hier ein richtiges Rembrandt-Museum? Immerhin ist er hier gestorben aber das weiss ich jetzt gar nicht), gibt es eben auch Museen die ich weniger gerne sehen wuerde, die wohl aber einer DER Touri-Hits schlechthin sind. Die Namen sagen schon alles: Sex-Museum, Folter-Museum, Vodka-Museum. Aeeeehm, ja. Naja :D

Weniger lustig ist allerdings:

The Red Light District
Gut, gluecklicherweise hat J. uns am ersten Tag gewarnt, dass Frauen dort nie, auch nicht zu zweit, hinsollten. „The police don‘t care about the red light district. If there’s one more girl behind the windows – they don‘t see that. I knew a few girls who were forced to work there. The pimps just stole the passports and identity cards and so it’s not that easy for the police to help them and that’s why the police just don‘t care about the red light district. They care about EVERYTHING about Amsterdam but the red light district.“ Einmal haben wir uns, weil es regnete, verlaufen und landeten in einer Strasse die eben dorthin fuehrte. Natuerlich sind wir umgekehrt und schnell zurueck gegangen, als wir das gemerkt haben. Aber die Frauen einfach so hinter den Fenstern zu sehen, fast unbekleidet und tanzend, das war schon richtig heftig. Was ich auch richtig heftig finde, ist, was amsterdam.info auf der Seite „Sehenswuerdigkeiten“ ueber das Rot Licht Viertel schreibt (ich kann nicht verlinken, aber hier: http://www.amsterdam.info/de/sehenswuerdigkeiten/):

„Man kann nicht wirklich behaupten in Amsterdam gewesen zu sein ohne das berühmt berüchtigte Rot-Licht-Viertel gesehen zu haben. Das Viertel bietet nachts aber auch tagsüber eine ganz besondere Atmosphäre. Ganz offensichtlich wird hier Sex gegen Geld angeboten und Frauen fast jeden Alters und Herkunft sind in den rotbeleuchteten Fenster zu begutachten. Seien Sie aber auf der Hut vor Taschendieben besonders am Wochenende Unmengen von Touristen das Rot-Licht-Viertel durchziehen.“ (Zitat von www.amsterdam.info am 31.8.2009)

Aha, da kann man also Frauen begutachten. Ganz toll. Ich werde von mir jedenfalls wirklich behaupten, in Amsterdam gewesen zu sein und bin froh, dass ich das beruehmt/beruechtigte Rot-Licht-Viertel nicht gesehen habe. Andere, auch wenig erfreuliche Sachen hab ich aber gesehn:

„He’s not my brother“
Gestern Abend sind wir mit dem Bus nachhause gefahren und an einer Stelle ist ein anscheinend obdachloser Mann mit drei grossen Kissen eingestiegen. Ob er in dem Bus schlafen wollte oder einfach in der Waerme sein oder einfach Bus fahren, das weiss ich nicht. Zumindest gab es aus irgendwelchen Gruenden Stress mit dem Busfahrer und der Obdachlose hat mit einem Zehneuro-Schein herumgewedelt. Aber der Bus ist nicht weitergefahren. Vor der Bustuer standen mehrere Menschen die einsteigen wollten, aber das nicht konnten weil es eben die Auseinandersetzung zwischen dem Busfahrer und dem Mann gab. Irgendwann hat einer von den Wartenden geschrieen „He’s not my brother“. Was er damit meinte, weiss ich nicht genau; ich dachte erst er wuerde das schreien weil er und auch der Obdachlose beide schwarz waren und er nicht wollte, dass irgendwer rassistisch die beide in einen Topf wuerde oder so. Aber F. hat spaeter gesagt, er musste bei „He“s not my brother“ an Jesus denken. Alle Menschen sind also Geschwister, ja?
Nunja, wie auch immer, daraufhin hat der Mann der das geschrieen hat den Obdachlosen brutal angepackt, in den Bauch geschlagen, und aus dem Bus geworfen. Daraufhin haben die Leute in dem Bus (ich glaube fast alle bis auf uns) angefangen zu applaudieren. Was mich mehr egschockt hat weiss ich nicht. Diese offene Gewalt und der Hass gegen Menschen oder aber die fehlende Zivilcourage (ja, auch von uns) und dann auch noch der Applaus der im Bus sitzenden. Denn gut, vielleicht war das Verhalten von dem Obdachlosen nicht cool, ich weiss ja wirklich nicht was er gemacht hat, und gut, es war spaet und alle wollten heim, aber deswegen muss man doch nicht gleich schlagen?

Heute ist schon wieder so etwas aehnliches bei der Metrostation passiert, als eine Metro ausgefallen ist und ein Mann deswegen sauer wurde und die Beamten beleidigt hat, die ihm dann gleich gedroht haben. Das war auch von beiden Seiten sicherlich nicht cool, aber als es dann zu einer Pruegelei kam wollte der Mann wegrennen, der die Beamten beleidigt hat. Und der Beamte rannte ihm nach nur um ihn weiter zu schlagen. Da allerdings habe ich wenigstens versucht irgendwas zu machen indem ich zwischen die gegangen bin und „Silence“ gebruellt hab. Als ich wieder weg war ist der Beamte allerdings dem Mann immer noch hinterhergerannt und wie es ausging weiss ich nciht.

Aber mir scheint jedenfalls, dass Gewalt hier ganz anders ist, als bei mir im kleinen ebschaulichen Staetdchen Tuebingen. Das hat J. auch gesagt: Dass er schon zweimal mit einèr Pistole und dreimal mit einem Messer bedroht wurde. „It´s just important to shout loud. They would never really shot. But that doesn´t happen to tourists, it was just because I lived here my whole live and I love a bit the danger…“